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Abgeschoben aus der Türkei : Haftbefehl gegen deutsche Terrorverdächtige erlassen

Zwei Polizisten am Frankfurter Flughafen, wo am Freitag Nasim A. direkt nach ihrer Ankunft aus der Türkei in Gewahrsam genommen wurde. Bild: dpa

Der deutschen IS-Anhängerin Nasim A. wird unter anderem vorgeworfen, Mitglied einer Terrorvereinigung zu sein und sich der Kriegsverbrechen schuldig gemacht zu haben.

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          Gegen die deutsche Terrorverdächtige Nasim A., die am Freitag aus der Türkei abgeschoben wurde und wieder nach Deutschland eingereist war, ist Untersuchungshaft verhängt worden. Ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs erließ am Samstag auf Antrag der Bundesanwaltschaft Haftbefehl wegen des dringenden Verdachts der Mitgliedschaft in der ausländischen terroristischen Vereinigung „Islamischer Staat“ (IS). Sie war direkt nach ihrer Ankunft am Frankfurter Flughafen von Beamten des hessischen Landeskriminalamts festgenommen worden. Wie der Generalbundesanwalt in Karlsruhe mitteilte, ist die IS-Anhängerin  dringend verdächtig, gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen zu haben sowie sich in mindestens einem Fall Kriegsverbrechen schuldig gemacht zu haben.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Den Erkenntnissen der Behörden zufolge reiste Nasim A. Ende des Jahres 2014 nach Syrien, um dort im Herrschaftsgebiet des IS zu leben. Spätestens Anfang 2015 habe sie nach islamischem Ritus einen IS-Kämpfer geheiratet, mit dem sie in den Irak gezogen sei, so die Bundesanwaltschaft. Dort hielten sich Nasim A. und ihr Ehemann bis 2016 in der Stadt Tall Afar auf und bewohnten ein ihnen vom IS zur Verfügung gestelltes Haus. Das Wohnhaus hatte der IS unter seine Verwaltung gestellt, nachdem die rechtmäßigen Bewohner entweder vor der Terrororganisation geflohen oder von ihr vertrieben, inhaftiert oder getötet worden waren. „Die Beschuldigte verrichtete den Haushalt, damit ihr Ehemann uneingeschränkt der terroristischen Vereinigung zur Verfügung stehen konnte“, heißt es weiter. Für diese Tätigkeit habe Nasim A. auch Geldzahlungen vom "IS" erhalten, offenbar in Höhe von 100 US-Dollar monatlich. Während ihres dortigen Aufenthaltes war die Beschuldigte zudem im Besitz eines vollautomatischen Gewehrs vom Typ "Kalaschnikow" und führte dieses auch mit sich, wenn sie das Haus verließ.

          Später siedelte Nasim A. den Erkenntnissen zufolge mit ihrem Ehemann nach Syrien um, wo sie sich wiederum „um die Haushaltsführung und die Belange der Familie kümmerte“. Anfang des Jahres 2019 wurde die Beschuldigte von kurdischen Sicherheitskräften in Gewahrsam genommen und in das Camp "Al Hawl" gebracht.

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