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Odenwaldschule : Haftstrafe für früheren Lehrer wegen Kinderpornos

  • Aktualisiert am

„Ich habe eine pädophile Neigung, keinen Trieb. Ich kann mich sehr gut steuern“, sagt der ehemaliger Lehrer zu den Vorwürfen, dass er Kinderpornos besessen habe. (Symbolbild) Bild: dpa

Der Fall schlug an der Odenwaldschule ein wie eine Bombe: Mehrere Jahre, nachdem dort ein Missbrauchsskandal bekanntgeworden war, wurden bei einem Lehrer Kinderpornos entdeckt. Der Mann muss nun in Haft.

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          Wegen des Besitzes von Kinderpornos ist ein Ex-Lehrer der südhessischen Odenwaldschule zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. Der 34 Jahre alte Mann sei „pädophil und latent gefährlich“, erklärte der Vorsitzende Richter des Amtsgerichts Bensheim am Mittwoch. Es seien „weitere Straftaten“ zu befürchten.

          Der geständige Mann, der inzwischen auf Rügen wieder als Lehrer arbeitet, war angeklagt, in seiner Zeit an der Odenwaldschule zwischen 2011 und 2014 Unmengen entsprechender Dateien auf seinem privaten Computer gehabt zu haben - allein 120 000 Bilder und 150 Filme. Der Angeklagte sagte zum Tatvorwurf: „Ich habe eine pädophile Neigung, aber keinen Trieb. Ich kann mich sehr gut steuern.“

          Angeklagte arbeitete weiter als Lehrer

          Der Fall an der Odenwaldschule gehört nicht zu dem Missbrauchsskandal mit mindestens 132 Opfern, der 2010 an die Öffentlichkeit kam und das Privatinternat erschütterte. Der Fall ereignete sich später. Die Aufsichtsbehörden forderten Aufklärung, zumal die Schule zuvor schon mitgeteilt hatte, nach den sexuellen Übergriffen seien Vorkehrungen zum Schutz der Schüler getroffen worden. Die Schule ist inzwischen insolvent.

          Dass der Mann in Mecklenburg-Vorpommern wieder eine Stelle als Lehrer bekam, wurde am Mittwoch im Laufe des Verfahrens durch eine Aussage der Mutter bekannt, die als Zeugin auftrat. Der Angeklagte räumte diesen Umstand dann erst auf Nachfrage des Gerichts ein: Auf Rügen sei er als Lehrer angestellt und Beamter auf Probe. Er hatte zuvor geschildert, er sei derzeit freiberuflicher Versicherungsmakler.

          Früherer Arbeitsplatz des Lehrers: die Odenwaldschule in Hessen

          Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) kündigte eine rasche Reaktion seines Hauses an. „Sollten sich die Vorwürfe als wahr herausstellen, dann werden wir alles dafür tun, dass der Mann unverzüglich aus dem Beamtenverhältnis ausscheidet und den Schuldienst verlässt“, sagte der Minister.

          Der Lehrer war seit August 2011 an der Odenwaldschule beschäftigt gewesen. Im Zusammenhang mit den Kinderpornos war gegen ihn auch ein Ermittlungsverfahren wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern geführt worden. Es wurde eingestellt, da sich laut Staatsanwaltschaft die Vorwürfe nicht bewahrheiteten.

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