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Helaba mit anderen Landesbanken : Planspiele für Verflechtung

Bank im Wandel: die Helaba. Bild: dpa

Die Übernahme eines Teils der früheren WestLB in Düsseldorf könnte die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) stärker verändern als zunächst gedacht.

          Die Übernahme eines Teils der früheren WestLB in Düsseldorf könnte die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) stärker verändern als zunächst gedacht. In Sparkassenkreisen wurde am Mittwoch ein Bericht der „Börsen-Zeitung“ bestätigt, wonach sich möglicherweise infolge des Einstiegs der Helaba in das Geschäft in Nordrhein-Westfalen andere Landesbanken an dem hessischen Kreditinstitut beteiligen werden. Ohnedies werden zum Kreis der Träger der Helaba künftig die beiden Sparkassenverbände Nordrhein-Westfalens zählen.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Bisher gehört die Helaba zu 85 Prozent dem Sparkassen- und Giroverband Hessen-Thüringen, hinter dem die 50Sparkassen dieser beiden Bundesländer stehen, zu zehn Prozent dem Land Hessen und zu fünf Prozent dem Land Thüringen. Das Kreditinstitut ist wegen seiner vorsichtigen Geschäftspolitik gut durch die Finanzkrise gekommen, anders als andere Landesbanken und unter diesen vor allem die WestLB in Düsseldorf, die abgewickelt werden muss. Einen Teil des Hauses soll die Helaba übernehmen, und zwar das Geschäft mit den Sparkassen in Nordrhein-Westfalen, wofür sich der Begriff der Verbundbank eingebürgert hat. Darauf entfallen 40 der 160 Milliarden Euro Bilanzsumme der WestLB. Die Helaba wies für 2010 eine Bilanzsumme von 166 Milliarden Euro aus, ihr Geschäft wird also um ungefähr ein Viertel vergrößert.

          Zukunft der Arbeitsverhältnisse noch ungewiss

          Die Träger der Helaba erwarten, dass sie für die Verbundbank nicht etwa etwas zahlen müssen, sondern dass sie diese „zum Unternehmenswert Null“ bekommen, wie es der Präsident des Sparkassenverbands Hessen-Thüringen, Gerhard Grandke, im Februar formulierte. Es wird sogar erwartet, dass die Sparkassenorganisation der Helaba Kernkapital in Höhe von einer Milliarde Euro bereitstellt. Davon sollen 500 Millionen von den Sparkassen Nordrhein-Westfalens kommen und jeweils 250 Millionen aus den Sicherungsreserven der Sparkassen Deutschlands und der Landesbanken. Dies wurde am Montag endgültig beschlossen, wie der Deutsche Sparkassen- und Giroverband mitteilte.

          Die Frage ist aber nun, in welcher Weise dieses Kapital in die Helaba eingebracht wird. Bisher war von einer stillen Einlage die Rede oder einem Treuhandmodell. Zumindest hinsichtlich einer stillen Einlage ist die Helaba aber leidgeprüft; eine solche Beteiligung des Landes Hessen war im vergangenen Jahr von der neuen Europäischen Bankenaufsicht nicht als hartes Kernkapital anerkannt worden, weshalb die Helaba durch einen Stresstest fiel, den sie allein nach ihrer Geschäftslage ohne weiteres bestanden hätte. Neuerdings wird nicht nur über eine stille Einlage, sondern auch über eine direkte Beteiligung anderer Landesbanken diskutiert, wie auch in der hessischen Landesregierung bestätigt wird. Dort heißt es, mit einer solchen Beteiligung könne man leben, sofern nicht Vorstände dieser Konkurrenzinstitute in den Verwaltungsrat einrückten, sondern die Interessen dieser Anteilseigner durch neutrale Personen vertreten würden. Ähnlich gelassen sieht man es dem Vernehmen nach im Sparkassenverband.

          Wie sich die Anteilsverhältnisse in Zukunft gestalten, ist bisher nicht abzusehen. Grandke hatte einmal gesagt, der Anteil der beiden Sparkassenverbände Nordrhein-Westfalens werde sich vielleicht auf fünf bis zehn Prozent belaufen. Ähnlich hoch könnte der Anteil der Landesbanken ausfallen. Womöglich wird es eine weitere Beteiligung der deutschen Sparkassenorganisation geben, die ebenfalls mit 250Millionen Euro dabei ist. In Hessen hatte es wie in Thüringen gelegentlich Überlegungen gegeben, sich zurückzuziehen. Das scheint aber in beiden Bundesländern gegenwärtig nicht auf der Tagesordnung zu stehen.

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