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Boomtown Hattersheim : Mit Fleiß und Glück

  • -Aktualisiert am

Wohnungsbau: Auf dem Gelände der alten Phrix-Fabrik entsteht eins der Wohprojekte. Bild: Wolfgang Eilmes

Mit einer Mischung aus Glück und guter Ansiedlungspolitik hat sich Hattersheim gemausert. Ob die neue Boomtown mit den Veränderungen klar kommt, bleibt abzuwarten.

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          So rasant wie Hattersheim hat sich in den vergangenen fünf Jahren keine zweite Stadt in der Region gemausert: Das einstige Armenhaus des Main-Taunus-Kreises, das sogar unter dem Schutzschirm des Landes stand, setzt mit seinen Ortsteilen Okriftel und Eddersheim immer wieder Ausrufezeichen. Die Ansiedlung von zwei internationalen IT-Unternehmen macht sich jetzt auch für die Hattersheimer Bürger bezahlt.

          Denn es muss von den Stadtverordneten bei den Haushaltsberatungen nicht mehr jeder Cent umgedreht werden. Die Sanierung der seit Jahren geschlossenen Stadthalle ist nur ein Indiz für den gelungenen Umbau des Ortes. Weil die Gewerbesteuereinnahmen Wohlstand garantieren, können die Hattersheimer Ende des Jahres endlich wieder in ihrer guten Stube feiern und tagen.

          Den Aufstieg zur Boomtown verdankt die Stadt einer geschickten Ansiedlungspolitik mit Augenmaß, die die Koalition aus CDU, Freien Wählern und FDP mit Bürgermeister Klaus Schindling (CDU) an der Spitze verfolgt. Zeichnete sich das in die Jahre gekommene Bündnis aus SPD und Grünen zuletzt nur noch durch Pleiten, Pech und Pannen aus, so geht der Aufschwung nachweislich mit der kommunalpolitischen Wende einher.

          Boomtown für mehr Lebensqualität

          Allerdings gehörte eine gehörige Portion Glück dazu, dass mit dem Global Player E-Shelter ein internationaler Firmensitz in der Mainstadt etabliert wurde. Inzwischen aber genießt das Hattersheimer Rathaus offenbar einen guten Ruf bei internationalen Investoren. Es entstehen zudem einige interessante, zukunftsweisende Wohnungsbauprojekte, wie sie im Main-Taunus-Kreis sonst rar gesät sind.

          Und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Demnächst wird Hattersheim vermutlich Kelkheim als zweitgrößte Stadt des Main-Taunus-Kreises überholen. Es wird spannend sein zu beobachten, wie die neue Boomtown ihre neue Stellung verkraftet und ob es tatsächlich zu den Verkehrsproblemen kommt, die Kritiker prophezeien. Bisher allerdings überwiegt die Aussicht auf eine verbesserte Lebensqualität.

          Heike Lattka

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

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