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Haris Seferovic : „Ich will nach oben: Europa League, Champions League“

  • Aktualisiert am

Bad Boy: Haris Seferovic spielt seine Rolle mit Biss und Überzeugungskraft – und fühlt sich wohl dabei. Bild: dpa

Haris Seferovic bezeichnet sich selbst als „Bad Boy“. Der Stürmer der Eintracht spricht über Zweikämpfe, hohe Ziele, seine neue Rolle im Team und die Freude am Training mit Armin Veh.

          Sie bezeichnen sich selbst als „Bad Boy“. Wie ist das gemeint?

          Auf dem Platz versuche ich frech zu sein, den Gegner zu attackieren, ihm weh zu tun, aber natürlich nur mit legalen Mitteln. Es kann nicht schaden, wenn der Gegner Respekt vor mir hat. Also musst du permanent in die Zweikämpfe gehen, du musst sie gewinnen und gut spielen. Du musst mehr machen als der Gegner, und das versuche ich.

          Sie sind zum Einzelkämpfer geworden, weil Ihr Sturmpartner Alexander Meier weiterhin verletzt ausfällt. Spüren Sie mehr Druck?

          Nein, wir sind gut besetzt da vorne mit mir und Luc (Castaignos, Anm. d. Redaktion). Kadlec ist auch noch da. Vor allem Luc und ich verstehen uns sehr gut, wir haben beide die gleiche Idee vom Spiel und sind Freunde geworden.

          Wie verändert sich Ihre Rolle ohne Meier?

          Ich arbeite immer noch für die Mannschaft, laufe sehr viel und gehe vorne noch mehr in die Spitze. Aber das ist meine Spielweise. Ich bin kein Stürmer, der vorne steht und auf die Bälle wartet. Ich suche den Kontakt mit dem Ball, ich will im Spiel bleiben. Ich hole mir die Bälle, spiele sie in die Tiefe, probiere Seitenwechsel, und ich will selbst Tore schießen. Vielleicht habe ich nun noch ein bisschen mehr Verantwortung, aber darauf freue ich mich. Es ist eine neue Herausforderung. Meine Mitspieler erwarten etwas von mir, und das ist gut so.

          Wie schwer ist es, die Konzentration beim Torabschluss zu bewahren, wenn man wie Sie zugleich so viel arbeitet auf dem Platz?

          Sehr schwer. Du musst genug Kraft haben, genug Konzentration, und dann musst du im entscheidenden Moment auch noch die richtige Entscheidung treffen und das Tor machen. Ich entscheide mich immer für den ersten Gedanken, der mir durch den Kopf schießt. Wenn du erst anfängst zu überlegen, dann dauert es zu lang. So viel Zeit hast du nicht.

          Wie schätzen Sie die Mannschaft im Vergleich zum vergangenen Jahr ein?

          Ich glaube, wir sind noch einen Tick besser geworden. Im Mittelfeld haben wir mehr Ruhe bekommen, mehr Selbstbewusstsein, und wir spielen mehr auf Ballbesitz. Wenn wir alle zusammen gut arbeiten und noch mehr ein Team werden, dann kann das gut gehen.

          In Kevin Trapp hat einer der besten Torhüter der Liga die Eintracht verlassen. Wie schwer wiegt dieser Verlust?

          Kevin ist ein Toptorhüter, ich gönne es ihm, dass er zu Paris St. Germain gegangen ist. Aber: Jeder ist ersetzbar. Wir haben zwei gute Torhüter geholt.

          Wo kann die Reise also enden?

          Ich will nach oben, ganz klar.

          Auch Trainer Armin Veh träumt von der Europa League. Was hat sich unter ihm im Vergleich zu dessen Vorgänger Thomas Schaaf verändert?

          Das Training macht mehr Freude. Armin Veh ist viel lockerer und offener, er redet gern und macht abwechslungsreiche Trainings, der Spaß kommt nicht zu kurz. Er gefällt mir und tut dem ganzen Verein gut. Schaaf war auch ein sehr guter Trainer, er wusste, was zu tun ist. Aber er war auch streng, das war aber für mich von Vorteil. Immer wenn ich den Kopf hängen gelassen habe, hat er mir in den Hintern getreten und mich motiviert. Dadurch habe ich viel gelernt: Wenn es nicht läuft, muss ich halt ackern.

          Die Eintracht ist schon Ihre siebte Station im Profifußball. Sind Sie hier ein anderer Spieler geworden?

          Ja, das hier ist mein Zuhause, ich bin hier ein komplett anderer Spieler, ein ganz anderer Mensch geworden. Viel ruhiger, viel ausgeglichener, viel fokussierter. Ich hatte im Sommer einige Angebote von verschiedenen Topklubs, aber ich wollte nicht wechseln. Bei meinen vorherigen Vereinen war ich nie richtig glücklich, immer hat irgendetwas gefehlt. Bei Eintracht Frankfurt passt es einfach.

          Ihr Vertrag läuft derzeit bis 2017. Können Sie sich vorstellen, diesen noch einmal zu verlängern?

          Wenn Bruno (Sportdirektor Bruno Hübner, Anm. d. Redaktion) mir ein Angebot macht, warum nicht. Natürlich kann ich mir das vorstellen. Aber ich habe noch zwei Jahre Vertrag, das ist eine lange Zeit, und es kann viel passieren.

          Sie sind 23 Jahre alt. Was wollen Sie noch erreichen?

          Europa League, Champions League, das ist ganz klar. Es wäre gut, wenn wir da den nächsten Schritt machen. Eintracht Frankfurt hat sicherlich die Möglichkeiten, international zu spielen. Ich habe mal mit Real Sociedad erlebt, wie es ist, in der Champions League zu spielen. Aber damals war ich noch zu jung und nicht in Form.

          Sie haben in San Sebastián, in Florenz gelebt und wohnen nun in Oberursel. Was gefällt Ihnen besser?

          Oberursel, ich habe mich hier eingelebt, ich habe meine Restaurants, wo ich mittags essen gehe. Ich habe Freunde hier gefunden, mit denen ich abends was trinken gehen kann. Florenz ist auch eine sehr schöne Stadt, aber überall sind Touristen, und egal, wohin du gehst, es ist überfüllt. Ich bin kein Mensch für die großen Städte – zu viele Autos, zu viel Lärm. Ich mag die Ruhe. Vor eineinhalb Jahren habe ich mir einen Hund gekauft, eine Französische Bulldogge. Wir gehen oft spazieren, ich mag das sehr.

          Sie sind sogar zum Ehrenmitglied beim TSV Friedrichsdorf ernannt worden.

          Ja, ich gehe da sonntags gern hin. Wenn wir nicht spielen, habe ich oft den ganzen Tag Zeit. Ich will nicht zu Hause herumsitzen. Dann gehe ich lieber raus mit dem Hund und schaue bei den Spielen zu. Das entspannt mich.

          An diesem Sonntag werden Sie keine Zeit haben. Zum Saisonauftakt geht es nach Wolfsburg. Einige Experten glauben, dass die Eintracht dort keine Chance haben wird.

          Wolfsburg ist eine sehr starke Mannschaft, aber zum Saisonbeginn kann vieles passieren. Wir sind gut vorbereitet und wollen dort punkten. Im letzten Jahr haben wir dort auch ein Unentschieden geholt, warum soll das nicht wieder so sein?

          Das Gespräch führten Jörg Daniels und Michael Wittershagen.

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