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In Existenznot wegen Corona : Helft den Herbergen!

Gebeutelt: Die Betreiber der Jugendherbergen in Hessen bangen um ihre Existenz. Bild: Bergmann, Wonge

Die hessischen Jugendherbergen kämpfen ums Überleben. Dass die Häuser eine wichtige soziale Aufgabe erfüllen, scheint die schwarz-grüne Landesregierung noch nicht verstanden zu haben.

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          Wer sich anschaut, für was in der Corona-Krise alles Geld da war, wundert sich. Zuweilen gewann der gemeine Steuerzahler, der im Homeoffice und beim Homeschooling die öffentlichen Einnahmen mühsam erst ermöglichte, den Eindruck, jeder, der nicht ausdrücklich „nein“ schrie, werde bedacht. Milliardenprogramme hier, dreistellige Millionensummen dort – als gäbe es kein Morgen mehr. Und erst recht keine nächste Generation, die das irgendwie, irgendwo, irgendwann zurückzahlen muss.

          Dass ausgerechnet die hessische CDU-Fraktion einer gigantischen Verschuldung per euphemistisch verbrämten „Sondervermögen“ zugestimmt hat, treibt wahren Parteikämpen die Tränen in die Augen. Sie ballen die Faust in der Tasche und finden das Ganze ähnlich unglaublich wie die offenkundige Tatsache, dass die eigene Führung bis heute nicht einmal ansatzweise überrissen hat, welchen Zorn die Entscheidung in den eigenen Reihen und in den Reihen vieler Stammwähler auslöst.

          Jugendherbergen sind Sozialpolitik im besten Sinne

          Wer nun also seit Monaten die leichte Hand bestaunt, mit der Milliarden jongliert und verteilt werden, fragt sich, warum die Jugendherbergen in Hessen knapp fünf Monate nach Beginn des Lockdown trotzdem um ihre Existenz kämpfen müssen. Wer sich mit dem Vorstandvorsitzenden des Trägervereins unterhält, erfährt von einem Umsatzeinbruch um 80 Prozent sowie von der schlichten Notwendigkeit, demnächst die ersten Häuser zu schließen.

          Als Steuerzahler fallen einem, grob geschätzt, Dutzende Krisenzuschüsse ein, auf die man zugunsten der 33 hessischen Häuser lieber verzichten würde. Jugendherbergen sind nicht irgendetwas. Sie ermöglichen bis heute Familien mit wenig Geld eine Städtereise, sind also Sozialpolitik im praktischen und damit besten Sinne. In ihrer flächendeckenden Erreichbarkeit sind sie überdies einzigartig darin, Unterkünfte für Klassenfahrten zu bieten. Und sie machen auch Kindern aus reichen Elternhäusern klar, dass es genügen kann, sich auf das Nötige zu beschränken und trotzdem Spaß dabei zu haben.

          Nicht zuletzt jedoch sind sie ein Stück Tradition und Heimat in einer Welt, die sich rasend verändert. Eine schwarz-grüne Landesregierung, die es zulässt, dass Jugendherbergen in der Corona-Krise vor die Hunde gehen, hat all das nicht verstanden.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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