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„Gute-Kita-Gesetz“ und Hessen : Kitas ohne Kräfte

Der Bund will mit dem „Gute-Kita-Gesetz“ die Kinderbetreuung verbessern (Symbolbild). Bild: dpa

Das „Gute-Kita-Gesetz“ eröffnet Hessen neue Chancen. Es ist höchste Zeit, dass auf Jahre des quantitativen Ausbaus jetzt eine Qualitätsoffensive folgt. So bedarf es dringend neuer Ausbildungswege.

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          Die Bedeutung des Kita-Ausbaus ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Binnen weniger Jahrzehnte hat die gesellschaftliche Entwicklung zu einer enormen Zunahme der institutionellen Betreuung geführt und diese ihrerseits zur weiteren Veränderung der Gesellschaft. Zumindest in den Metropolregionen, in denen die meisten Eltern Doppelverdiener sind, ist der Kita-Besuch heute Standard.

          Und anders als früher gehen die Kinder nicht nur zwei, drei Jahre vor der Einschulung vormittags in den Kindergarten. Viele Eltern lassen ihre Kinder schon im Krabbelalter betreuen, und die allermeisten Einrichtungen haben ganztags geöffnet. Umso wichtiger ist das, was dort an Beziehungs- und Bildungsarbeit geleistet wird. Es ist höchste Zeit, dass auf Jahre des quantitativen Ausbaus endlich eine Qualitätsoffensive folgt.

          Es besteht Anlass zur Sorge

          Eine Gelegenheit dazu hat die Landesregierung vor gut einem Jahr verpasst. Statt schon damals die personelle Ausstattung zu verbessern, erließ die Koalition aus CDU und Grünen den Eltern kurz vor der Landtagswahl die Betreuungsentgelte. Vielleicht sogar aus dem Kalkül, das „Gute-Kita-Gesetz“ werde eine zweite Chance eröffnen, ohne dass das Land selbst zusätzliche Mittel aufwenden muss.

          Qualität ist in der Kinderbetreuung mehr oder minder mit Personal gleichzusetzen. Erstens muss es genügend Kräfte geben, und zweitens müssen sie für die Arbeit mit Kindern geeignet sein. In beiderlei Hinsicht besteht Anlass zur Sorge. Der Arbeitsmarkt für Erzieherinnen ist leergefegt, und die Nachfrage steigt weiter. Das hat – ähnlich wie in der Altenpflege – zur Folge, dass die Ansprüche sinken. Die Fachschulen können es sich kaum leisten, einem ungeeigneten Interessenten von dem Beruf abzuraten oder einen Schüler durch die Prüfung fallen zu lassen.

          Es müssen dringend neue Ausbildungswege etabliert werden. Es muss möglich sein, während der ganzen Fachschulzeit tageweise in einer Kita zu arbeiten und dabei Geld zu verdienen. Den Schülern müssen in der Einrichtung Mentoren zur Seite stehen, die dafür ihrerseits von der Kinderbetreuung entlastet werden. Und im späteren Beruf muss es Weiterbildungen, Um- und Aufstiegsoptionen geben. Denn gerade die guten und motivierten Kräfte wollen nicht ihr ganzes Berufsleben lang dasselbe machen.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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