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Die Folgen des Wachstums : An den Gymnasien wird es eng

Volle Klassenräume: In Wiesbaden bringt der Kindesegen manche Schulen an die Leistungsgrenze. Bild: dpa

Die gute Nachricht vorweg: In Wiesbaden steigt die Zahl der Schüler. Doch mit dem Kindersegen kommen besonders Gymnasien an ihre Kapazitätsgrenze. So will das Land den Engpass bekämpfen.

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          Es ist eigentlich eine sehr erfreuliche Entwicklung. In Wiesbaden steigen die Schülerzahlen. Die Folgen einer wachsenden Bevölkerung sind allerdings unausweichliche Investitionen in die kommunale Infrastruktur, in neue Kindergärten und Schulen. Knapp 2500 Grundschüler wechseln im August an eine weiterführende Schule der Landeshauptstadt. Die Eltern von knapp 1200 Grundschul-Absolventen entschieden sich für ein Gymnasium. Doch weil exakt 1194 Anmeldungen nur 1110 Plätze gegenüberstanden, saßen 84 Schüler – rein rechnerisch – vor der Tür.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          „Wir haben eine Lösung gefunden“, sagt Kämmerer und Schuldezernent Axel Imholz (SPD). An der Martin-Niemöller-Schule werden zwei zusätzliche Eingangsklassen eingerichtet, an der Theodor-Fliedner-Schule eine weitere. Dieses Angebot ist nicht auf dieses eine Schuljahr begrenzt, sondern wird auch in naher Zukunft so erhalten bleiben. „Wir gehen bis 2022 von stabilen Schülerzahlen aus“, sagt Imholz, und ebenso von keinen großen Schwankungen beim Wahlverhalten der Eltern. Auch danach entspannt sich die Lage für den Schulträger nicht, sie verschärft sich sogar. Das ist keine Mutmaßung, weil die Kinder, die 2023 von der Grundschule in eine weiterführende Schule wechseln wollen, schon heute geboren sind und im nächsten Jahr vor dem Eintritt in die Grundschule stehen. Ihre Zahl ist somit bekannt.

          „Die freie Schulwahl der Eltern ist ein hohes Gut“

          Nach Angaben von Imholz wird die Zahl künftiger Gymnasiasten im Jahr 2023 um weitere 60 Schüler steigen, im Jahr 2024 sogar um knapp 200. Das kann dann durch eine zusätzliche Klasse an einem der zwölf Gymnasien in der Stadt nicht mehr aufgefangen werden. „Wiesbadens Gymnasien sind an der Kapazitätsgrenze angelangt“, sagt Hendrik Schmehl, der schulpolitische Sprecher der SPD-Rathausfraktion. Unter dem Eindruck der Ergebnisse der Verteilkonferenz für das Schuljahr 2018/19 und vor dem Hintergrund der Konsequenzen für die weiterführenden Schulen in den nächsten Jahren sieht die SPD Handlungsbedarf.

          Die zwischenzeitliche Entlastung durch die Einrichtung eines Vollgymnasiums an der Martin-Niemöller-Schule sei durch die flächendeckende Rückkehr zu G9 und wegen steigender Schülerzahlen aufgebraucht worden, meint Schmehl. Für die Wiesbadener SPD gilt für Gymnasien dasselbe wie für integrierte Gesamtschulen: „Die freie Schulwahl der Eltern ist ein hohes Gut, und die gewählte Schulform muss durch ein entsprechendes Platzangebot ermöglicht werden.“ Bei den Gesamtschulen gab es laut Imholz in diesem Jahr eine Punktlandung: 775 Plätzen standen 774 Anmeldungen gegenüber, bei den Realschulen ergab sich sogar ein Überhang von 83 freien Plätzen. Solche Zahlen bedeuten allerdings nicht gleichzeitig zufriedene Eltern. Denn die Werner-von-Siemens-Realschule genießt einen derart guten Ruf, dass sie laut Imholz „hoffnungslos überbelegt“ ist und Schüler abweisen muss, die dann bei einer anderen der insgesamt sieben Realschulen in der Stadt ihr Glück versuchen müssen. Und bei den Gesamtschulen muss damit gerechnet werden, dass Quereinsteiger aus dem Gymnasium hinzukommen und es dann weit enger wird als bislang gedacht.

          Angebot der Gymnasien im Fokus der Politik

          Im politischen Fokus steht vorerst allerdings das Angebot der Gymnasien. Die SPD-Fraktion hat gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern CDU und Grüne einen Antrag beschlossen, der Klarheit bringen soll, wie es in den nächsten Jahren weitergehen soll. „Wir wollen wissen, ob die Stadt ein neues Gymnasium einrichten muss und, falls ja, in welcher Form und an welchem Standort“, sagt Schmehl. Auch die Umwandlung einer bestehenden Schule in ein Gymnasium könne eine Option sein. Ebenso solle geprüft werden, ob die Wiedereinführung der Oberstufe an der Wilhelm-Leuschner-Schule möglich sei, um eine weitere Entlastung bei den Anmeldezahlen für Gymnasien zu erreichen. Vor dem Hintergrund steigender Einwohnerzahlen und neuer Siedlungsgebiete müsse die Stadt handeln, um rechtzeitig ein erweitertes Platzangebot an Gymnasien vorweisem können.

          Das stößt beim Schuldezernenten Imholz auf offene Ohren, denn er geht davon aus, dass vom Beginn einer Planung bis zur Eröffnung eines neuen Gymnasiums vier bis fünf Jahre vergehen können. Angesichts der absehbaren Schülerzahlen hält er deshalb eine Grundsatzentscheidung im Hinblick auf den Standort noch in diesem Jahr für nötig, um die nächsten Schritte einleiten zu können. Denn bei den bisherigen Berechnungen zu den künftigen Schülerströmen seien künftige Neubaugebiete noch nicht einmal berücksichtigt: „Der Druck wird größer.“

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