https://www.faz.net/-gzg-9ljie

Frankfurter Messeturm : Helmut Jahn baut seinen „Bleistift“ um

Unzertrennlich: Der Hammering Man steht seit 1991 vor dem Frankfurter Messeturm. Bild: Wolfgang Eilmes

Der Messeturm ist der Klassiker unter den Frankfurter Hochhäusern. Jetzt bekommt er vom Schöpfer selbst ein neues Foyer – mit Café und Wasserfall, aber ohne Granit.

          Was tun, wenn man ein ikonisches Gebäude umbauen will, den Urheberrechtsstreit aber scheut? Man beauftragt einfach den ursprünglichen Architekten selbst mit den Arbeiten. So ist es beim Messeturm geschehen. Das Unternehmen Office First betreut die Immobilie für den Eigentümer Blackstone und will das Foyer freundlicher und komfortabler machen. Es erteilte Helmut Jahn, von dem auch der ursprüngliche Entwurf für den 1990 fertiggestellten „Bleistift“ stammt, den Auftrag, die enge Lobby, den Sockel und das Untergeschoss neu zu gestalten. Die Baugenehmigung wurde schon erteilt, noch im April soll es im Untergeschoss losgehen. Ende des Jahres soll der rund 100 Millionen Euro teure Umbau beendet sein.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Aus der Ferne betrachtet, wird sich am Messeturm nicht viel ändern. Wer allerdings genauer hinschaut, erkennt sehr wohl einen Unterschied. Denn der Eindruck, dass sich in dem Gebäude ein Zylinder befindet, der oberhalb des quaderförmigen Mittelteils wieder hervortritt und in eine Pyramide ausläuft, geht verloren. Bisher liegt die gläserne Rundung des Foyers nämlich innerhalb der äußeren Gebäudegrenze. Office First will sie nun vier Meter nach außen rücken, so dass die Glaswände bis zu zweieinhalb Meter über die Gebäudekante hervortreten. Dadurch gewinnt der Empfang viel Platz: Fast 600 Quadratmeter mehr stehen dort künftig zur Verfügung.

          Besonders einladend

          Für die Nutzer und ihre Besucher bedeutet das mehr Komfort. Wer zurzeit den Messeturm durch die Glasschleuse betritt, trifft schon nach wenigen Metern auf einen schmalen Not-Tresen, der neben der Vereinzelungsanlage vor dem Fahrstuhlkern liegt. Das wirkt dicht gedrängt, der Rest des Foyers ist dafür fast ungenutzt. Aus modernen Bürogebäuden ist man inzwischen mehr Aufenthaltsqualität gewohnt.

          Mehr Platz: So soll der Eingang künftig aussehen. Bilderstrecke

          Die will Office First seinen Nutzern – nur 60 Prozent der Bürofläche sind derzeit vermietet – künftig auch bieten: Rechts neben den Eingangstüren soll es nicht nur einen breiten Empfangstresen geben. Linker Hand ist auch ein kleines Café vorgesehen, das sich nach Süden, zum Messeeingang hin, mit einem dezenten Nebeneingang nach außen öffnet. Im rückwärtigen Teil der Lobby wird es eine Lounge geben, die durch eine Art Wasserfall, der an einer Scheibe im Foyer herabrinnt, besonders einladend sein soll.

          Außerdem wird die Decke des 18 Meter hohen Foyers um drei Meter abgesenkt. Dadurch entsteht ein zusätzliches Zwischengeschoss, das es einfacher machen soll, das Gebäude im Notfall zu räumen. Die Mitarbeiter würden dann von dort über eine Treppe, die sich in einem der dicken Eckpfeiler befindet, ins Freie gelangen. Im Untergeschoss wird die Kantine neu gestaltet. Das Vordach vor dem Eingang wird ebenso wie die pavillonartige Einhausung der Rolltreppe zur U-Bahn-Station abgerissen.

          Office First will auch den Bodenbelag im Foyer ändern. Statt über roten Granit werden die Besucher bald über hellen Sandstein und Parkett laufen. Der Messeturm wird dadurch innen austauschbarer wirken, die angenehme Schwere des Materials, das auch die äußere Fassade prägt, verschwindet. Der Erschließungskern wird nicht mehr mit Aluminium, sondern mit hinterleuchtetem Glas verkleidet. Damit verschwindet die postmoderne Achtziger-Jahre-Optik. „Das wird alles viel leichtfüßiger. Moderne Nutzer wollen modernes Design“, meint Guido Pinol, Vorstandsvorsitzender von Office First.

          Der Denkmalschutz sei mit den Plänen einverstanden. Die Zusammenarbeit sei eng und konstruktiv: „Jeder bekommt, was für ihn wichtig ist.“ Der zuständige Landeskonservator Heinz Wionski war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Er hatte vor Monaten angekündigt, dass der Messeturm als erstes Frankfurter Hochhaus unter Schutz gestellt werde.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Roboter und Algorithmen übernehmen immer mehr unserer Arbeit, deswegen muss sich auch die Art der Altersversorgung ändern.

          Die DigiRente : Neue Altersvorsorge für die digitale Ära

          Wie die Menschen beim Einkaufen zu Anteilseignern digitaler Maschinen und Algorithmen werden und damit sinnvoll Altersvorsorge betreiben und Vermögen bilden können. Ein Gastbeitrag.

          1:0 gegen Hoffenheim : Hintereggers Blitztor reicht der Eintracht

          Nach 36 Sekunden führte die Eintracht 1:0. Und nach 90 Minuten ebenfalls. Beim Bundesliga-Auftaktsieg gegen Hoffenheim vergibt die Eintracht viele Chancen auf einen höheren Sieg. Hoffenheims Trainer Alfred Schreuder verliert beim Bundesligadebüt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.