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Handwerk : Engpässe durch volle Auftragsbücher

Beschäftigt: ein Dachdecker in Frankfurt. Bild: Nauck, Daniel

Manche Architekten und Privatleute klagen, sie fänden zurzeit in Rhein-Main keine geeigneten Handwerker, alle seien ausgebucht. Von gelegentlichen Engpässen berichten auch die Baugewerblichen Unternehmer Hessen.

          Im Dezember 2012 hat Matthias Henties einen Dachdecker gebraucht. Der Anruf war ernüchternd: „Keine Zeit, frühestens im Juli können wir uns unterhalten“, vertröstete ihn der Betrieb. Henties hat sich mit seinem Architekturbüro EHK auf Sanierungen von Wohnhäusern spezialisiert und muss immer wieder Handwerker in Anspruch nehmen oder vermitteln. Doch er findet kaum noch geeignete Fachkräfte. „Wir müssen Handwerker aus Thüringen beauftragen. Nicht, weil sie billiger sind, sondern weil hier alle ausgebucht sind.“

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Auch Privatleute berichten von einer spürbaren Verknappung. „Es ist leichter, den Bundespräsidenten telefonisch zu erreichen als einen Elektriker“, spottet ein Hauseigentümer aus dem Frankfurter Nordend. Ob gewerblich oder für die eigenen vier Wände: Wer zurzeit einen Handwerker sucht, muss viel Geduld mitbringen. Die Auftragsbücher sind prall gefüllt, ein Vorlauf von einem Vierteljahr ist keine Seltenheit.

          Weniger Verhandlungsspielraum

          Henties ist nicht der einzige in der Immobilienbranche, der über Handwerkermangel klagt. Besonders im Baugewerbe fehlen Dachdecker, Klempner, Fensterbauer, Fliesenleger und Zimmerleute. Der Bauunternehmer Thomas Keßler, Niederlassungsleiter der Firma Porr, führt das auf den „Boom“ im Wohnungsbau zurück. „Handwerker können derzeit wählerisch sein“, sagt er. Verzögerungen und höhere Baukosten seien die Folge.

          Nach Worten des Projektentwicklers Martin Wentz sind diese Kosten um zehn bis 15 Prozent gestiegen: „Man bekommt nur wenige Angebote und kann nicht mehr gut verhandeln.“ Er hat das Thema auch in das Präsidium der Frankfurter Industrie- und Handelskammer getragen, die die Sorge um einen Mangel an Fachkräften umtreibt.

          Langer Winter führte zu Verzögerungen

          Rainer von Borstel, Hauptgeschäftsführer des Verbands der baugewerblichen Unternehmer in Hessen, bestätigt das zwar insofern, als es sicherlich etwas schwieriger sei als sonst, noch einen Handwerker mit Vakanzen zu finden.

          Die in dem Verband organisierten Unternehmen errichten zwar vor allem die Rohbauten. Sofern sie aber als Generalunternehmer in Aktion treten und selbst Handwerker für den Innenausbau suchen, bekommen inzwischen auch sie öfter einmal die Auskunft, dass der sonst eingesetzte Handwerker schon ausgebucht ist, wie Borstel sagt. Das habe vor allem mit dem langen Winter zu tun, der zu Verzögerungen geführt habe, weiß der Verbandsgeschäftsführer. Die zurückgestellten Arbeiten müssten nun erst einmal abgearbeitet werden. Allerdings sei die Situation auf dem „flachen Lande“ sicher sehr viel weniger schwierig als im Ballungsraum Rhein-Main, führt Borstel weiter aus. Die gewerblichen Bauunternehmer selbst haben dagegen derzeit „noch Reserven“, wie von Borstel sagt. Die Betriebe können also noch Aufträge gebrauchen.

          Überstunden und Hilfe von Subunternehmern

          Bernd Ehinger, Präsident der Arbeitsgemeinschaft der hessischen Handwerkskammern, spricht schließlich lieber von einer guten Auslastung der Handwerksunternehmen. Er sieht derzeit keine großen Engpässe: „Die letzte Konjunkturumfrage im regionalen Handwerk hat deutlich gezeigt, dass viele Betriebe im Bauhaupt-, aber auch im Ausbaugewerbe zufrieden sein können“, sagte er. Ehinger beziffert den Auslastungsgrad für das gesamte Handwerk auf bis zu 76Prozent. Das bedeutet, dass die Auslastung gut, dass aber schon noch etwas Spielraum für weiter Aufträge ist.

          17 Prozent der Firmen geben Ehinger zufolge allerdings sogar einen Auslastungsgrad von mehr als 100 Prozent an. Das bedeutet, dass diese Betriebe einen Teil der Aufträge nur mit Hilfe von Überstunden oder Subunternehmern abdecken.

          Anderen Betrieb über Datenbank finden

          Dass Handwerker kleinere Privataufträge verschieben, um lukrativere Großaufträge vorziehen zu können, will Ehinger nicht ganz ausschließen, er hält das aber für Ausnahmefälle. Natürlich gebe es Betriebe, die sich eher auf das Großkundengeschäft spezialisiert hätten. Grundsätzlich könnten Kunden aber im Handwerk in aller Regel mehr als nur einen Betrieb in der jeweiligen Region finden, der die erforderlichen Arbeiten wie gewünscht ausführe.

          Ein Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern verweist derweil darauf, dass Kunden die Handwerkerdatenbank nutzen könnten, falls ihnen der vertraute Betrieb tatsächlich einmal absage. Die Datenbank lässt sich über die Internetseiten der Kammern finden.

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