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Hartz-IV- Pilotprojekt in Hessen : „Aufstiegscoach“ für Arbeitslose

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Will Zuversicht fördern und Menschen erreichen: Volker Fasbender, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände Bild: dpa

Die Idee ist da, die Probanden auch, an den Details für den „Aufstiegscoach“ in Jobcentern muss aber noch gefeilt werden: Wie „Paten“ sollen Experten in einem neuen Projekt Arbeitslose begleiten und beraten. Eine Zielvorgabe gibt es: Die Idee muss sich rechnen.

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          Ein „Aufstiegscoach“ soll arbeitslose Hartz IV-Empfänger in Hessen in einem Pilotprojekt beraten und ins Arbeitsleben zurückführen. Die bereits angekündigte „Patenschaft“ wird derzeit in Jobcentern in Offenbach, dem Schwalm-Eder-Kreis und im Kreis Waldeck-Frankenberg ausgefeilt, im Juni soll es nach Angaben des Offenbacher Geschäftsführers Matthias Schulze-Böing losgehen. „Wir sind noch im konzeptionellen Feinschliff, aber es wird darauf hinauslaufen, dass sich jeweils ein Coach in Nordhessen und ein weiterer bei uns um 20 Arbeitslose kümmern wird.“ In etwa einem Jahr werde Bilanz gezogen, bis Ende 2014 sei das Projekt abgesichert.

          „Wir wollen, dass die Berater möglichst ortsnah eingesetzt werden und ein Profil ihres Schützlings erstellen“, sagte Volker Fasbender, der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU), über das Vorhaben. „Viele Menschen kommen einfach nicht klar mit dem System und wollen begleitet werden.“ Habe der Coach Erfolg, solle er im Gesetz etabliert werden.

          Auch Unternehmen sollen profitieren

          Ein „Aufstiegscoach“ müsse sich ein genaues Bild machen von den Talenten, Fähigkeiten, der Biografie und den Handicaps des Arbeitslosen, den es zu fördern gelte. Er könne auch bei Fragen zur Mobilität oder zur Kinderbetreuung helfen, die einem Job-Einstieg bisweilen im Weg ständen. Aufgabe eines Coaches sei es zudem, die notwendige berufsbegleitende Qualifizierung zu organisieren. Getragen wird das Projekt zunächst vom Sozialministerium und den jeweiligen Job-Centern. „Innerhalb der kommenden Jahre muss es sich aber tragen durch die Mittel, die frei werden, weil die Hilfe von Jobcentern weniger in Anspruch genommen wird“, sagt Fasbender.

          Profitieren werden nach Überzeugung des Sozialministeriums auch die Unternehmen, auf deren Bedürfnisse je nach Region ein Konzept zugeschnitten werden soll. Sie könnten auf diesem Weg Fachkräfte gewinnen. „Wir verfolgen daher interessiert, wie sich das Projekt an den drei Modell-Standorten entwickeln wird“, hieß es aus Wiesbaden. Auch Offenbachs Jobcenter-Chef Schulze-Böing, dessen Mitarbeiter 2500 Menschen pro Jahr nach dem üblichen Konzept integrieren, ist zuversichtlich: „Wir würden es nicht machen, wären wir pessimistisch.“

          Zuversicht vermitteln, Menschen erreichen

          Im Gegensatz zur üblichen Beratung eines Jobcenters soll ein „Aufstiegscoach“ dem Arbeitssuchenden über die erste Vermittlung hinaus helfen. „Man erreicht viele Menschen, wenn man Hürden beiseite räumt und Zuversicht vermitteln kann“, sagte Fasbender. Möglich sei der Einsatz von ausgebildeten Beratern ebenso wie von Ehrenamtlichen. Weigere sich ein Arbeitsloser allerdings, die Vermittlung zu akzeptieren, seien Sanktionen nicht ausgeschlossen.

          Die VhU geht von rund 120 000 arbeitslosen Hartz-IV-Empfängern in Hessen aus, das sind rund zwei Drittel aller Arbeitslosen.

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