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Hells Angels in Rhein-Main : Rocker im Infight

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Könnte bald wieder öfter zu sehen sein: Das Kuttenverbot für Rocker gelte nur noch eingeschränkt, meint der Bundesgerichtshof. Bild: dpa

Die Hells Angels dominieren trotz Verboten in Frankfurt weiter die hessische Rockerszene. Intern schwelt ein brisanter Machtkampf. Die türkischstämmige Konkurrenz will alte Hierarchien nicht mehr gelten lassen.

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          Walter B. hat sich rar gemacht. Seitdem sein Frankfurter Charter Westend verboten wurde, arbeitet der vom Boulevard ob seiner Lieblingsspeise „Schnitzel-Walter“ Genannte an der Legende vom Rückzug ins Privatleben: Alles nur Gerüchte, dass er womöglich den auf Mallorca festsitzenden Frank Hanebuth als „Deutschland-Chef“ beerbt hat. Im April musste Walter B. allerdings am Amtsgericht Limburg erscheinen, die Polizei hatte bei einer Kontrolle und einer Hausdurchsuchung eine Pistole und einen Revolver, aber keinen Waffenschein gefunden. Sein Verteidiger sagte zur Rechtfertigung, B. sei in Lebensgefahr, er werde „von Türken“ bedroht.

          Das Urteil, 16 Monate auf Bewährung, hat B. routiniert und gelassen hingenommen. Wenn die Meldungen aus der Szene stimmen, dann können B. und Kumpane, die Old Schooler, wie die Polizei sie nennt, seit einigen Wochen ruhiger schlafen. Sie sollen mit der aufmüpfigen Konkurrenz aus den eigenen Reihen so etwas wie Frieden geschlossen haben. Die Fehde in Frankfurt, ist zu hören, wurde vor dem Weltkongress der Hells Angels Anfang Juni in Griechenland verhandelt. Mit dem Ergebnis, dass die türkischstämmigen Gruppen, ehedem nur als „Unterstützer“ den etablierten Rockern zuarbeitend, in Deutschland eigene Clubs, Charter genannt, gründen dürfen.

          Der mächtige Boss Aygün M.

          Anfang August vergangenen Jahres sah noch alles nach Eskalation im Bruderkampf aus. Die Schießerei vor dem Katana Club in Frankfurt war gerade vier Wochen her, als eine Kolonne meist türkischstämmiger Hells Angels durch das Frankfurter Bahnhofsviertel fuhr. Die schweren Maschinen röhrten durch die Straßen, so lange, bis die Polizei den Konvoi stoppte, um sich zumindest einen groben Überblick zu verschaffen, wer sich unter den schweren Kutten und hinter dunklen Sonnenbrillen verbarg. Zuerst hieß es, es seien Mitglieder der Rockervereinigung aus Luxemburg. Doch eigentlich stand zu diesem Zeitpunkt schon fest, dass „Luxemburg“ nur ein Synonym ist für „Gießen“. Dahin führte nämlich die Spur: zu der Fraktion der Rocker um ihren Anführer Aygün M., inzwischen mächtiger Boss des ersten türkisch dominierten Charters in Hessen in der mittelhessischen Stadt.

          Die Rocker trollten sich nach der Polizeikontrolle wieder. Die Sicherheitsbehörden atmeten auf, aber es blieb bis ins Ministerium die Sorge, es könne zu Racheakten für die Schießerei am 2. Juli 2014 kommen. Man befürchtete, dass die Gewalt, die vorher zwischen Hells Angels und Bandidos ausgebrochen war und die man durch Verbote vieler Clubs eingedämmt hatte, nun unter anderen Vorzeichen wiederaufflammen werde. Die Schießerei am 2. Juli 2014 vor dem Frankfurter Katana Club war tatsächlich ein solches Indiz gewesen. An dem Abend waren mehrere Wagen vor das Lokal gefahren, Rocker stiegen aus und gingen sofort zum Angriff über.

          „Pakt der Türken“ innerhalb der europäischen Rockerszene

          Mit dabei Aygün M., Anführer der türkischen Hells Angels in Hessen und mittlerweile auch international anerkannt. Dass er die mächtigen Platzhirsche in Frankfurt herausfordern würde, verwunderte nicht. Schon zu Zeiten, als er noch Chef der „Brigade 81“ war und somit direkt dem einflussreichen Frankfurter Charter „Westend“ unterstand, soll er angedeutet haben, er wolle mehr zu sagen haben. Als dann in anderen Bundesländern Hells Angels mit türkischen Wurzeln mehr Autonomie einforderten, was bis hin zu internen offenen Kriegserklärungen an die einstigen deutschen Kumpane ging, nutzte M. nach Erkenntnis der Sicherheitsbehörden seine Chance. Er knüpfte Seilschaften mit einflussreichen Anführern von Gruppen dieser Provenienz in anderen Städten. Vor allem zu Neco A., der in Köln unter anderem mit Geschäften im Rotlichtmilieu groß geworden ist und offenbar inzwischen aus dem türkischen Izmir die Geschäfte in Deutschland leitet.

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