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Radfahrer auf Weltreise : Keine Angst vor Schlangen und Räubern

Abenteurer: Dennis Kailing hat auf seiner Reise viele Schwierigkeiten bewältigt, zum Beispiel hat er eine fragile Brücke in Timor überquert. Bild: Dennis Kailing

Mit einem Fahrrad hat der Gelnhäuser Dennis Kailing zwei Jahre lang die Welt bereist. Seine Begegnungen und Erlebnisse sind jetzt in einem Kinofilm zu sehen.

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          Es hätte auch schiefgehen können. Mit dem Fahrrad fast zwei Jahre lang mutterseelenallein in der Welt unterwegs sein, fast 44.000 Kilometer mit reiner Muskelkraft zu bewältigen in Ländern wie Iran und Malaysia, Mexiko und Nordamerika, Argentinien und Marokko – das klingt wirklich gefährlich. Allerdings nicht in den Ohren von Dennis Kailing. Er war gerade 24 Jahre alt, als er fast von heute auf morgen beschloss, mit seinem Fahrrad ferne Länder zu erkunden. Eine Entscheidung mit Tragweite, doch für Kailing in erster Linie ein Abenteuer.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Zuvor war sein Leben in völlig geordneten Bahnen verlaufen. Im Jahr 1990 in Gelnhausen geboren, ging er dort zur Schule, machte sein Abitur und entschied sich für ein Bauingenieurstudium. Nach dem Bachelor jobbte er in Berlin, bis ihm klarwurde, dass ihm die Welt zu klein geworden war. Etwas Geld hatte er zusammengespart, doch für eine Weltreise über viele Monate, wie sie dem jungen Gelnhäuser vorschwebte, würde das nicht reichen. Oder vielleicht doch? Es würde allein auf die Art des Reisens ankommen, dachte sich Kailing. Er schaffte sich ein Fahrrad an, etwas Ausrüstung und ging zum Tropenarzt, um sich impfen zu lassen. Dann informierte er die Eltern im heimischen Gelnhausen über seine Pläne. Die hatten den Traum ihres Sohnes schon mehrfach vernommen, doch dieses Mal „meint er es ernst“, meinte die Mutter zu seinem Vater. Die Eltern hätten gar nicht erst versucht, ihn von seinem Vorhaben abzubringen, denn sie hätten gewusst, dass es sinnlos sein würde, erinnert sich Kailing und lächelt spitzbübisch.

          „Mit einem Lächeln kommst du weiter“

          Dieses Lächeln muss ihm geholfen haben, die Herzen vieler Menschen auf seinem langen Weg zu erobern. „Mit einem Lächeln kommst du weiter. Egal, ob am Flughafen, im Fahrradladen oder in kniffligen Situationen. Solange du gute Laune versprühst, wirst du wahrscheinlich bekommen, was du willst“, erklärt Kailing seine Strategie, die bei ihm ganz offensichtlich von Herzen kommt. Ein weiteres Motto für ihn heißt, auf die Menschen zuzugehen. In kleineren Orten, egal, in welchem Land, suchte er immer die Treffpunkte auf, an denen Einheimische zusammenkommen, wo sie reden und einkaufen. Oft sind das kleine Kioske am Straßenrand, dort lassen sich nach den Erfahrungen von Kailing gut Bekanntschaften schließen. So traf er immer wieder auf Leute, die ihn zum Essen in ihr Haus einluden und die den sympathischen Fremden bei sich übernachten ließen.

          Häufig schlief er in seinem Zelt in freier Natur, aber auch an so ausgefallenen Orten wie in einer Schwimmhalle in Indien, auf der Ladefläche eines Kleintransporters, in der Frauenzelle einer Polizeistation in Mexiko, im Büro eines Bürgermeisters in der Türkei oder in einem Baumhaus in Peru. Kailing spricht Englisch und ein paar Brocken Spanisch, mehr nicht. Dafür brachte er während seiner langen Fahrt die Fähigkeit, sich mit Gesten, mit Händen und Füßen zu verständigen, zur Perfektion.

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