https://www.faz.net/-gzg-895bn

Gymnasien in Frankfurt : Empörung über Standort

Schulbeginn im Gymnasium Nied. Vorerst werden die Kinder in einer Containeranlage in Höchst unterrichtet. Bild: Wolfgang Eilmes

Während es im Westend wohl bald das vierte öffentliche Gymnasium gibt, findet sich in anderen Stadtteilen kein einziges. Jetzt soll auch das zu diesem Schuljahr in Höchst eröffnete Gymnasium nicht wie geplant in Nied stehen.

          2 Min.

          In den westlichen Stadtteilen herrscht Enttäuschung darüber, dass das zu diesem Schuljahr in Höchst eröffnete Gymnasium seinen endgültigen Standort nicht wie geplant in Nied, sondern am Campus Westend erhalten soll. Mit Sarkasmus kommentiert Birgit Puttendörfer, Vorsitzende der SPD Griesheim, die Entscheidung der schwarz-grünen Stadtregierung. Im Römer verfahre man offenbar nach der Devise „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“. Das Versprechen, die westlichen Stadtteile durch das Gymnasium aufzuwerten und den dort wohnenden Kindern den Weg zum Abitur zu erleichtern, sei gebrochen worden.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Während es vom Gallus über das Gutleutviertel, Griesheim und Sossenheim bis nach Nied nun weiterhin kein einziges Gymnasium gibt, soll – wie berichtet – im Westend das mittlerweile vierte öffentliche Gymnasium eröffnet werden. „Wo ist die Alternative für den Westen?“, fragt Puttendörfer. „Oder müssen wir uns damit zufriedengeben, dass im Namen des Stadtteils Westend Westen enthalten ist?“

          Ein Wahlgeschenk für die grüne Klientel?

          Als Grund für die neue Standortwahl hatte Bildungsdezernentin Sarah Sorge (DieGrünen) die Nähe des Areals in Nied zu einem Chemiebetrieb im Industriepark Griesheim genannt. Es sei unklar, ob das Baugrundstück nicht innerhalb des Mindestabstands der Seveso-Richtlinie liege. Diese Problematik sei aber lange bekannt gewesen, sagt die Griesheimer SPD-Vorsitzende Puttendörfer. Die Schuldezernentin sei oft genug darauf aufmerksam gemacht worden.

          Der Standort Nied stand von Beginn an in der Kritik, weil viele Kinder aus innenstadtnahen und nördlichen Stadtteilen dorthin gehen sollten, nachdem sie in den für sie wohnortnahen Gymnasien keinen Platz mehr bekommen hatten. „Die ganze Aufregung der Eltern über den ach so weiten Schulweg für ihre Kinder und alle Diskussionen hätte man sich sparen können“, meint Puttendörfer. Hinter der Entscheidung, das Gymnasium in einem Neubau am Uni-Campus unterzubringen, vermutet sie ein Wahlgeschenk der Grünen an ihre Klientel auf Kosten der benachteiligten Kinder aus dem Frankfurter Westen, die nun ihrerseits einen sehr langen Weg zur Schule zurücklegen müssten.

          „Die Spaltung der Stadt wird weiter zementiert“

          Empört zeigt sich Puttendörfer auch über die Äußerung Sorges, die Nähe zur Universität passe zu einem Gymnasium mit geistes- und gesellschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt, das in der Tradition der Frankfurter Schule stehe. „Das ist eine nicht zu übertreffende Arroganz und ein Schlag ins Gesicht all derjenigen Lehrer an den weiterführenden Schulen und Gymnasien im restlichen Frankfurt, die ihre Schüler zu einem guten Schulabschluss führen“, findet die SPD-Politikerin.

          Auf die Seite der westlichen Stadtteile stellt sich die Linken-Fraktion im Römer. Die Vorsitzende Dominike Pauli erinnert daran, dass Bildungsdezernentin Sorge den Standort in Nied selbst damit begründet hatte, dass mit der Ansiedelung auch die im Westen Frankfurts bisher relativ niedrige Übergangsquote auf Gymnasien erhöht werden sollte. Dass die Schule nun in einem bevorzugten und wohlhabenden Stadtteil entstehe, sei symptomatisch. „Die Spaltung der Stadt in privilegierte und unterprivilegierte Stadtteile wird mit dieser Entscheidung weiter zementiert.“

          Außerdem wirft Pauli dem Bildungsdezernat mangelhafte Planung vor. Früh geäußerte Bedenken wegen der Seveso-Richtlinie habe die Dezernentin mit dem Hinweis auf die Feuerwache in der Nähe des Baugrundstücks abgetan. „Da hat Frau Sorge wieder einmal schlampig gearbeitet“, so Pauli.

          Weitere Themen

          Ein Christbaum namens Peter

          Weihnachtsbaum für Frankfurt : Ein Christbaum namens Peter

          Frankfurt steckt in den Weihnachtsvorbereitungen: Die Fichte, die in diesem Jahr den Römer schmückt, ist ein Prachtstück. 800 Schleifen und 4,4 Kilometer Lichterkette sollen den Baum noch festlicher machen.

          Topmeldungen

          Donald Trump und Liu He, Vizepremier von China, gemeinsam in Washington. Infolge des Handelskriegs mit Amerika habe die Korruption in Chinas Privatwirtschaft wieder zugenommen, berichtet Philipp Senff von der Wirtschaftsanwaltskanzlei CMS in Schanghai.

          Vorfälle der Deutschen Bank : In China lauert die Korruption bis heute

          Mit teuren Geschenken an chinesische Politiker wollte sich die Deutsche Bank Vorteile verschaffen. Der Fall lenkt den Blick auf ein Land, das trotz Mühen immer noch unter Bestechung leidet – auch wegen des Handelskriegs mit Amerika.
          Andreas Scheuer am Mittwoch in Berlin

          Verkehrsminister Scheuer : Im Porsche durch die Politik

          Verkehrsminister Andreas Scheuer hat einen Vorteil, der ihm beim Streit über die Pkw-Maut zum Nachteil gereichen könnte: eine gewisse Lockerheit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.