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Handalphabet für Taubblinde : Es fühlt sich nach einem „P“ an

  • -Aktualisiert am

Fingerführung: Beim Lormen wird in die Hand geschrieben. Bild: Rainer Wohlfahrt

Wer nicht hören und sehen kann, der muss fühlen, um zu kommunizieren. Taubblinde müssen dafür oft eine ganz neue Sprache lernen: Lormen.

          3 Min.

          Timon nimmt die Hand seines Vaters und legt sie in seine linke. Dann streicht er mit seinem rechten Zeigefinger über den seines Vaters, berührt die Daumenkuppe und wiederholt das Ganze. „Pa–pa“, sagt sein Vater. „Stimmt“, antwortet Timon. Die beiden nehmen an einem Lormkurs des Blinden- und Sehbehindertenbunds Hessen (BSBH) in Hanau teil. Es ist nun schon die zweite Sitzung des Kurses, den die psychotherapeutische Heilpraktikerin Heike Herrmann-Hofstetter ehrenamtlich leitet. Sie selbst ist sehbehindert. „Wenn wir Sehbehinderten uns mit einem Gehörlosen unterhalten wollen, dann gibt es meist keine andere Möglichkeit als lormen“, erklärt sie den Kursteilnehmern. Für jeden Buchstaben gibt es beim Lormen ein Zeichen, das auf die Hand des Gesprächspartners gemalt wird.

          Der Schriftsteller Heinrich Landesmann, der unter dem Synonym Hieronymus Lorm im 19. Jahrhundert wirkte, erfand das Handalphabet ursprünglich für seinen eigenen Gebrauch. Lorm war taub. Er erblindete mit 30 Jahren. „Lormen ist ein Zusammenbringer“, sagt Herrmann-Hofstetter. Denn ungefähr zehn Prozent der Gehörlosen seien auch blind. Viele würden sich kaum noch vor die Tür wagen, denn der Verlust zweier Sinne macht den Gang auf die Straße zu einer unglaublich großen Herausforderung. Man könne die fahrenden Autos weder hören noch sehen, weiß die Kursleiterin.

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