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Haus für die Jugend : „Jugendliche erreichen, bevor sie straffällig werden“

Genauso wie hier der Bundespräsident Jugendliche für ihr Engagement auszeichnet, sollen sie durch ein neues Haus des Jugendrechts eine Chance bekommen, ihr Bestes zu geben. Bild: dapd

Ein Jahr nach der Errichtung des Hauses des Jugendrechts in Höchst soll es in Frankfurt möglicherweise eine zweite Einrichtung dieser Art geben.

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          Wie der hessische Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) gestern mitteilte, prüft er derzeit den Bau eines weiteren Hauses zur Bekämpfung der Jugendkriminalität. Auch darin sollen - wie jetzt schon in Höchst - Staatsanwaltschaft, Polizei und Jugendgerichtshilfe gemeinsam unter einem Dach arbeiten, um Straftaten schneller ahnden und kriminelle Karrieren beenden zu können. Bisher gibt es in Hessen zwei Einrichtungen, jene in Höchst und ein weiteres Haus des Jugendrechts in Wiesbaden.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Hahn sagte, vorrangiges Ziel müsse sein, „Jugendliche zu erreichen, bevor sie straffällig werden“. Und wenn es dennoch zu Straftaten komme, müsse darauf möglichst schnell „mit Maßnahmen, die auf den speziellen Einzelfall zugeschnitten sind“, reagiert werden. Die Zusammenarbeit und die Vernetzung der beteiligten Behörden sei „ein wichtiger Baustein“ zur Bekämpfung der Jugendkriminalität. Mit den Häusern sei es möglich, frühzeitig auf besonders schwere Fälle zu reagieren. Denn die Beteiligten könnten mit Hilfe dieser besonderen Struktur die gesamte Lebenssituation des betroffenen jungen Menschen berücksichtigen.

          Kontakt über das Jugendamt hin zur Suchtberatungsstelle vermitteln

          So könne die Staatsanwaltschaft beispielsweise bei Jugendlichen, die ein Drogenproblem hätten und deshalb wiederholt mit Diebstahlsdelikten auffielen, das Jugendamt einschalten. Das wiederum könne den Kontakt zu einer Suchtberatungsstelle vermittelt. Die Staatsanwaltschaft könne auch verfügen, gemeinnützige Arbeitsstunden zu leisten. Und bei „hartnäckigen Wiederholungstätern“ könne ein Jugendrichter einen Arrest beantragen.

          Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU), die mit der Jugendgerichtshilfe als städtischer Vertreter in das Projekt eingebunden ist, hat nach Angaben des Justizministeriums ein zweites Haus im Nordosten Frankfurts angeregt. Im November hatte sie eine erste Bilanz für das Haus in Höchst gezogen und gesagt, die Zusammenarbeit mit den Landesbehörden Polizei und Staatsanwaltschaft habe sich bewährt. Birkenfeld lobte vor allem die verkürzten Dienstwege: Die Polizei verweise die Jugendlichen direkt an die Sozialarbeiter, die im selben Gebäude nur ein paar Türen weiter säßen. Die meisten Jugendlichen nähmen das Gesprächsangebot der Mitarbeiter dann auch an.

          Nach den Worten Birkenfelds hat sich außerdem die Zahl der sogenannten Diversionsverfahren erhöht. In solchen Fällen akzeptieren die straffällig gewordenen Jugendlichen Auflagen und pädagogische Betreuung. Im Gegenzug wird das Verfahren eingestellt. 2011 gab es laut Birkenfeld rund 420 Anklagen und etwa 160 Diversionsverfahren in Frankfurt.

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