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Hanau : Wo die Servitenmönche arbeiteten und beteten

Fundsache: Reste des Klosters werden derzeit freigelegt. Bild: Rüchel, Dieter

Restaurierungs- und Grabungsarbeiten beleuchten die Geschichte des Klosters St.Wolfgang in der Bulau bei Hanau.

          3 Min.

          Woher hat der Hanauer Stadtteil Wolfgang seinen Namen? Des Rätsels Lösung findet sich am Waldweg, der von der Rodenbacher Chaussee in Richtung Forstamt Wolfgang abbiegt. Auf der rechten Seite erhebt sich ein Turm, und Steinmauern verweisen auf eine frühere Besiedelung der Stelle. Es sind die Überreste des Klosters St. Wolfgang, das zwischen den Jahren 1490 und 1494 gegründet und dem Heiligen Wolfgang, dem Schutzpatron der Waldarbeiter, gewidmet war. Geblieben sind der Turm, ein steinerner Brunnenkranz, die Reste der Sakristei der Klosterkirche mit einigen nach Osten ausgerichteten Grundmauern der Apsis sowie eine Reihe von steinernen Fundamenten im Boden.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Diese waren noch vor kurzem verborgen unter einem Schuttberg. Aus ihm lugte nur ein kleiner Mauerrest hervor. Doch wer in diesen Tagen einen Abstecher zur Klosterruine im Wald unternimmt, dem öffnet sich ein neues Bild. Auf große Teile der lange Jahre im Erdreich schlummernden Mauern im Boden scheint das Tageslicht, denn zum ersten Mal überhaupt haben sich Archäologen auf den Weg gemacht, die archäologischen Geheimnisse des Klosters zu lüften. Dahinter steht ein Gemeinschaftsprojekt der Hessischen Baudenkmalpflege, die Sparte Hessenarchäologie des Landesamts für Denkmalpflege, der hessischen Forstverwaltung Hessenforst, der Stadt Hanau und des Hanauer Geschichtsvereins. Sie teilen sich die Kosten von rund 19000 Euro. Außerdem sind mehrere ehrenamtliche Helfer an der Grabungsstelle aktiv. Die Museen der Stadt Hanau und der Geschichtsverein stellen die Werkzeuge für die Arbeiten, die im nahe gelegenen Forstamt von Hessenforst deponiert sind. Die wissenschaftliche Betreuung liegt in der Verantwortung des Bezirksarchäologen Guntram Schwitalla von Hessenarchäologie, der schon ausgiebig über die Klosteranlage geforscht hat und alles weiß, was bisher über sie bekannt ist.

          Ehrenamtliche Helfer befreiten den Turm von Pflanzen

          Wie er berichtet, steht am Beginn der Geschichte die Kapelle, die um das Jahr 1468 von Erasmus Hasefuß, Hoffourier und Trompeter des Grafen Philipp I. des Jüngeren von Hanau, gestiftet und dem Heiligen Wolfgang geweiht wurde. Später ließen sich dort vier oder fünf Mönche des Servitenordens nieder, die ein kleines Kloster aufbauten und möglicherweise auch in bescheidenem Maße Eisenerz abbauten oder zumindest Werkzeuge anfertigten. Während des Bauernkrieges wurde das Kloster in der ersten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts schon wieder zerstört.

          Im vergangenen Herbst begannen die Bemühungen, die Ruine aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken. Ehrenamtliche Helfer des Geschichtsvereins und der örtlichen Feuerwehr befreiten den Turm von den Pflanzen, die ihn zunehmend zuwucherten. Die Arbeiten dieses Herbstes, die noch bis Ende der Woche dauern sollen, umfassen unter anderem die Reinigung des Mauerwerks des Sakristeibaus. Dies übernimmt die Fachfirma, die auch die Statue des Keltenfürsten von Glauberg bearbeitet hat. Außerdem werden Fundamente der Klostergebäude im Boden freigelegt. Nach den Worten von Grabungsleiter Michael Müller, Mitglied des Hanauer Geschichtsvereins und des Denkmalbeirats der Stadt Hanau, wird man alles genau dokumentieren und anschließend die ausgegrabenen Stellen mit einem Vlies versehen und wieder mit Erde bedecken. So sind sie geschützt vor Witterungseinflüssen, können für weitere Forschungen aber schnell wieder zugänglich gemacht werden.

          Spuren eines Kamins und Sitznischen

          Gestoßen ist man bisher auf das Fundament eines Treppenaufgangs direkt an der Sakristei, vermutlich zu einer Empore. In unmittelbarer Nähe der Sakristei wurden an ihrer nördlichen Seite außerdem die steinernen Überbleibsel zweier Gebäude freigelegt, die vermutlich nicht sakralen Zwecken dienten. Reste von Tierknochen und Keramiken sowie Hinweise auf eine Ofenstelle in einem Raum deuten darauf, dass es sich um einen Speisesaal oder eine Küche gehandelt haben könnte. Überliefert ist, dass die Mönche neben ihren Wohnräumen auch Werkstätten unterhielten und Vorräte speicherten. Mehrere, weiter nördlich der Kapelle gelegene Erdwälle werden als Hinweise auf diese Gebäude gewertet. Keine genauen Erkenntnisse gibt es bisher auch über den hohen Turm, dessen Außenmauern erhalten sind, der im Inneren aber komplett entkernt ist.

          Schwitalla geht davon aus, dass er einst Wohnzwecken diente, wovon Spuren eines Kamins und von Sitznischen in der einstigen ersten Etage sprechen. Versuchen will man nun, mehr über den Turm herauszufinden. Dafür soll unter anderem ein vermuteter Hohlraum unter dem Turm mit Hilfe eines Teleskops untersucht werden. Alle neugewonnenen Erkenntnisse sollen später in mehreren Publikationen des Landes und im neuen Magazin des Geschichtsvereins veröffentlicht werden. Außerdem soll eine neue Tafel auf dem Areal über das Kloster Wolfgang informieren. Für das nächste Frühjahr ist dort zudem ein Freiluftgottesdienst mit Mitgliedern des Servitenordens geplant.

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