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Hanauer Kunstpreis : Karikaturisten Greser und Lenz geehrt

Ausgezeichnet: Heribert Lenz (links) und Achim Gräser freuen sich über eine Ausstellung und auf einen Preis. Bild: Rainer Wohlfahrt

Fast wäre die Ausstellung aus Sicherheitsgründen abgesagt worden. Aber sie wird doch gezeigt, die Schau namens „Das ist ja wohl ein Witz!“ Und einen Kunstpreis bekam das Karikaturisten-Duo auch.

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          Die Karikaturisten Achim Greser und Heribert Lenz werden mit dem Ludwig-Emil-Grimm-Kunstpreis der Stadt Hanau ausgezeichnet. Die Preissumme von 2500 Euro stiftet der Lions Club Hanau Brüder-Grimm. Wie Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) bei der Präsentation der weitgehend fertigen Ausstellung „Das ist ja wohl ein Witz!“ mit mehr als 200 Werken der beiden Aschaffenburger Wort- und Zeichenkünstler im Schloss Philippsruhe bekanntgab, findet die Preisvergabe am 14.März bei der Ausstellungseröffnung statt. An diesem Tag wäre Ludwig Emil Grimm, Bruder der Märchensammler Jacob und Wilhelm, 225 Jahre alt geworden.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Greser und Lenz werden die zweiten Träger des Hanauer Kunstpreises sein, der vergeben wird für besondere Leistungen in den Gattungen Zeichnung, Karikatur, Illustration und Comic. Der Ludwig-Emil-Grimm- Preis ersetzte im Jahr 2012 den Clare-Roeder-Münch-Preis, benannt nach einer Hanauer Künstlerin. Erster Träger des Grimm-Preises war der Karikaturist und Zeichner Hans Traxler. Wegen der Einsparbemühungen der Stadt wurde das ursprüngliche Preisgeld von 10000 Euro für einen Haupt- und einen Förderpreis auf 2500 Euro reduziert. Der Preis soll künftig nur noch alle drei Jahre vergeben und von wechselnden Stiftern getragen werden. Laut Kaminsky finden sich im Werk von Ludwig Emil Grimm neben Ölgemälden und Zeichnungen auch viele Bildergeschichten und Karikaturen. Um ihn zu würdigen, gehe die Auszeichnung an Greser und Lenz, die „profiliertesten Karikaturisten unserer Zeit“, die den Humor in Deutschland in herausragender Weise pflegten.

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          Ein Stück Zeitgeschichte

          Die Ausstellung in den Galerieräumen von Schloss Philippsruhe versammelt 220 Arbeiten des Duos aus den vergangenen zwei Jahrzehnten. An sechs Pulten gibt es zudem großformatige „Blätterbücher“, in denen Projektarbeiten der beiden Künstler mit Titeln wie „Genschman“, „RAF“ und „Der Führer“ vorgestellt werden. In Vitrinen werden unter anderem Originale für das Satiremagazin „Titanic“ aus den siebziger bis neunziger Jahren sowie Bücher und Magazine gezeigt, die die Entwicklung der Künstler nachzeichnen. Schwerpunkte der präsentierten Karikaturen sind Politik, Wirtschaft, Zeitgeschichte, Medien, Kultur, Sport, Technik, Privates und Tierwelt. Dem Thema Religion ist ein eigener Raum gewidmet. Dort ist auch die Mohammed-Karikatur ausgestellt, die Greser und Lenz nach der Ermordung der Mitarbeiter der französischen Satirezeitung „Charlie Hebdo“ anfertigten. Weitere Mohammed-Darstellung gibt es nicht zu sehen. Einige weitere Zeichnungen setzen sich mit dem Islam auseinander, doch befasst sich der überwiegende Teil der religiösen Arbeiten mit dem Christentum.

          Er habe lange darüber nachgedacht, ob er die Mohammed-Karikatur zeigen solle, sagte Claudio Hils, Kurator der Ausstellung. Als Abschiedsgruß von Greser und Lenz an die getöteten „Charlie Hebdo“- Kollegen stelle sie ein Stück Zeitgeschichte dar. Deshalb habe er sich für die Präsentation entschieden. Ihm sei es aber wichtig, dass die Werkschau in der öffentlichen Wahrnehmung nicht auf dieses eine Blatt reduziert werde.

          Mehr Sicherheitspersonal

          Kaminsky bezeichnete es als „sympathisch“, dass sich Kurator und Künstler für die Ausstellung des Blattes entschieden hätten. Er hätte aber auch eine andere Entscheidung mitgetragen. Die Stadt und er selbst hätten den Ausstellungsorganisatoren bei der Auswahl der Werke vollkommen freie Hand gelassen. Abermals gestand der Oberbürgermeister ein, dass die später zurückgenommene Absage der Ausstellung wegen der hohen Kosten für die Sicherheitsvorkehrungen ein Fehler gewesen sei. Die Stadt werde alle Vorgaben der Polizei strikt einhalten. Unter anderem seien zwei Aufsichtspersonen während der Öffnungszeiten in der Ausstellung präsent, eine dritte werde sich ständig in dem Raum zu religiösen Themen aufhalten. Die Sicherheitskosten bezifferte Kaminsky auf rund 120.000 Euro.

          Etwa 50.000 Euro – davon 30.000 Euro reine Ausstellungskosten – werde die Stadt tragen müssen. Man rechne aber mit guten Einnahmen durch die Eintrittsgelder. Einen Großteil der Summe übernähmen Sponsoren, darunter der Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main und die Sparkasse Hanau. Achim Greser kritisierte die Medienberichterstattung im Vorfeld der Ausstellung und sprach von einer schwer erträglichen Sensationsgier. Fälschlich geweckte Erwartungen, es gebe in Hanau unflätige Darstellungen von Mohammed zu sehen, würden zwangsläufig nicht erfüllt.

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