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Dreieich-Museum : Hat Luther den Weihnachtsbaum erfunden?

Museumsmacherinnen: Judith und Rita Breuer Bild: Michael Kretzer

Vom Kalender bis zum süßen Teller: Seit 40 Jahren sammeln Rita und Judith Breuer alles, was mit dem Advent zu tun hat. In der Ausstellung im Dreieich-Museum geht es auch um eine alte Streitfrage.

          Die Windmühle mit beweglichen Flügeln aus Papier hat kleine Türen mit den Zahlen 1 bis 24. Von Anfang Dezember bis Heiligabend sind sie zu öffnen und geben den Blick auf transparente Bildchen frei, auf denen mehrere Zwerge beim Herstellen weihnachtlicher Backwaren zu erkennen sind. Sprüche auf der Rückseite der aufgeklappten Türen erläutern die Aktivitäten: „Rosinen, Korinthen muss reichlich man finden“ heißt es bei der Tür Nummer 18.

          Eberhard Schwarz

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Kreis Offenbach.

          Judith Breuer datiert die Adventskalender-Windmühle auf die Zeit zwischen 1908 und 1930: Es handele sich um eine Chromolithographie und ein „typisches Beispiel für die Luxuspapierfabrikation“ jener Jahre. Für jede Farbe wurde ein eigener Druckstein benötigt. Nach 1930 sei es zu teuer gewesen, farbige Bilder im aufwendigen Steindruckverfahren herzustellen.

          Die ersten gedruckten Adventskalender, die der Buchhändler und Verleger Gerhard Lang von 1903 an in München auflegte, hatten einen christlichen Bezug. Bibelsprüche waren darauf zu lesen; der Weg zur Krippe wurde nachempfunden, indem man jeden Tag eine neue Figur aufklebte. Später entdeckten Industrie und Einzelhandel die Adventskalender als Werbeträger. Die Bildgestaltung wurde profaner; Märchenfiguren und Zwerge bevölkerten die Erzeugnisse. Der Spielzeughändler-Verbund Vedes gab 1930 einen Abreißkalender heraus, bei dem das Warten auf das Christkind schon am 15. November begann. Derlei Kalender seien „mega-selten“ zu finden, „denn meistens wurden sie abgerissen“, erläuterte Judith Breuer.

          Über vier Jahrzehnte zusammengetragen

          Der Vedes-Kalender und die Papier-Windmühle gehören zur Sammlung weihnachtlicher Artikel, die Rita und Judith Breuer im Laufe der vergangenen vier Jahrzehnte zusammentrugen. „Wir sagen Euch an den lieben Advent“ heißt die Ausstellung, die beide gerade im Dreieich-Museum in der Burg Hayn im Dreieicher Stadtteil Dreieichenhain aufgebaut haben. Die Entwicklung des früher rein kirchlichen Fests zum Familienfest wird ebenso dargestellt wie die Entwicklung der Adventskalender.

          Die 78 Jahre alte Rita Breuer war früher als Industriekauffrau tätig. Ihre 53 Jahre alte Tochter Judith ist promovierte Apothekerin. Beide kommen aus Wenden im Sauerland und gestalten zum sechsten Mal eine weihnachtliche Wechselausstellung im Dreieich-Museum. Besondere Aufmerksamkeit wurde 2012 der Ausstellung „Von wegen Heilige Nacht. Weihnachten in der politischen Propaganda“ zuteil, die zuvor schon in anderen Museen, etwa 2010 im NS-Dokumentationszentrum in Köln, zu sehen war. Unter dem gleichen Titel hatten die beiden Sammlerinnen zuvor schon ein Buch veröffentlicht. „Wir graben sehr tief und versuchen, Hintergründe aufzudecken“, sagte Judith Breuer. Rita Breuer machte deutlich, es gehe nicht darum, dass die Besucher eine Ausstellung „schön“ fänden, sondern um ein „Lernerlebnis“.

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