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AFN in Wiesbaden : Heimatradio für Amerikas Helden

  • -Aktualisiert am

Radiomacher seit 50 Jahren: Gary Bautell Station-Manager von AFN in Wiesbaden Bild: Frank Röth

In Wiesbaden sendet eine der letzten AFN-Stationen in Deutschland. Mit knappem Budget hält der Sender die Soldaten bei Laune und hilft ihnen, sich hier zurechtzufinden.

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          Heute ist Karaoke-Tag auf AFN. „When I find myself in times of trouble“, haucht eine Anruferin mit deutschem Akzent in den Telefonhörer. Zur Belohnung für ihren Mut kann sie sich über den kompletten Beatles-Song im Radio freuen. „Great“, lobt Moderator Matthew Klene mit sonorer Stimme, bevor er die „Weird News“ des Tages verkündet: Immer weniger Amerikaner wollen den Beruf des Clowns ergreifen.

          Wer in den Vereinigten Staaten die Soldatenlaufbahn einschlägt und im Ausland stationiert wird, soll auf jeden Fall gut unterhalten werden. Darum kümmert sich das American Forces Network, der Rundfunkverbund der Streitkräfte. Im AFN-Studio in Wiesbaden stehen Matthew Klene, genannt Matt, und Kollegin Jessica Taylor vor ihren Mischpulten und sind auf Sendung. Von der Decke hängen Mikrofone. Die Studiotür ist mit unzähligen Aufklebern von Elvis Presley, Arnold Schwarzenegger, Superman und anderen amerikanischen Helden bepflastert; sie steht offen, obwohl gerade die Morgenshow läuft. „Daran gewöhnt man sich“, sagt Gary Bautell, 71 Jahre alt und Chef des Senders. Er sorgt dafür, dass die amerikanischen Soldaten zwischen Rhein und Main weiterhin ihren eigenen Sender hören können, obwohl das Budget von AFN Wiesbaden bescheiden ist.

          In den engen Gängen des ehemaligen Postbüros der Wiesbadener Clay-Kaserne geht es recht ruhig zu. Die gut 15 Mitarbeiter von AFN Wiesbaden machen hier jeden Tag zwölf Stunden Programm für die amerikanischen Soldaten und ihre Familien in der Gegend, insgesamt leben gut 20.000 Amerikaner in der Landeshauptstadt. Wie viele Deutsche ihm außerdem zuhören, weiß Gary Bautell nicht genau; etwa 30.000 bis 40.000 dürften es aber sein. Die wisse er auch zu schätzen, sagt er. „Aber der amerikanische Steuerzahler bezahlt uns dafür, dass wir seine Armee unterhalten.“

          „Deutsches Radio sehr amerikanisch“

          Bautell hat einen großen Teil der deutschen Geschichte von AFN selbst erlebt. 1962 wurde er als Soldat in Karlsruhe stationiert. Nach einem Jahr stieß er zu dem Sender, der wohl mehrere Generationen von Deutschen geprägt hat, ohne es zu wollen. Mit Rock ’n’ Roll, Jazz, Country und Blues hat der Soldatenfunk die deutsche Nachkriegsjugend begeistert und ein Millionenpublikum erreicht.

          Diese Zeiten sind lange vorbei. Vor allem mit dem Aufkommen des privaten Rundfunks hat AFN einheimische Hörer verloren, wie Bautell sagt. In den achtziger Jahren hätten ihn noch regelmäßig DJs von deutschen Sendern besucht, ihn zu amerikanischer Popmusik befragt oder um die Billboard-Charts gebeten. Mittlerweile sei das deutsche Radio selbst sehr amerikanisch, findet Bautell. „Wir beherrschen den Äther jetzt nicht mehr.“

          Kraftvolle Ansage: die deutsche Moderatorin Jessica Taylor bei AFN am Mikrofon
          Kraftvolle Ansage: die deutsche Moderatorin Jessica Taylor bei AFN am Mikrofon : Bild: Frank Röth

          Das sei zwar schade, aber zweitrangig. Denn der Auftrag von AFN ist es seit mehr als 70 Jahren, das amerikanische Militär im Ausland zu unterhalten und zu informieren - und den Soldaten ein Gefühl von Heimat zu geben. AFN Wiesbaden produziert dafür außer dem Radioprogramm auch TV-Beiträge für das Netzwerk. Die Fernsehsender sind allerdings verschlüsselt. Wiesbaden ist eine von noch fünf Stationen in Deutschland, die auch terrestrisch senden.

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