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Haus des Jugendrechts : Schnelles Handeln gegen Jugendkriminalität

Staatstragend: Das Haus des Jugendrechts ist im ehemaligen Goldpfeil-Gebäude untergekommen. Bild: Cornelia Sick

In Offenbach eröffnen zwei Minister das Haus des Jugendrechts. Dort wollen Justiz, Polizei und Sozialarbeiter gemeinsam verhindern, dass Jugendliche in die Kriminalität abgleiten.

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          Die Arbeit im Haus des Jugendrechts in Offenbach hat schon im Januar begonnen. Gestern nun fanden die hessische Justizministerin Eva Kühne-Hörmann und der hessische Innenminister Peter Beuth (beide CDU) Zeit, um die Einrichtung im ehemaligen Goldpfeil-Gebäude gemeinsam mit Bürgermeister Peter Freier (CDU) und Sozialdezernentin Sabine Groß (Die Grünen) offiziell in Betrieb zu nehmen.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          „Mit den Häusern des Jugendrechts setzen wir konsequent um, was wir uns vorgenommen haben: Die Jugendkriminalität zu bekämpfen, ohne die oft sehr jungen Opfer und Täter aus dem Blick zu verlieren“, sagte Kühne-Hörmann. „Wir wollen und können hier Lebenswege beeinflussen“, sagte die Justizministeriun. Dazu müsse man konsequent sein und da, wo es notwendig sei, auch klare Stoppzeichen setzen, führte sie weiter aus.

          Eine Empfehlung von Experten

          Das Haus des Jugendrechts in Offenbach ist nicht die erste Einrichtung dieser Art in Hessen. Wiesbaden hat im Dezember 2010 den Anfang gemacht, es folgte Frankfurt-Höchst. Inzwischen hat Frankfurt ein zweites Haus des Jugendrechts. In Hanau seht eine weitere Einrichtung dieser Art vor der Eröffnung und in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz gibt es ebenfalls ein Haus des Jugendrechts. Die Idee der Häuser geht auf die Empfehlung von Experten zurück, wie man Jugendkriminalität am besten bekämpft. Eine zentrale Überlegung dabei war es, möglichst rasch zu reagieren, wenn Jugendliche und junge Erwachsene bis zum Alter von 21Jahren straffällig geworden sind. Dies soll verhindern, dass sich aus einer Verfehlung eine kriminelle Laufbahn entwickelt.

          Um das zu schaffen, arbeiten in den Häusern des Jugendrechts Justiz, Staatsanwaltschaft, Polizei, Jugendgerichtshilfe und weitere Hilfseinrichtungen wie die Diakonie zusammen. Ein Ziel ist es, Jugendgerichtsverfahren so rasch wie möglich zu beginnen, wenn sie den unausweichlich geworden sind. Dadurch können die jungen Täter den Zusammenhang der Tat mit der Reaktion des Staates unmittelbar spüren. In einem Evaluationsgutachten zu den ersten hessischen Häusern des Jugendrechts wies die Kriminologische Zentralstelle in Wiesbaden darauf hin, dass sich ein „präventiver Mehrwert“ der beschleunigten Verfahren vor allem bei „jugendlichen Schwellentätern“ und Ersttätern ergebe.

          Intensives Eingehen auf die Täter

          Hessens Innenminister Beuth wies gestern auf den erheblichen personellen Einsatz der Polizei in den Häusern hin: In Offenbach werden demnach 22 Beamte in der Einrichtung vertreten sein. Gerade bei sehr jungen Straftätern könnten schon wenige Monate ausreichen, um kriminelle Karrieren zu festigen. Dem wolle man durch ein intensives Eingehen auf die Täter, gute Informationsarbeit zwischen den unterschiedlichen Trägern und schnellen Entscheidungen entgegenwirken, sagte Beuth.

          Offenbachs Bürgermeister Peter Freier hob die Bedeutung des Hauses des Jugendrechts für die Sicherheit in Offenbach hervor. Gerade jugendtypische Delikte wie Diebstahl und Raub sprechen sich in den Vierteln herum und beeinträchtigten das Sicherheitsgefühl aller Offenbacher. Die städtische Jugendgerichtshilfe unterstütze Staatsanwaltschaft und Polizei dabei, die persönlichen Hintergründe von Opfern und Tätern besser zu verstehen und sei deshalb unverzichtbarer Bestandteil des Konzeptes, führte Freier weiter aus.

          In Zukunft ohne Straftaten leben

          Laut Sozialdezernentin Groß finanziert die Stadt zwei Sozialarbeiterstellen für die spezialisierte Jugendhilfe im Strafverfahren. Diese Fachkräfte böten Beschuldigten und deren Familien Beratungsgespräche an und erarbeiteten gemeinsam eine Strategie, die die jungen Erwachsenen befähigen soll, in Zukunft ohne Straftaten zu leben.

          Als wesentliches Instrument, um Jugendkriminalität zu bekämpfen und einzudämmen, hat sich eine intensive Präventionsarbeit der Polizei erwiesen. Dazu gehören etwa Vorträge und Workshops von Beamten der sogenannten Präventiven Intervention an Schulen. Als ebenso wichtig hat sich in der Praxis die Präsenz an Ort und Stelle erwiesen. Aus diesem Grund fährt die Polizei in Offenbach regelmäßig „Präventionsstreifen“, um Jugendliche an einschlägigen Treffpunkten aufzusuchen und Kontakt zu ihnen zu halten.

          Im Offenbacher Haus des Jugendrechts rechnet man mit bis zu 200 Verfahren im Monat. Die bisherigen guten Erfahrungen mit den Häusern des Jugendrechts spiegelt sich auch im Urteil der Polzei wider: Roland Ullmann, Polizeipräsident im Präsidium Südosthessen äußerte dieser Tage bei der Vorlage der Kriminalstatistik, dass die Häuser aus Sicht der Polizei entscheidende Instrumente einer erfolgreichen Kriminalitätsbekämpfung seien. Es zahle sich aus, dass der Staat besonders schnell und in einer konzertierten Aktion verschiedener Stellen reagiere, wenn Jugendliche und junge Erwachsene drohen, in eine kriminelle Karriere abzurutschen.

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