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Ausgezeichnete Arbeit: Katharina Iskandar berichtet über Fälle von Rechtsextremismus und Terrorismus im Rhein-Main-Gebiet.

Handys von Schülern durchsucht : Die Opfer schützen

Strafbar: Den Jugendlichen sind die Folgen ihrer Mediennutzung oft nicht klar (Symbolbild). Bild: dpa

Die Durchsuchung von Schüler-Handys nach einer Sexualstraftat hat für Empörung gesorgt. Die Mittel der Polizei scheinen drastisch, aber nur so verstehen die Jugendlichen offenbar die Folgen ihrer Mediennutzung.

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          Wenn die Polizei an eine Schule kommt, bleibt immer ein Rest Unbehagen. Schulleiter fürchten um den Ruf ihrer Einrichtung. Eltern klingeln Sturm. Vor allem dann, wenn sie wenig wissen und sich Gerüchte schneller verbreiten als Fakten. Wie schnell das geschehen kann, zeigt der Fall der Adolf-Reichwein-Schule in Neu-Anspach. Kaum dass die Polizei die Schule verlassen hatte, gingen Nachrichten herum, es seien Beamte mit Waffe und Handschellen an der Schule gewesen.

          Es klang, als sei ein Spezialeinsatzkommando angerückt. Tatsächlich war die Polizeiaktion, bei der Dutzende Schüler befragt und deren Handys gesichtet wurden, kein kleines Unterfangen. Aber diejenigen, die vorschnell Kritik äußerten und sich vor allem über Twitter empörten, verstummten schnell, als klarwurde, was der Hintergrund des Besuches war.

          Drastische Mittel

          Einmal mehr hat dieser Fall gezeigt, welche Möglichkeiten der Rechtsstaat hat, wenn es darum geht, eine Straftat aufzuklären. Und, was mindestens ebenso wichtig ist: Opfer zu schützen. Niemand mag sich ausmalen, wie schlimm die psychischen Folgen eines sexuellen Übergriffs sind. Erst recht dann, wenn die Tat gefilmt wird und das Opfer damit rechnen muss, dass das Video verbreitet wird. Kriminologen sprechen von einer Sekundärviktimisierung. Das heißt, das Opfer muss nicht nur die Tat selbst bewältigen, sondern auch noch damit leben, dass jedes Mal, wenn das Video auf dem Handy eines Mitschülers auftaucht, die Tat wieder gegenwärtig wird. Für die Opfer ist dieser Vorgang oft so schlimm wie das Verbrechen an sich. Sie durchleben es immer und immer wieder.

          Dass die Polizei in solchen Fällen zu drastischen Mitteln greift, wenn es rechtlich geboten ist, ist verständlich. Offenbar nur so kann man jugendlichen Mediennutzern vermitteln, dass auch sie sich strafbar machen, wenn sie solche Videos verschicken. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie das Opfer persönlich kennen oder nicht. Auch wenn der Einsatz keine gängige Praxis werden wird, so bleibt eine Hoffnung: dass Jugendliche sich künftig überlegen, was sie sich auf dem Smartphone anschauen.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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