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Helge Schneider : Der Meisenmann als Bundeswehrpilot

  • -Aktualisiert am

Musikalischer Tausendsassa: Helge Schneider auf der Bühne der Alten Oper. Bild: Rosenkranz, Henner

Helge Schneider zeigt sich in der Frankfurter Alten Oper von seiner vielfältigen Seite. Auch improvisieren kann er noch.

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          Da behaupte noch einer, im Laufe der Jahre habe das Improvisationstalent von Klamaukkoryphäe Helge Schneider gelitten. Respektlos und unverblümt schnodderig wie immer, baut der 57 Jahre alte Allzweckkünstler am Rosenmontag die Überraschungsmeldung des Tages in sein ausverkauftes Gastspiel in der Frankfurter Alten Oper ein. Gleich zu Beginn erzählt er, was sich zugetragen habe: „Heute morgen klingelte das Telefon: ‚Hier ist Karl.‘ Welcher Karl, frage ich? Karl Dall? ‚Nein, Karl Ratzinger. Ich hab keinen Bock mehr!‘ Ich machte mir ernsthafte Sorgen. ,Was willst du denn jetzt machen, warf ich ein? Umschulen? Und deinen VW Golf hast du auch verkauft. Jetzt stehst du ohne Auto da. Hab es dir ja gleich gesagt, lass es lieber sein mit der Stelle im Vatikan.‘“ Dass der bürgerliche Vorname von Benedikt XVI. Joseph Aloisius lautet - geschenkt.

          In seinem Programm „With Love In My Fingers - Say It With Love“ serviert Helge Schneider wieder einmal kollektive Zwerchfellerschütterungen im Minutentakt. Mit spitzer Zunge hakt er Reichensteuer, Rente und Risikobanken ab. Stellt erstaunt fest, dass „Frankfurt wirklich sehr schmal geraten ist, deshalb wird hier so hoch gebaut“. Nachdem er gerade seinen Vertrag für seine WDR-Talkshow gelöst hat, unkt er hinterhältig bissig über das Fernseh-Geschäft, das nur „schönen Menschen eine Chance einräumt“. Oder er fabuliert über seine bislang unbekannten Karrierestationen wie etwa acht Jahre als Starfighter-Pilot bei der Bundeswehr.

          Urkomische Sternstunde

          Parallel glänzt Helge Schneider als virtuoser Multiinstrumentalist mit zwei Neuzugängen: Kontrabassist Ira Coleman und Schlagzeuger Willy Ketzer erinnern im Zusammenspiel mit ihrem mitunter despektierlichen Chef an das legendäre Jacques Loussier Trio, das von den späten fünfziger Jahren an mit der verjazzten Klassikreihe „Play Bach“ Akzente setzte. Mit Erroll Garners „Misty“, Thelonious Monks „I Mean You“ und Duke Ellingtons „Mood Indigo“ demonstriert Schneider seine innige Liebe zum Jazz. Konzessionen an das Publikum erfolgen mit „Der Schönheitschirurg von Banania“ und „Meisenmann“. „Katzeklo“ kündigt Schneider zwar mehrmals an, vergisst dann aber doch, den Gassenhauer zu spielen. Ein Rundumschlag durch Ludwig van Beethovens Hits kann da nur bedingt entschädigen.

          Zurufe, wo denn seine langjährigen Wegbegleiter, Teekoch Bodo Oesterling und Ausdruckstänzer Sergej Gleithmann, abgeblieben seien, kontert Schneider gekonnt dreist: Oesterling sei schwanger, Gleithmann sitze eine längere Jugendhaftstrafe ab. Urkomische Sternstunde seine gesprochene wie gesungene Parodie auf seinen Kollegen Udo Lindenberg, den er im Hotel besucht. Auch Jürgen von der Lippe, Herbert Grönemeyer, Louis Armstrong und Miles Davis werden imitiert. Schneider brilliert am Flügel, am Vibraphon, an der spanischen Gitarre, auf der Trompete und an der Panflöte. Ein weiteres unbekanntes Detail legt er dann auch noch offen: War der Tausendsassa aus Mülheim an der Ruhr doch einst Fußnagelmodell von Bond-Darsteller Sean Connery.

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