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Hauptversammlungen : Die Ruhe der reifen Anleger

Harmlos: So recht streiten mochte sich gestern auf der Hauptversammlung der Deutsche Börse AG in der Höchster Jahrhunderthalle niemand. Bild: Eilmes, Wolfgang

Bei Hauptversammlungen werden Vorstände schon einmal als Dilettanten beschimpft. Auch Börsen-Chef Reto Francioni hat schon solche Grobheiten gehört. Doch die blieben in diesem Jahr trotz schwacher Zahlen aus.

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          „Früher war mehr Lamento.“ So oder ähnlich hätte wohl Loriots Opa Hoppenstedt gerügt, derart rasch, ruhig und harmlos vollzog sich am Mittwoch in der Höchster Jahrhunderthalle die Hauptversammlung der Deutschen Börse AG. Den Altersschnitt im Saal hätte die legendäre Figur Victor von Bülows allenfalls marginal gehoben. Vielleicht war es ja die Gelassenheit des reifen Anteilseigners, die den als Versammlungsleiter debütierenden Aufsichtsratsvorsitzenden Jochen Faber dazu zwang, schon nach vier Beiträgen inklusive des frauenpolitischen Einwurfs der Hanauer Rechtsanwältin Zümrüt Turan-Schnieders bei den Anteilseignern darum zu werben, doch auch noch das Wort zu ergreifen.

          Jochen Remmert
          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Der ehemalige Allianz-Vorstand Faber war vor einem Jahr dem Aufsichtsratschef Manfred Gentz nachgefolgt. Bei der Hauptversammlung 2012 war auch Gentz, neben Börsenchef Reto Francioni und einigen anderen Vorstands- und Aufsichtratsmitgliedern, von Aktionären heftig kritisiert worden, nachdem der Versuch, mit der New York Stock Exchange zu fusionieren, desaströs gescheitert war. Ganz unberücksichtigt blieb die Sache, die die Deutsche Börse eigenen Angaben zufolge etwa 100 Millionen Euro gekostet hat, aber auch gestern nicht: So beklagte der Frankfurter Rechtsanwalt Andreas Lang als Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, dass die Deutsche Börse nun offenbar Chancen auslasse, mit Hilfe von Fusionen zu wachsen, weil Vorstandschef Francioni diese Operationen einfach nicht beherrsche. Angesichts der Verschlechterung der Zahlen in allen Segmenten entwickele sich die neu ausgegebene Strategie, aus eigener Kraft und ohne Fusion zu wachsen, eher zu einem „Schrumpfen aus eigener Kraft“. Die Konkurrenz zeige, dass es anders gehe.

          Viele Gründe

          Markus Kienle, Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, befasste sich auch noch einmal kurz mit der gescheiterten Fusion, resümierte aber, man sei mit der Leistung des Vorstands im abgelaufenen Geschäftsjahr zufrieden. Außer vielleicht beim Fragesteller selbst dürfte auch dieser Beitrag die durchschnittlichen Blutdruckwerte weder im Saal noch an den Theken im Foyer erhöht haben. Im vergangenen Jahr hatte Kienle noch Francioni nahegelegt, 22 Jahre lang auf sein Vorstandsgehalt zu verzichten, um die Kosten der geplatzten Fusion zu kompensieren.

          Alles in allem hat die Deutsche-Börse- Gruppe 2012 einen Nettoerlös von 1,93 Milliarden Euro erzielt, neun Prozent weniger als im Jahr davor. Francioni nannte dafür mehrere Gründe. Einmal verringere die krisenbedingte Unsicherheit die Handelsbereitschaft und damit den Ertrag der Börse. Erwartungsgemäß macht er auch die Finanztransaktionssteuer und Regulierungsvorhaben etwa im Hochfrequenzhandel als Ursachen aus. Und schließlich die Geldpolitik der Zentralbanken, die durch niedrige Leitzinsen zu geringeren Erträgen bei Bankgeschäften der Börse führte.

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