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Vertrauter Merkels verliert : Womit der Chef des Kanzleramts sich trösten kann

Helge Braun bei seiner Rede auf dem Landesparteitag der hessischen CDU. Bild: Maximilian von Lachner

Helge Braun, der Spitzenkandidat der hessischen CDU, zieht über die Landesliste in den Bundestag ein. Seinen Wahlkreis in Gießen konnte er jedoch nicht gewinnen.

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          Wenn Angela Merkel (CDU) demnächst das Kanzleramt räumt, darf sie sich auf ihr Zuhause freuen. Auf ihren engen Mitarbeiter und Parteifreund Helge Braun hingegen wartet ein härteres Schicksal. Sein großzügiges, lichtdurchflutetes Büro mit dem faszinierenden Panoramablick auf Berlin wird der aus Hessen stammende Amtschef früher oder später gegen einen relativ bescheidenen Raum im Umfeld des Reichstags eintauschen müssen.

          Ewald Hetrodt
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Er wird ungefähr dem Ergebnis entsprechen, das Braun am Sonntag bei der Bundestagswahl erzielte. Im Landkreis Gießen kam er auf 29,6 Prozent der Erststimmen und verlor damit gegen den eher unbekannten Sozialdemokraten Felix Döring, der auf 30,4 Prozent kam. Dreimal hintereinander hatte Braun den Landkreis Gießen direkt gewonnen, bevor er ihn jetzt knapp verlor.

          Brauns Bekanntheit wuchs in der Pandemie

          Aber er muss sich nicht allzu sehr grämen. Als Spitzenkandidat der hessischen CDU wird Braun über die Landesliste ins Parlament einziehen. Außerdem liegt er mit einem Minus von 5,5 Punkten bei den Erststimmen unter dem Durchschnitt der persönlichen Verluste, die die Kandidaten der CDU hinnehmen mussten. Der beträgt 7,9 Punkte.

          Brauns Einbußen fallen geringer aus, weil der Mediziner sich während der Pandemie auf der nationalen Bühne als kenntnis- und einflussreicher „Minister für besondere Aufgaben“ einen Namen gemacht hat. Dass die Deutschen mit ihrer Regierung zunächst zufrieden waren, verschaffte nicht nur Merkel, sondern auch Ministerpräsidenten wie Volker Bouffier (CDU) in Wiesbaden gute Umfrageergebnisse.

          Während der Narkosearzt Braun in zahllosen Fernsehauftritten die Corona-Strategie erklärte, stieg sein Bekanntheitsgrad in ungeahnte Höhen, von denen jedenfalls die hessischen Sozialdemokraten nur träumen konnten. Natürlich freue er sich, wenn er etwa im Baumarkt von Fremden angesprochen und für die Corona-Politik der Bundesregierung gelobt werde, erzählte Braun in einem der vielen Interviews, die er nun geben musste.

          Futter für die Falschen

          Doch mit der Dauer der Pandemie und angesichts mancher fragwürdiger, im Kanzleramt eingefädelter Entscheidung nahm die Zufriedenheit der Deutschen mit dem Krisenmanagement ab. Beifall von der falschen Seite bekam der Hesse, als er sich zu Beginn des Jahres mit der Forderung hervortat, die Schuldenbremse für mehrere Jahre auszusetzen. Es sei nur gut, dass die CDU ihre verfehlten fiskalpolitischen Grundsätze in der Pandemie über Bord geworfen habe, lobte ihn dafür der Parteichef der Linken, Jan Schalauske.

          Schon im Sommer des vergangenen Jahres hatte die einmalige, kurzfristige Aussetzung der Schuldenbremse durch die hessische Regierungskoalition nicht nur in der Opposition, sondern auch in Teilen der hessischen CDU scharfe Kritik ausgelöst. Dass Braun darauf mit seinem Vorstoß auf der Bundesebene keine Rücksicht nahm, amüsierte die Opposition und irritierte die eigenen Leute. „Das war in Inhalt und Form unglücklich“, tadelte ihn Partei- und Regierungschef Bouffier denn auch öffentlich.

          Spätestens zu diesem Zeitpunkt hatte sich die in der hessischen Union hinter vorgehaltener Hand gelegentlich artikulierte Überlegung, Braun könne eines Tages Bouffiers Nachfolge antreten, erledigt. Unabhängig davon nominierten die Delegierten der CDU ihren Mann im Kanzleramt im Juni dieses Jahres mit einer Mehrheit von 99 Prozent abermals als ihren Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl. Damals konnte Braun nicht ahnen, wie wichtig diese Position für ihn sein würde.

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