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Handwerksfunktionär Brandes : Über Studienzweifler, Berufsabitur und Flüchtlingshilfe

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„Handwerksbetriebe suchen inzwischen teilweise verzweifelt nach Kräften“: Harald Brandes, scheidender Hauptgeschäftsführer der HWK Wiesbaden Bild: Michael Kretzer

Handwerksfunktionär Harald Brandes hat gegen den Wegfall der Meisterpflicht und für ein größeres Gewicht des Handwerks gefochten. Er geht, der Kampf geht weiter.

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          Vor dem Blick zurück einer nach vorne: Der Flüchtlingszustrom stellt die EU auf die Probe. Das Handwerk hat den Willen bekundet, sich für die berufliche Integration von Neuankömmlingen zu engagieren. Kommen Sie voran?

          Ja. Die jüngeren Menschen versuchen wir über Praktika an eine Ausbildung heranzuführen. Die etwas älteren kann man je nach Eignung zu angelernten Kräften oder auch zu Facharbeitern qualifizieren.

          Wie soll das in der Praxis gehen?

          Wir haben unsere 40 Berufsbildungszentren in Hessen gefragt und können nun rund 1000 solcher Plätze zu Verfügung stellen. Es wird bald ein Programm des hessischen Wirtschaftsministeriums aufgelegt, für das wir diese gut 1000 Plätze bereits zugesagt haben.

          Das kann aber nur mit gewissen Sprachkenntnissen funktionieren.

          Natürlich. Wir sind froh, wenn es Sprachkurse für die Leute gibt, bevor sie zu uns kommen. Die Qualifizierung begleitende Kurse, das berufsbezogene Angebot, das übernehmen dann schon wir.

          Das wird dann auf längere Sicht auch den Handwerksbetrieben bei der Nachwuchssicherung nützen?

          Ja, Handwerksbetriebe suchen inzwischen teilweise verzweifelt nach Kräften.

          Sie halten es also für möglich, dass so die berufliche Integration von Neuankömmlingen gelingt?

          Wir sind jetzt in der Lage, die Einstiegsqualifizierung strukturiert zu managen, ja. Es kann aber keiner wissen, was dabei am Ende zahlenmäßig herauskommt. Denn es ist ganz oft nicht klar, welche Voraussetzungen die Menschen mit Bleibeperspektive erfüllen.

          Der Blick zurück: Ende Februar scheiden Sie nach knapp 20 Jahren als Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Wiesbaden aus. Sie haben in dieser Zeit zugleich die Geschäfte des Hessischen Handwerkstages und der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern geführt. Was waren in dieser Zeit Ihre wichtigsten Erfolge?

          Es war für uns strategisch sehr wichtig, auf Augenhöhe mit den Industrie- und Handelskammern und mit der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände zu kommen. Das war eine Arbeit für mindestens ein Jahrzehnt. Das war eines meiner zentralen Anliegen.

          Warum?

          Weil das Handwerk dadurch, dass es von der Betriebsstruktur eher kleinteilig ist, rasch unterschätzt wurde, so nach dem Motto: Na ja, da ist dann halt noch das Handwerk.

          Zu den Errungenschaften gehört ja auch, dass Meister unmittelbar ein Studium beginnen können.

          Ja, das war wirklich ein großer Erfolg, aber auch ein sehr harter Kampf.

          Kampf mit wem?

          Mit Universitäten, mit Fachhochschulen, mit dem Wissenschaftsministerium. Es war sehr schwierig, da zu überzeugen. Es hat auch lange gedauert, bis die Politik im hessischen Landtag das dann aufgegriffen hat. Aber wir haben es durchgesetzt. Wir waren damals das zweite Bundesland nach Niedersachsen.

          Sie messen dem eine sehr grundsätzliche Bedeutung zu?

          Ja. Es ging darum, den jungen Leuten und den Eltern zu signalisieren: Egal, welchen Weg man nimmt, Abitur oder eine Ausbildung, alle Wege bleiben offen. Inzwischen ist es ja schon so, dass man die berufliche Bildung mehr wertschätzt. Wir haben die Politik aber auch schon seit vielen Jahren gewarnt: Passt auf, dass nicht alle jungen Leute und Eltern meinen, nur Abitur und Studium seien akzeptabel.

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