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Hanauer Zeichenakademie : Talentschmiede seit 250 Jahren

Schüler der Staatlichen Zeichenakademie Hanau Bild: Staatliche Zeichenakademie Hanau

1772 von Erbprinz Wilhelm IX. gegründet, erlebte die Hanauer Zeichenakademie eine wechselvolle Geschichte. Ihrem Bildungsauftrag blieb sie fast immer treu. Nun feiert sie Jubiläum.

          4 Min.

          Das Jahr 1772 war ein besonderes Jahr für die Stadt Hanau. Die Anfang des 17. Jahrhunderts von den niederländischen und französischen Glaubensflüchtlingen begründete Neustadt hatte sich etabliert. Das Kunsthandwerk, die Malerei und vor allem die Fertigung von Gold- und Silberwaren waren erblüht. Aus Sorge um die Sicherung eines versierten Nachwuchses drängten die Hersteller der Luxusartikel, die in die ganze Welt hinausgingen, auf die Gründung einer Schule, in der die handwerklichen Fähigkeiten gelehrt und Entwürfe für Schmuck und Silbergerät angefertigt werden sollten. Vor 250 Jahren war es dann so weit. Erbprinz Wilhelm IX. von Hessen-Kassel, auf dessen Initiative auch das Hanauer Staatsbad Wilhelmsbad mit Geld aus dem Handel mit hessischen Soldaten geschaffen wurde, gründete die „Academie der Zeichenkunst“ in der Neustadt, die bald einen internationalen Ruf als künstlerische Nachwuchsschmiede erwarb.

          Luise Glaser-Lotz
          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Vom Jahr 1866 an trug sie den Titel „Königlich Preußische Zeichenakademie“. Stück für Stück wurde damals der Fächerkanon erweitert: Modellieren, Zeichnen und Malerei, Diamantschleifen und Elfenbeinschnitzen zählten zu den zahlreichen vermittelten Fertigkeiten. Im Jahr 1889 wurden Fachwerkstätten an der Zeichenakademie eingerichtet, fortan konnten dort Schmuckstücke und Silbergerät gefertigt werden.

          Bis heute kommt die Einrichtung, getragen vom Hessischen Kultusministerium, ihrem Auftrag der Nachwuchsförderung mit immer neuen Angeboten nach, die Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs allerdings ausgenommen. Heute dominieren hier die Frauen deutlich. Rund 80 Prozent der Bewerbungen stammten von jungen Frauen, sagt Schulleiter Benjamin Pfister.

          Schon früh eine Klasse für Mädchen

          Das war nicht immer so. Anfangs war die Schule, die zu den ältesten Goldschmiedeschulen Europas zählt, in erster Linie für Männer gedacht. Immerhin gab es auch schon früh eine Klasse für Mädchen. Diese durften sich vom Jahr 1883 an zunächst der Kunststickerei widmen, erkämpften sich im Lauf der Zeit aber ihren Platz an der „Academie“, in der man in diesen Tagen auf eine wechselvolle Geschichte von 25 Jahrzehnten zurückblickt.

          Viele Künstler, die von Hanau aus in die Welt zogen und sich einen internationalen Rang eroberten, wurden an der Zeichenakademie ausgebildet. Der bekannteste unter ihnen ist sicherlich der Tierplastiker August Gaul. Er wurde im heutigen Hanauer Stadtteil Großauheim geboren. In einer Silberwarenfabrik in Hanau absolvierte er eine Lehre als Modelleur und Ziseleur, bevor er 1884 Schüler an der Zeichenakademie wurde. Hier begründete er seine künstlerische Karriere als Wegbereiter der modernen Bildhauerei.

          Zu den weiteren bekannten Schülern zählen unter anderem der Bildhauer Claus Bury, die Maler Georg Cornicelius und Reinhold Ewald sowie der Juwelier Eugène Fabergé. Der Hanauer Maler Johann Peter Krafft wurde ebenfalls an der Zeichenakademie ausgebildet, er machte vor allem in Wien eine große Karriere. Vermutet wird, dass auch Ludwig Emil Grimm, der künstlerisch überaus talentierte Bruder der Germanisten und Märchensammler Jacob und Wilhelm Grimm, Schüler an der Akademie war.

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