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Gotteshaus muss saniert werden : Arme Kirchengemeinde sucht Geldgeber

Sanierungsfall: Die evangelische Kirche in Hattersheim muss für 2,5 Millionen Euro hergerichtet werden. Bild: Cornelia Sick

Im südhessischen Hattersheim feiert die evangelische Kirchengemeinde Geburtstag. Das nimmt sie zum Anlass, Geld zu sammeln. Denn mit schwindenden Mitgliederzahlen sind Sanierungskosten kaum aufzubringen.

          In den siebziger Jahren zählte die evangelische Kirchengemeinde in Hattersheim mehr als 5000 Mitglieder. Dennoch war schon seinerzeit das Geld für anstehende Projekte knapp. Längst ist auch in Hattersheim die Zahl der Protestanten stark zurückgegangen. Die Kirchengemeinde, die immer noch eine der größten im Dekanat Kronberg sei, zähle gerade noch 2900 Mitglieder, die zumeist nicht zu den wohlhabenden Bürgern gehörten, sagen Kirchenvorstandssprecher Dietrich Muth und Pfarrer Johannes Kraus. Doch auf die Gemeinde kommen große Investitionen zu: Neunzig Jahre nach der Einweihung ist die Sanierung des Gebäudes überfällig. Dafür sind Kosten in Höhe von 2,5 Millionen Euro veranschlagt.

          Heike Lattka

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          Momentan macht die Kirche auf dem weitläufigen Areal einen vernachlässigten Eindruck: Die Fenster scheinen noch aus dem vergangenen Jahrhundert zu stammen, der Putz blättert ab, im Inneren verhindern viele Stufen und unterschiedliche Bodenhöhen den barrierefreien Zugang. Deshalb soll ein Fahrstuhl eingebaut werden.

          Das Pfarrhaus sei gerade erst für rund 500.000 Euro auf den neuesten Stand gebracht worden, berichtet Muth. Die evangelische Kirche habe zwar den Löwenanteil der Ausgaben finanziert, aber die 150.000 Euro, die die Gemeinde als Eigenanteil habe zusteuern müssen, hätten die Rücklagen restlos aufgezehrt. Für das Gotteshaus solle die Gemeinde sogar 800.000 Euro für die Sanierung übernehmen, sagt Muth. Pfarrer Kraus rechnet damit, etwa 100.000 Euro aus Spenden der Mitglieder generieren zu können. Ein Spendenbrief habe schon 25.000 Euro erbracht. „Aber wir sind eine arme Gemeinde“, hebt er hervor. Und wie alle Pfarrer im Dekanat, die mit dem rapiden Mitgliederschwund lebten, müsse er die Strukturen an die Mitgliederzahl anpassen und somit Stellen abbauen. Das sei schon manchmal frustrierend, gesteht er.

          „Wir sind eine arme Gemeinde“

          Das Gemeindezentrum wird ebenso abgerissen wie das Jugendhaus. Geplant ist, einen Anbau auf dem nördlichen Areal der Kirche zu schaffen, in dem die Aufgaben erledigt werden können, wie Kraus berichtet. Das dadurch frei werdende, etwa 2000 Quadratmeter große Areal soll in Erbpacht abgegeben werden. Nur mit Hilfe der Pachteinnahmen könne der zinslose Kredit, den die Mutterkirche gewähre, in 25 Jahren abgestottert werden, sagt Muth. Interessenten gebe es schon; ein Investor für ein Mehrgenerationenhaus oder betreute Wohnungen wäre der Gemeinde am liebsten.

          Zunächst einmal will die Hattersheimer Gemeinde am Sonntag von 10 Uhr an ein Fest mit Gottesdienst, freiem Mittagessen und Kinderbelustigungen zu ihrem neunzigsten Geburtstag feiern. Auch symbolische Bausteine würden für 50 Euro das Stück verkauft – und falls jemand nicht so viel zahlen könne, sei man auch mit 30 Euro zufrieden, sagt Muth.

          Einen größeren Betrag erhofft sich Pfarrer Kraus von der Versteigerung eines Fußballs mit den Unterschriften jener Spieler der Eintracht Frankfurt, die in der vergangenen Saison das Halbfinalspiel in der Europa League in London bestritten, frei nach dem Motto des Sommerfests: „90 Jahre auf dem Platz“. Auch die evangelische Kirchengemeinde in Hattersheim wolle „miteinander im Spiel bleiben“, hebt Kraus hervor.

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