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Streit um Oktoberfest : „Als ob die Stadt wegen einer Almhütte untergeht“

Schauplatz: Rund um diese Hütte soll sich Bierseligkeit in Hattersheim einstellen, wenn zum Oktoberfest geladen wird Bild: Michael Kretzer

Belebung oder Lärm - das ist die Streitfrage. Der Hattersheimer Bürgermeister verteidigt das geplante Oktoberfest in der Main-Taunus-Kommune.

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          Erst morgen wird die Alm Deluxe am Rande des Hattersheimer Stadtparks eröffnet. Rund 100 Reservierungen aus der Bevölkerung für das Feiern in bierseliger Oktoberfeststimmung erhält der Veranstalter laut Bürgermeister Klaus Schindling (CDU) derzeit täglich. Doch darüber, ob die zweimonatige Auszeit bei Schweinshaxe, zünftiger Musik und Eisstockschießen eine Attraktivitätssteigerung für die fast 30 000 Einwohner große Stadt sein wird oder ob sich das Treiben als Lärmbelästigung für angrenzende Hotelgäste und schädigend für die örtliche Gastronomie erweist, diskutieren die Hattersheimer derzeit sehr kontrovers. Am Dienstagabend hat Schindling seinen Alleingang in einer Sondersitzung des Haupt- und Finanzausschusses verteidigt. Für seine Ausführungen gab es zum Teil sogar Applaus aus dem Publikum.

          Heike Lattka
          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          Aber die Bedenken der Opposition, angeführt von dem SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Thomas Abicht, konnte der feierfreudige Bürgermeister nicht allesamt ausräumen. So wird der Gestattungsvertrag, den die Stadt mit dem Eventgastronomen abschloss, der Kommune nur wenige hundert Euro an Miete einbringen, wie die Nachfragen ergaben. Der in Bierlaune von dem Betreiber der Alm zugestandene Obolus für die Renovierung der Stadthalle in Höhe von zehn Cent je Maß sei zudem nicht einklagbar, sondern lediglich „ein Goodie obendrauf“, berichtete Schindling.

          Gestattungsvertrag mit dem Betreiber

          Besonders kritisiert wurde von den Kritikern die fehlende Vorabinformation von Magistrat und Stadtverordnetenversammlung. „Laut Schindling handelt es sich bei dem abgeschlossenen Gestattungsvertrag mit dem Betreiber jedoch um einen Akt der laufenden Verwaltung. Weder bei den ersten Lufthansa Klassikertagen, dem ersten Weihnachtsmarkt in der Stadt oder dem Fastnachtsumzug, den stets 20 000 Menschen besuchten, seien vorab die Stadtverordneten um ihre Meinung gefragt worden, äußerte Schindling. Er sprach von überschaubaren Risiken. Wenn es zu Verunreinigungen komme oder wenn die Wiese neu eingesät werden müsse, dann werde dies dem Veranstalter in Rechnung gestellt.

          Obendrein stelle der Almbetreiber eigene Sicherheitskräfte; Polizei und Ordnungspolizei seien ebenso informiert, sagte Schindling. Und er fügte hinzu, falls etwas bei der Veranstaltung aus dem Ruder laufe und die Hattersheimer „erbost mit Fackeln vor dem Rathaus aufmarschieren und auf die Barrikaden gehen“, werde er sich nicht scheuen, die Veranstaltung sofort abzubrechen. Hattersheim sei doch nicht nur eine Schlafstadt. Er verfolge mit dem Almbetrieb kein pädagogisches Rezept, sondern wolle die Stadt beleben. Wer etwas bewegen wolle, der müsse auch einmal ein Wagnis eingehen, verteidigte sich Schindling.

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          Er verstehe nicht, warum die Opposition „die Atmosphäre des Negativen“ über dem bevorstehenden Event entfalte, stand ihm der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Minnert bei. Und auch der FWG-Koalitionspartner Willi Torka hob hervor: „Wir stehen 100 Prozent zur Alm.“ Die Opposition versuche das Thema größer zu machen, als es eigentlich sei. Da werde der Eindruck vermittelt, die Stadt gehe unter, nur weil da zwei Monate eine Hütte stehe.

          Dass zumindest eine Vorabinformation der örtlichen Gastronomen durch den Bürgermeister eine gute Sache gewesen wäre, nahm Schindling als eine Anregung auf, die er beim nächsten Mal beherzigen werde. Aber er habe mit dem Betreiber des italienischen Restaurants „La Sila“ gesprochen, der mit der Konkurrenz keine Schwierigkeiten habe und schon gemeinsame Veranstaltungen mit dem Almbetreiber plane.

          Es sei dennoch zu kritisieren, dass die Stadt zur Begleichung etwaiger Schäden keine Bürgschaft des Betreibers gefordert habe, sagte der Grünen-Fraktionsvorsitzende Winfried Pohl. Dies sollte der Bürgermeister im Falle einer Wiederholung bedenken.

          Eine Alm sei kein parteipolitisches Thema, sagte Schindling und bat um „ein wenig gesunden Menschenverstand“. Und Minnert lobte seinen Parteifreund dafür, dass dieser die Ärmel hochkrempele und mit den Veranstaltungen vom Krimidinner, Sonntagsbrunch bis zur Mallorca-Fete etwas Leben nach Hattersheim bringe. Die Kreisstadt Hofheim, die ihre Eisbahn und den Hüttenzauber mit viel Geld subventioniere, beneide die Nachbarn darum.

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