https://www.faz.net/-gzg-a2ynj

1500 Infizierte noch nicht fit : Mittlerweile vier Bundesländer in „Corona-Rangliste“ vor Hessen

Wir müssen leider draußen bleiben: Für Wiesbadens Kliniken gilt seit Dienstag ein Besuchsverbot Bild: dpa

Nach dem Ausreißer vom Dienstag melden die hessischen Gesundheitsämter lediglich zweistellige Covid-19-Neuinfektonen. Die Zahl der Genesenen steigt kräftig. In der „Corona-Rangliste“ liegen vier Bundesländer vor Hessen.

          3 Min.

          Diese These scheint sich zu bewahrheiten: Je weiter sich das Ende der Sommerferien entfernt, desto mehr beruhigt sich das Infektionsgeschehen in Hessen. Zumindest lassen neuesten Daten aus dem Robert-Koch-Institut darauf hoffen. Denn nach dem Ausreißer vom Dienstag mit 165 gemeldeten bestätigten neuen Covid-19-Fällen ist zur Wochenmitte lediglich von 96 Neuinfektionen die Rede. Das ist gemessen an den Zahlen von Mitte Juni immer noch viel. Allerdings bedeuten die 96 Fälle nur 7,6 Prozent der Neuinfektionen im Bund. Hessen steht aber für acht Prozent der Gesamtbevölkerung. Dennoch gelten deutlich mehr als 1000 Infizierte als noch nicht genesen. Als gesund gilt, wer zwei Wochen nach dem positiven Test weder Symptome zeigt noch behandelt werden muss.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Derweil hat sich ein weiterer Schüler in Hessen erfolgreich vor Gericht gegen eine Maskenpflicht im Unterricht gewehrt. Das Verwaltungsgericht Wiesbaden gab seiner Klage statt. Der Kreis Groß-Gerau hat die zunächst bis 13. September geplante Maskenpflicht an Schulen in Rüsselsheim am Main, Raunheim, Kelsterbach, Bischofsheim, Ginsheim-Gustavsburg und
          Mörfelden-Walldorf aufgehoben
          . Es gebe aktuell medizinisch-infektiologisch keinen Grund mehr, die Maskenpflicht aufrechtzuerhalten.

          Schon an mehreren Tagen vor Dienstag dieser Woche hatten die hessischen Gesundheitsämter dem Robert-Koch-Institut (RKI) weniger neue Fälle gemeldet, als der Bevölkerungsanteil dies hätte vermuten lassen. Für den jüngsten Ausreißer am Dienstag dürfte der Umstand verantwortlich sein, dass das RKI für Frankfurt 51 Neuinfektionen meldete. Zuvor hatte das hierzulande für die Seuchenbekämpfung zuständige Institut weder für die Mainmetropole, den Main-Kinzig-Kreis noch aus Wiesbaden neue Daten genannt. Alle drei hatten aber in den Tagen davor mit erheblich gestiegenen Neuinfektionen zu kämpfen gehabt. Wiesbaden hat deshalb ein Besuchsverbot für Kliniken verhängt und Hanau eine Maskenpflicht auch an Bushaltestellen verfügt sowie andere Vorgaben verschärft.

          Die Online-Flatrate: F+
          FAZ.NET komplett

          Zugang zu allen exklusiven F+Artikeln. Bleiben Sie umfassend informiert, für nur 2,95 € pro Woche.

          Jetzt 30 Tage kostenfrei testen

          Wie den Daten des RKI weiter zu entnehmen ist, sind zwei weitere Todesfälle in Verbindung mit der Pandemie zu beklagen. Sie summieren sich seit März auf 534. Gleichzeitig ist von 13.700 Genesenen die Rede, das sind 200 mehr als am Vortag. Dadurch verbessert sich die statistische Relation von ausgestandenen Infektionen zu Todesfällen weiter. Der Wert beträgt nun 25,5. 1460 Infektionen sind folglich noch nicht ausgestanden.

          In der „Corona-Rangliste“ der Bundesländer mit der Sieben-Tage-Inzidenz, das sind die die neuen Fälle unter 100.000 Einwohnern binnen Wochenfrist, ist Hessen abgerutscht. Nachdem das Bundesland vor einigen Tagen mit einem Wert von mehr als 18 den zweifelhaften Spitzenplatz belegt hatte, liegt es nun auf Rang fünf mit 10,4. Davor liegen in dieser Reihenfolge Bayern, Bremen, Baden-Württemberg und Berlin. Der westliche hessische Nachbar Rheinland-Pfalz kommt auf 9,1.

          Für Frankfurt weist das RKI nunmehr 2701 Infektionen seit März aus, das sind 20 mehr als am Vortag vom Sozialministerium mitgeteilt. Die Inzidenz ist deshalb von 18,5 auf 19,1 geklettert und nähert sich dem zweiten Schwellenwert im Eskalationskonzept des Landes (siehe Grafik). In der vergangenen Woche hatte die Stadt schon an der dritten Warnstufe gestanden und anders als andere Großstädte einen sogenannten Peak bei den Neuinfektion beklagt.

          Für die Nachbarstadt Offenbach stehen nun 15,5 neue Fälle unter 100.000 Einwohnern binnen Wochenfrist zu Buche. Noch am Dienstag waren es 19,9. Das Infektionsgeschehen in der Stadt, die wie etwa auch Frankfurt besonders viele neue Fälle unter Reiserückkehrern verzeichnet hatte, entspannt sich folglich. Gleiches gilt für Wiesbaden. Hatte die Landeshauptstadt noch vor wenigen Tagen einen Inzidenzwert von mehr als 35 aufgewiesen, so ist dieser mittlerweile auf 19,8 gesunken. Für den Main-Kinzig-Kreis mit Hanau als größter Stadt meldet das RKI eine 12,9 nach 15,9.

          Die niedrigsten Inzidenzwerte weisen die Landkeise Hersfeld-Rotenburg (0,8) sowie Lahn-Dill und Werra-Meißner (jeweils 2,0) auf. Die kreisfreie Stadt mit dem entsprechend besten Wert ist Kassel mit fünf. Den höchsten Wert weist der Main-Taunus-Kreis auf; er kommt nach 46 neuen Fällen binnen sieben Tagen auf 19,3. Dies steht im neuen Corona-Bulletin des Sozialministeriums zu lesen. Demnach stehen für den MTK seit März 587 Infektionen zu Buche. Der Landkreis selbst sprach aber schon am Dienstag von 600, darunter 50 nicht ausgestandene Infektionen.

          Wo die Flughafen-Tests verbucht werden

          Aus Frankfurter Sicht ist grundsätzlich wichtig: Die am Flughafen genommenen positiven Tests werden nicht der Stadt zugeordnet. Vielmehr schlagen sie sich nach Angaben des Sozialministeriums in der Statistik des Gesundheitsamts nieder, das für den jeweiligen Reiserückkehrer zuständig ist. Das kann auch das Frankfurter Amt sein oder ein anderes in Hessen, aber eben auch eine Behörde in einem anderen Bundesland.

          Wie das RKI der F.A.Z. weiter mitteilte, erhebt es Daten zur Zahl der Genesenen nicht offiziell. Die Erhebung sei auch nicht gesetzlich vorgesehen. „Allerdings kann man zumindest bei den Fällen, bei denen die meisten Angaben ermittelt wurden, die keine schweren Symptome hatten und die nicht in ein Krankenhaus eingewiesen wurden, davon ausgehen, dass sie spätestens nach 14 Tagen wieder genesen sind“, heißt es in Berlin. Das RKI schätze die Zahl der Genesenen.

          Das Sozialministerium veröffentlicht täglich eine Übersicht der Corona-Entwicklung, aufgeschlüsselt nach Kreisen und kreisfreien Städten. Es bezieht sich dabei auf Zahlen des RKI. Bis vor einigen Tagen berücksichtigte es auch Daten des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen beim Regierungspräsidium Gießen, dem die Gesundheitsämter die jeweils neuen Fälle melden müssen. Um Einheitlichkeit herzustellen, nimmt das Ministerium nun nur noch die RKI-Angaben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Künstliches Licht: Indoor-Farming ist energieintensiv.

          Essen aus der Stadt : So könnte die Ernährung der Zukunft aussehen

          Die meisten Lebensmittel werden über Hunderte Kilometer transportiert, bevor sie bei uns auf dem Teller landen. Urbane Landwirtschaft will das ändern – und eine Antwort auf den wachsenden Hunger auf der Welt finden.
          Wachstumsgeschichte: Die Eschborner „Skyline“ entstand nach dem neuen Rathaus und der „kleinen Ortsumgehung“ Rödelheimer Straße.

          Gestaltung von Eschborn : Vom „armen Kaff“ zur Boomtown

          Ein Trip durch Amerika war der Ausgangspunkt für den Aufstieg des kleinen Frankfurter Nachbarn Eschborn. Ein Mann hat maßgeblich dafür gesorgt, dass aus einem Dorf eine wohlhabende Kommune geworden ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.