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Haustausch für den Urlaub : Der Fremde in meinem Bett

  • -Aktualisiert am

Schwelgen vom zweiten, dritten, vierten Zuhause: Heike und Gerd Stüwe stöbern in Urlaubsfotos. Bild: Marcus Kaufhold

Die Ferien sind vorbei. Viele haben die Zeit genutzt, um in den Urlaub zu fahren. So auch das Ehepaar Stüwe, jedoch auf eine etwas andere Art.

          Es ist warm an diesem Dienstagnachmittag. Die Sonne strahlt von einem blauen Himmel, noch einmal richtiges Urlaubswetter zum Ende der Ferien. Heike Stüwe gießt sich ein Glas Wasser ein, durch die offene Terrassentür kommt maunzend eine Katze gelaufen. „Na, freust du dich, dass wir wieder da sind?“, fragt Stüwe sanft, bückt sich und krault ihr liebevoll den Kopf. 31 Tage waren sie und ihr Mann Gerd im Urlaub in Kanada. Doch nicht in einem Hotel, sondern mietfrei in einem Haus. Der Eigentümer war zu der Zeit selbst verreist. Diese Art in den Urlaub zu fahren, nennt man nicht anders als was es ist: Haustausch. Menschen aus verschiedenen Orten tauschen für einen gewissen Zeitraum ihr Eigenheim - aber auch die Autos und die Tiere.

          Es ist die günstigste Reisemöglichkeit und es gibt sie schon seit vielen Jahren, ohne dass allzu großer Wirbel um sie gemacht wurde. Bereits 1953 wurde das amerikanische Unternehmen Homelink gegründet, das seitdem Interessenten miteinander in Kontakt bringt. In den siebziger Jahren schuf Manfred Lypold einen deutschen Ableger. Heute ist Homelink weltweit eine der größten Anbieter im Internet. Das Prozedere ist simpel: Man meldet sich mit Benutzername und Passwort an, erstellt ein Profil über sich, sein Haus und die Stadt, in der man lebt. Dann sucht man nach Tauschpartnern in seinem Wunschland und schreibt ihnen eine Nachricht. Wird man sich einig, schließt man einen Gastvertrag ab, in dem alle Details geregelt werden.

          Die Vorteile des Urlaubs in fremden Häusern

          Die Stüwes sind so schon 36 Mal auf diese Weise verreist, in acht verschiedene Länder. Von der Unterkunft im australischen Regenwald über die Stadtwohnung in Washington D.C. bis hin zum Strandhaus auf Prince Edward Island war schon alles dabei. Einen Tauschpartner finde man eigentlich immer, sagt Frau Stüwe und fügt hinzu: „Da kann man in Hintertupfingen wohnen und findet noch einen.“

          Das Ehepaar ist seit 12 Jahren Mitglied bei Homelink. Eine Freundin habe sie auf die Idee gebracht, sagt Stüwe. Diese sei der Liebe wegen nach Südfrankreich gezogen, habe Weihnachten aber zu Hause im Taunus feiern wollen. Weil sie all ihre Freunde und Verwandte schlecht in ein Hotelzimmer habe einladen können, probierte sie Homelink aus. Als die Stüwes davon erfuhren, waren sie gleich Feuer und Flamme: Schon im nächsten Jahr tauschten sie für acht Wochen ihr Haus mit jemandem aus Victoria, Vancouver Island. Laut Lypold nutzen deutschlandweit derzeit rund 1000 Menschen die Plattform, in Hessen etwa 150 bis 200. Zu ihnen zählt die Familie Müller aus Wiesbaden. Seit acht Jahren verbringen die vier ihren Urlaub in fremden Häusern. Vor allem, weil es kostengünstiger sei, sagt Mutter Anja und fügt hinzu: „Das Geld, das man sonst für Miete zahlt, hat man für den Urlaub.“ Gerade mit Kindern sei es auch sehr praktisch. Jeder habe sein eigenes Zimmer, es gebe genug Spielzeug und somit auch weniger Streit.

          Wie Homelink schwarzen Schafen beikommen will

          Lypold sieht über die Jahrzehnte einen leichten, aber steten Anstieg der Nutzerzahlen. Dennoch sagt er: „Es wird nie ein Massenmarkt werden.“ Viele hätten einfach ein zu mulmiges Gefühl dabei. Das bestätigen auch die Erfahrungen von Ehepaar Stüwe: „Alle finden es interessant, aber kaum einer macht es nach.“ Vor allem Sicherheitsbedenken schreckten viele ab. Sie selbst verstehen das nicht, „jemand, der aus Australien hierher kommt, der nimmt kein Möbelstück mit“, sagt Herr Stüwe. Außerdem könne man private und wertvolle Sachen wegschließen. Die Erfahrung gibt ihnen recht: Bisher sei noch nichts weggekommen, sagen sie. Lypold kann ähnliches berichten. Gegen Menschen, die absichtlich etwas kaputt machten, gebe es zwar keine Garantie, „aber seit unserer Gründung ist dies noch nicht passiert“.

          Falls sich doch mal einer danebenbenimmt, gibt es bei Homelink Konsequenzen. „Wer Blödsinn macht, wird ausgeschlossen“, weiß Frau Stüwe und beeilt sich zu sagen: „Aber das ist nicht der Standard. Auf eine Million Homelinker kommen vielleicht zwei schwarze Schafe.“ Sie selbst hat so etwas erst einmal erlebt: Das Ehepaar hatte einen Tausch mit einem New Yorker vereinbart. Kurz vor der Reise sei der Partner auf einmal abgesprungen. Da waren die Flüge schon gebucht. Aufgrund seines Verhaltens sei der Mann von der Plattform ausgeschlossen worden. Die Reise absagen mussten die Stüwes aber nicht. „Innerhalb von wenigen Tagen hatten wir vier Angebote, von Menschen, die uns aufnehmen wollten“, erzählt Frau Stüwe und sagt weiter: „Das ist das Tolle an Homelink: Es ist eine große Gemeinschaft.“

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