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Gesundheitskonzern Helios : Stellen streichen und Millionen investieren

Noch in der Schieflage: Die Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden. Bild: Gilli, Franziska

In den Wiesbadener Horst-Schmidt-Kliniken fallen in den nächsten zwei Jahren 391 von 2800 Arbeitsplätzen weg. An anderer Stelle investiert der Konzern Helios 250 Millionen Euro.

          Der Gesundheitskonzern Helios will in den Wiesbadener Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) in den nächsten beiden Jahren 391 von 2800 Stellen streichen. Er wird die HSK anders als ursprünglich geplant nicht in einem Gebäude mit der Deutschen Klinik für Diagnostik (DKD) zusammenführen und plant in der Landeshauptstadt Investitionen in einer Gesamthöhe von 250 Millionen Euro.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Man verfolge „das klare Ziel“, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten, hieß es auf einer Pressekonferenz. Mit dem Betriebsrat habe man sich auf Abfindungsangebote geeinigt. Am Ende des nächsten Jahres werde man sehen, wie weit man mit freiwilligen Aufhebungsverträgen und der natürlichen Fluktuation komme.

          Im nächsten Jahr Gewinne erwartet

          Von den Streichungen sind alle Berufsgruppen betroffen. Es sollen beispielsweise 53 Ärzte und 92 Pfleger gehen. Das Vorhaben werde man „konsequent und ganz klar durchsetzen“, kündigte die hessische Regionalgeschäftsführerin des Konzerns, Corinna Glenz, an. Dann werde es nach zwei Jahren ein Ende mit den „Schreckensszenarien“ haben, und die verbleibenden 2400 Mitarbeiter könnten sich ihrer Stelle dauerhaft sicher sein.

          Das laufende Jahr werde man voraussichtlich mit einem Minus von 25 Millionen Euro abschließen. Schon im nächsten Jahr aber könne man schwarze Zahlen schreiben. Im Jahr 2020 soll ein Gewinn von 25 Millionen Euro ausgewiesen werden. Dies sei möglich, wenn die Arbeit besser organisiert und die Kosten gesenkt würden.

          Neue Schule für Gesundheitsberufe

          Scharfe Kritik übte Glenz an der Rhön-Klinikum AG, dem früheren Minderheitsgesellschafter des kommunalen Krankenhauses. Beispielsweise seien nicht alle erbrachten Leistungen auch tatsächlich abgerechnet worden. Allein dadurch ließen sich „Millionen“ einnehmen, sagte sie. Von ineffizienten Strukturen und verfehlten Investitionen war die Rede. Die Helios-Managerin bekräftigte, dass in der unmittelbaren Nachbarschaft des heutigen Krankenhauses ein Neubau errichtet werde. Dafür sind gut 200 Millionen Euro veranschlagt. Das Land Hessen übernimmt davon ein Drittel. Das heutige Bildungszentrum und das Wohnheim für Mitarbeiter werden abgerissen.

          Eine neue Schule für Gesundheitsberufe soll aber schon im Herbst des nächsten Jahres eröffnet werden. 14 Architekten hätten sich an der Ausschreibung des Neubaus beteiligt, berichtete Glenz. Bis Ende des Jahres werde einer ausgewählt. Der erste Spatenstich ist für das Frühjahr 2016 geplant. Vier Jahre später soll die neue Klinik eröffnet werden.

          DKD lebt von Privatpatienten

          Die von Rhön geplante Verlegung der DKD an den Sitz der HSK hält Glenz nicht für sachgerecht. Es handele sich um unterschiedliche Krankenhäuser „mit ganz anderen Abläufen“. Außerdem sei keineswegs gesagt, dass die Patienten der DKD aus dem Aukammtal tatsächlich an den Standort in Dotzheim wechseln würden.

          Die HSK ist ein großer Maximalversorger, während die DKD von Privatpatienten lebt, die zum Teil aus dem Ausland anreisen und hohe Ansprüche haben. Geschäftsführerin Sabine Braun berichtete, dass ihre Mitarbeiter die Entscheidung erleichtert aufgenommen hätten. Jedoch sei das Gebäude des Krankenhauses in einem schlechten Zustand. Bausubstanz, Dächer und Zimmer müssten erneuert werden. Investitionen für 5,5 Millionen Euro seien nötig. Rund 3,6 Millionen würden im nächsten Jahr ausgegeben.

          Im Unterschied zu den HSK erwirtschaftet die DKD nach Helios-Angaben Gewinne. Dasselbe gilt für die Aukamm-Klinik. Sie wird mit 57 Betten als Belegarztklinik geführt und ist Sitz einer renommierten Gemeinschaftspraxis für Orthopädie. Weil auch dieses Gebäude in einem schlechten Zustand ist, wird ein Umzug in die zurzeit leerstehende Wilhelm-Fresenius-Klinik erwogen. Eine Millionensumme will Helios schließlich in Medizin- und Computertechnik investieren.

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