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Öffentliche Telefonzellen : Das Handy verdrängt Zelle und Säule

  • -Aktualisiert am

T wie trostlos: Immer weniger Telefonzellen stehen in Frankfurt. Die Telekom ist das einzige Unternehmen, das noch öffentliche Telefone betreibt. Bild: Cornelia Sick

Langsam aber sicher verschwindet die technische Errungenschaft der Telefonzelle aus den Städten. Einige gebrauchte Exemplare aber landen nicht etwa auf dem Müll, sondern finden ihre ganz privaten Liebhaber.

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          Das magentafarbene T auf dem Dach der Zelle ist nur schwach beleuchtet. Drinnen hängt ein speckiger Hörer in der gleichen knalligen Farbe am metallischen Telefonkasten. Eine Scheibe fehlt. Einsam steht sie an der Mainzer Landstraße im Gallus und nimmt sogar noch D-Mark: eine der letzten Telefonzellen in Frankfurt. Sie ist ein Relikt aus einer anderen Zeit. Zwar gibt es in der Stadt immer noch etwa 260 öffentliche Fernsprecher, aber die meisten sind an schmalen Säulen angebracht. Richtige Zellen gibt es so gut wie keine mehr. Und selbst die Säulenfernsprecher werden immer weniger. Allein in diesem Jahr sind etwa 100 abgebaut worden.

          Statistisch gesehen hat jeder Deutsche mindestens ein Handy

          Im Freien, in aller Öffentlichkeit, an einer Säule stehend zu telefonieren - das wäre vor ein paar Jahrzehnten noch undenkbar gewesen. Um Gespräche per Fernsprecher zu führen, zogen sich die Leute zurück. Und deshalb seien die Telefonzellen ursprünglich auch nicht in erster Linie als Schutz gegen Wind und Wetter konzipiert worden, sagt Lioba Nägele vom Museum für Kommunikation am Schaumainkai. Vielmehr sei es in erster Linie darum gegangen, zu verhindern, dass Telefongespräche von Fremden mitgehört werden konnten. Dass es einmal normal sein könnte, in der Öffentlichkeit zu telefonieren, sei damals niemandem in den Sinn gekommen, sagt Nägele, und schon gar nicht, dass irgendwann praktisch jedermann ein Telefon in der Tasche haben würde.

          Für die Telekom sind die öffentlichen Säulentelefone zwar deutlich günstiger zu betreiben als die alten Zellen, weil sie unter anderem weniger anfällig für Schäden und Vandalismus sind - aber auch sie verschwinden nach und nach aus dem Straßenbild. Das Mobiltelefon macht allen Arten von öffentlichen Fernsprechern langsam den Garaus. „Statistisch gesehen hat jeder Deutsche mindestens ein Handy“, sagt ein Sprecher der Telekom. Telefonieren könne man heute praktisch überall, das mache öffentliche Telefone weitgehend überflüssig. Sie würden immer weniger genutzt, und Geräte, die weniger als 50 Euro im Monat umsetzen, würden deshalb abgebaut.

          Telefonzellen sind Museumsware

          Allerdings hat die Telekom einen Versorgungsauftrag, der sie verpflichtet, Telefone bereitzustellen. Den Abbau der umsatzschwachen Geräte muss das Unternehmen deshalb mit den Kommunen absprechen. Wie oft öffentliche Telefone in Frankfurt noch für Notrufe benutzt werden, ist allerdings nicht bekannt, die Feuerwehr führt darüber keine Statistik. Kunden sind an den verbliebenen Telefonsäulen in der Innenstadt allerdings so gut wie nie anzutreffen.

          Inzwischen ist die Telekom sogar der einzig verbliebene Betreiber öffentlicher Telefone in Frankfurt. Andere Anbieter gibt es nicht mehr. Das Unternehmen Avanticom, das einst ebenfalls öffentliche Fernsprecher in der Stadt aufgestellt hatte, ist vor mehr als zwei Jahren in die Insolvenz gegangen.

          Für das Kommunikationsmuseum sind zumindest Telefonzellen schon lange Museumsware. Vor dem Ausstellungsgebäude am Museumsufer steht ein altes, aber noch funktionsfähiges Fernsprechhäuschen. In der vom Museum ausgelagerten Sammlung in Heusenstamm stehen noch mehr als 30 Häuschen. Das älteste stammt aus dem Jahr 1899, das jüngste von 2001. Gebrauchte Exemplare aus diesem Baujahr verkauft die Telekom inzwischen auch an Privatleute. Sie kosten etwa 400 Euro, allerdings müssen die Käufer den Heimtransport vom Lagerort in der Nähe von Potsdam selbst organisieren.

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