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Zukunft der Deutschen Bank : „Für den Finanzplatz Frankfurt sehe ich wenig Nachteile“

Soll und Haben: Die Konzernzentrale der Deutschen Bank an der Frankfurter Taunusanlage. Bild: dpa

Die Deutsche Bank hat eine Zukunft – glaubt zumindest Klaus Nieding, der in Hauptversammlungen die Interessen vieler Kleinanleger vertritt. Im F.A.Z.-Interview empfiehlt er ihnen, Geduld zu haben.

          Die krisengeschüttelte Deutsche Bank plant den Abbau von weltweit 18 000 Stellen, will sich vom Investmentbanking trennen und baut ihren Vorstand um. Ist das die Rettung?

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das kann man jetzt noch nicht sagen, sondern wohl erst in zwei bis drei Jahren beurteilen. Ich meine aber, dass die nun angekündigten Schritte das Potential haben, dafür zu sorgen, dass die Deutsche Bank wieder auf die Füße kommt. Erstmals erkenne ich den Willen bei den Verantwortlichen durchzugreifen. Die Schritte kommen allerdings sehr spät. Im Übrigen trennt sich die Bank nicht vom kompletten Investmentbanking, sondern nur von den unlukrativen und zukünftig nicht mehr benötigten Bereichen.

          Geschieht das alles zu spät?

          Das lässt sich auch noch nicht sagen. Aus meiner Sicht hätten die Schritte aber schon 2012 erfolgen müssen, als die damals neuen Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen einen Kulturwandel ankündigten. Nur muss man bedenken: Die Investmentbanker sind eine Macht im Haus, früher wurde mal kolportiert, dass sie über die Aktienoptionsprogramme etwa 30 Prozent der Anteile kontrollieren. Da ist es nicht einfach, sich mit denen anzulegen.

          Welche Effekte hat der Umbau auf den Finanzplatz Frankfurt?

          Da sehe ich wenig Nachteile, da im Wesentlichen Einheiten in London und New York betroffen sind. Von Frankfurter Bankern habe ich gehört, dass sie über die Restruktierungspläne ausgesprochen erleichtert sind. Da hatten manche Schlimmeres befürchtet.

          Wobei, es gibt auch Investmentbanker in Frankfurt.

          Aber auch ein deutsches Arbeitsrecht. Das ist nicht gerade dafür bekannt, schnelle Kündigungen zu ermöglichen.

          Nun hat die Bank auch in der Vergangenheit schon große Umbauten angekündigt und sie später wieder kassiert. Warum sollte es diesmal klappen?

          Der Vorstandsvorsitzende Christian Sewing ist 2018 mit dem Anspruch angetreten, dass endlich gehandelt wird. Und er zeigt nun klar, dass er das einlöst. Er hat die Bank gründlich analysiert und einen großen Wurf hingelegt. Das ist aber auch seine einzige Chance. Eine zweite werden Sewing und die Bank nicht bekommen.

          Aber werden die Aktionäre geduldig zwei bis drei Jahre abwarten? Der Aktienkurs fiel in dieser Woche um fünf Prozent, das spricht nicht dafür.

          Natürlich sieht der Kapitalmarkt, dass wieder mal eine Umstrukturierung angekündigt und abermals eine neue Strategie versucht wird. Das ist schwer auszuhalten für Anleger, vor allem für jene, die kurzfristig orientiert sind. Doch man muss fair sein: Sewing ist erst seit einem Jahr im Amt, und er setzt nun um. Er sollte jetzt die Zeit bekommen, die er braucht. Eine andere Chance haben Aktionäre ja auch gar nicht.

          Schrumpft sich die Bank nicht klein?

          Da werden von vielen die Relationen falsch eingeschätzt. Wenn wir jetzt über eine Unternehmens- und Investmentbank bei der Deutschen Bank sprechen, die allein auf Basis der Zahlen von 2018 zwölf Milliarden Euro Umsatz im Jahr erzielt, entspricht das dem Gesamtumsatz der Commerzbank in allen Bereichen. Auch nach der Umstrukturierung wird die Deutsche Bank immer noch um ein Vielfaches größer sein als ihr Frankfurter Nachbar.

          Wird die Deutsche Bank nicht immer mehr zum Übernahmekandidaten?

          Wenn der Umbau in die Hose geht, besteht diese Gefahr. Aber wenn alles richtig klappt, dann droht das nicht. Denn dann sind die Kosten um mehr als ein Viertel reduziert, die Aktionäre erhalten fünf Milliarden Euro an Dividenden zurück, und es werden zusätzliche Erträge von fünf bis acht Milliarden Euro generiert.

          So klar hat Sewing nicht gesagt, wie er die höheren Erträge erzielen will.

          Das wird in der Finanzierungsberatung und -begleitung von Unternehmen geschehen. Damit wird die Bank das meiste Geld verdienen, und das ist auch ihre Kernkompetenz. Zu diesem Zweck ist sie vor 150 Jahren gegründet worden. Diese Konzentration halte ich für richtig. Und es ist ebenso richtig, dass sich die Bank von dem Anspruch verabschiedet, zu den weltweit größten Investmentbanken gehören und in allen Bereichen mitmischen zu wollen. Das hat der Bank nur Verluste eingebracht, alles in allem etwa 30 Milliarden Euro in den vergangenen zehn Jahren.

          Wie konnte das passieren?

          Ich kenne die Bank seit 1994 und habe 1999 miterlebt, wie sie die amerikanische Investmentbank Bankers Trust übernahm. Schon damals hatte ich kritisiert, dass hier Leute eingekauft werden, deren Geschäft und deren Kultur man nicht versteht und denen es selbst überlassen wird, sich zu organisieren und zu kontrollieren. Das ist dann aus dem Ruder gelaufen. Das war der Kardinalfehler, der aber schon im Jahr 1989 begann, als Bankvorstand Alfred Herrhausen für die Übernahme der Investmentbank Morgan Grenfell sorgte.

          Wie hoch ist denn die Chance, dass Sewing erfolgreich ist?

          Man muss als Unternehmer natürlich auch mal Glück haben. Mut ist wichtig, den hat Sewing nun gezeigt. Wollen wir im Interesse aller hoffen, dass er dieses Glück hat, denn wir brauchen in Deutschland diese starke globale Bank, ansonsten werden wir abhängig von starken anglo-amerikanischen Finanzinstituten.

          Was würde dies bedeuten?

          Amerikaner und Briten würde uns Preise und Konditionen diktieren. Die entscheiden von heute auf morgen, dass bestimmte Geschäfte ihnen nicht mehr passen und setzen sie auf die Rote Liste. Das kann nicht in unserem Interesse sein. Darum wünsche ich es dem Vorstand, dass er mit der Strategie Erfolg hat. Auch wenn es ein paar Fragezeichen gibt. Doch hoffentlich wandeln die sich in Ausrufezeichen.

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