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Hauptversammlung der Deutschen Bank : Salonlöwen gegen Weißbier-Strategen

  • -Aktualisiert am

Vorstände und Aufseher: Anshu Jain, Paul Achleitner, Jürgen Fitschen (von links) Bild: dpa

„Aber jetzt platzt mir der Kragen“: Die Aktionäre der Deutschen Bank streiten auf ihrer Versammlung mehr miteinander als mit dem Vorstand.

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          Hans Grube ist seit 30 Jahren Kleinaktionär der Deutschen Bank, er ist alt, spricht mit brüchiger Stimme. Noch nie habe er sich auf einer Hauptversammlung der Bank zu Wort gemeldet, sagt er zur Einleitung seines Redebeitrags am Donnerstag in der Jahrhunderthalle. „Aber jetzt platzt mir der Kragen.“

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Was war passiert? Seit Rolf Breuer im Jahr 2002 in einem Fernsehinterview die Zahlungsfähigkeit des Medienunternehmers Leo Kirch angezweifelt hat, versuchen Kirchs Juristen, der Bank in Hauptversammlungen mit langen Fragenkatalogen und danach mit Klagen das Leben schwer zu machen. Nach dem Tod von Kirch ist dessen Anwalt Franz Enderle mit einer Klage zum Aktionärstreffen 2012 so erfolgreich gewesen, dass die Bank ihre Anteilseigner zu einer außerordentlichen Hauptversammlung einladen musste, bevor im Mai die ordentliche zusammentritt.

          Endlich der Privatfehde ein Ende bereiten

          Fünf Millionen Euro kostet die Veranstaltung in der Jahrhunderthalle, wie Aufsichtsratsvorsitzender Paul Achleitner preisgibt. Interne Ausgaben, zum Beispiel für die beteiligten Mitarbeiter, seien da noch nicht eingerechnet. Dabei dürften etliche Kollegen aus der Rechtsabteilung mit der Beantwortung der Fragen aus dem Kirch-Lager befasst sein. Anders als üblich bei Hauptversammlungen, arbeiten sie an diesem Tag nicht nur hinter der Bühne an rechtssicheren Formulierungen, sondern zum Teil auch in der Bankzentrale an der Taunusanlage. Antworten zum Thema Kirch würden doppelt von den Anwälten geprüft, sagt Achleitner. Nicht nur Herrn Grube geht der Aufwand zu weit. „Es reicht langsam!“, ruft auch der Frankfurter Anwalt Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, ins Mikrofon. Die „Privatfehde zwischen der sogenannten Kirch-Gruppe und der ehemaligen Bankführung“ solle im Gericht geführt werden und nicht in der Hauptversammlung. Enderle und den übrigen Vertretern der Gruppe wirft er den Missbrauch von Aktionärsrechten vor. Es gehe nur darum, den eigenen Lästigkeitsgrad zu erhöhen. Redner Hans-Martin Buhlmann wirft Enderle vor, nur „Werbung für die eigene Kanzlei auf unsere Kosten“ zu machen.

          Solche Vorwürfe wollen die Kirch-Vertreter, von denen ein Deutsche-Bank-Mitarbeiter sechs auf der Rednerliste ausmacht, nicht auf sich sitzen lassen. Ausführlich stellen sie ihre Sicht der Dinge dar, abermals garniert mit Salven von Formfragen an Vorstand und Aufsichtsrat.

          „Salonlöwen mit Kamillentee-Präferenz“

          So streiten über weite Strecken der Veranstaltung Aktionäre mit Aktionären statt wie üblich mit dem Vorstand über dessen Tun oder Lassen - das soll im Mai folgen, wie einige Redner schon einmal ankündigen. Doch nicht alle schimpfen auf das Kirch-Lager. Viele sehen die Schuld dafür, dass man in diesem Jahr zweimal kurz hintereinander zusammenkommen muss, auch bei der Verwaltung der Bank. Mit Kritik am Leiter der strittigen Hauptversammlung 2012, dem damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Börsig, wird nicht gespart. Er sei offenbar überfordert gewesen, habe die Versammlung eher „nach Gutsherrenart“ als nach Aktienrecht geleitet.

          Wieder andere Schuldige findet Redner Erwin Reiss: die Anwälte von der Kanzlei Hengeler Müller, die die Bank im Kirch-Prozess vor dem Oberlandesgericht München vertreten. „Salonlöwen mit Kamillentee-Präferenz“ seien das, die den „in der Münchner Justiz bestens vernetzten Weißbier-Strategen“ offenbar nicht gewachsen seien. So hätten sie gegen den aus Reiss’ Sicht parteiischen Münchner Richter nichts unternommen, obwohl der sich zum Beispiel abfällig über Börsigs Englischkenntnisse und Breuers „mangelnde intellektuelle Einsicht“ mokiert habe. Reiss gibt Achleitner einen klaren Auftrag: „Suchen Sie sich eine schlagkräftigere Kanzlei.“

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