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Handball : Fehler der Wallauer hart bestraft

Die Spieler der SG Wallau/Massenheim hatten das Feld schnell geräumt. Nach ihrer überraschenden und peinlichen 24:25-Niederlage gegen Pfullingen will Trainer Martin Schwalb sein Personal sortieren.

          3 Min.

          Die Spieler der SG Wallau/Massenheim hatten das Feld schnell geräumt. Ein paar Pfullinger hüpften noch durch die Halle wie die Rumpelstilzchen, singend, johlend, freudetrunken. Etwas abseits, am Rand des Spielfelds, stand Christian Rose in einer Traube junger Fans und schrieb Autogramme. Schrieb auf Zettel, schrieb auf Bälle, schrieb auf Fanmagazine. Schrieb, bis auch der letzte Knirps zufrieden war. Es sollte eine Art Wiedergutmachung sein. "Wenn man schon die Leistung nicht bringt", sagte Rose, "sollte man den Zuschauern wenigstens das geben."

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          24:25 hatte die SG vor 1400 Anhängern in der Ballsporthalle ihr Punktspiel in der Handball-Bundesliga gegen den Abstiegskandidaten VfL Pfullingen verloren. Rose war mit sechs Treffern bester Torschütze der SG, doch er wußte, auch er hatte seinen Teil beigesteuert zu den vielen technischen Fehlern, die die Wallauer in der ersten Hälfte weit in Rückstand brachten. Sechs Tore nur schafften sie in 24 Minuten, Pfullingen zwölf. Gegen die offensive, aggressive, mannbezogene Deckung des VfL fand die SG kein Rezept, selten nur gelang es, ein Angriffsspiel aufzuziehen. So suchten sie ihr Heil immer wieder viel zu schnell in wenig erfolgversprechenden Einzelaktionen. "Wir haben uns einfach schlecht angestellt", sagte Rose.

          In dieser Phase machte sich nicht nur das Fehlen des verletzten Rückraumspielers Pascal Hens bemerkbar. Auch Jan-Olaf Immel hatte so starke Achillessehnenprobleme, daß Trainer Martin Schwalb ihn erst kurz vor der Pause erstmals einsetzte. Als dann auch noch der Pfullinger Ersatz-Ersatztorhüter Michael Villgrattner so gut hielt, daß sein Trainer Rolf Brack ergriffen von einem "Wunder" sprach, und als die Schiedsrichter in einem Maße umstrittene Siebenmeter gegen die SG verhängten, daß einige rüstige Zuschauer sich schon anschickten, das Feld zu stürmen, da war klar, daß dies kein besonders schöner Abend mehr werden würde für die SG Wallau/Massenheim. "Nackenschläge" nannte Schwalb die strittigen Entscheidungen der Referees zunächst vorsichtig. Auf Nachfrage fügte er hinzu, daß einige junge Schiedsrichter wohl unbedingt beweisen müßten, daß sie in der Lage seien, auch eine Heimmannschaft zu verpfeifen. "Das haben sie heute hinbekommen."

          Ausschlaggebend für die Niederlage aber, das hob auch Schwalb hervor, waren andere Dinge. Vor allem die Tatsache, daß die offensive Abwehr des VfL schonungslos das Hauptproblem der SG bloßlegte. "Wir müssen eine Mannschaft wie Pfullingen ausspielen können", sagte Schwalb. "Das haben wir heute nicht geschafft." Das Spiel zeigte, was der Mannschaft fehlt, um dem vor der Saison vorgetragenen Anspruch, oben in der Bundesliga mitzureden, gerecht zu werden. "Wir müssen mehr Spielverständnis aufbringen, nach Eins-gegen-eins-Situationen nicht immer nur aufs Tor werfen, sondern auch mal an den Kreis oder auf die Außenpositionen weiterspielen", sagte Schwalb. Hens etwa sei einer, der das verinnerlicht habe, der mit einer kleinen Bewegung den Kreisläufer freispielen könne, "und hinterher sagt jeder, ja genau, da muß der Ball hin". Nicht umsonst ist die halbe Liga hinter dem Dreiundzwanzigjährigen her.

          Schwalb will nun weiter am spielerischen Vermögen seiner Mannschaft arbeiten, und mit leicht unheilschwangerem Unterton kündigte er an: "Wir werden uns in den nächsten Wochen überlegen, wer hilft uns dabei weiter und wer nicht." Eins sei aber klar: "Das kann nicht von heute auf nachher gehen." Ansätze immerhin zeigte die SG, als schon alles verloren schien, als der VfL Pfullingen nach gut vierzig Minuten auf 13:20 enteilt war. Von da an nutzte sie den etwas größeren Freiraum, den die körperlich nachlassenden Pfullinger boten, und kämpfte sich heran. Gregor Werum erzielte am Kreis in knapp drei Minuten drei Tore, der inzwischen für Djordjic im Tor stehende Marcus Rominger hielt fast alles, was auf ihn zukam, darunter drei Siebenmeter, und stoppte mehrere Tempogegenstöße. Drei Minuten vor Schluß schloß Einar-Örn Jonsson einen Gegenstoß zum 22:22 ab. Mit zwei weiteren Siebenmetern und einem Tor durch Holger Breitenbacher brachte der VfL den Sieg aber schließlich doch nach Hause. Zum Wohl seines Trainers. "Wenn wir das verloren hätten", sagte Brack, "hätte ich mich noch auf dem Platz erschossen." So behielt der VfL Pfullingen nach dem Spiel seinen Trainer, Christian Rose versöhnte seine Fans, so gut es eben ging, und in Martin Schwalb reifte die Gewißheit, daß ein Sieg in letzter Minute dem ganzen Spiel kaum gerecht geworden wäre: "Wer so viele einfache Fehler macht, der hat auch kein Recht zu gewinnen."

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