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Das Verbraucherthema : Günstiger telefonieren und surfen

Genau hinschauen: Ein Tarifwechsel ist nicht immer nötig. Es hilft schon, Rechnungs-Posten wie das Sicherheitspaket zu streichen. Bild: AP

Viele Verbraucher zahlen zu viel fürs Telefonieren. Wer den Anbieter wechselt, profitiert von Boni. Wo man aufpassen muss und wie Kommunizieren noch günstiger wird. Das Verbraucherthema.

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          Sabine M. aus Frankfurt ist seit Jahren der Deutschen Telekom treu. Für Festnetz-Flat und Internet im Tarif Call & Surf Comfort zahlt sie monatlich rund 40 Euro. Sabine M. möchte wissen, ob das nicht günstiger geht. Sie meldet sich bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz an, die neuerdings zu Telefon- und Internetverträgen berät.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Termin in Mainz hat schon deshalb sein Gutes, weil die Verbraucherin seit langem einmal wieder einen Blick auf ihre Telefonrechnung wirft. Die erhält sie nur noch online, denn für die Zusendung mit der Post verlangt das Unternehmen 2,35 Euro im Monat. Die Kundin registriert nun, dass sie auch ein Sicherheitspaket für monatlich knapp 5 Euro mit gebucht hat. Auf Nachfrage heißt es, dass sei für „Virenschutz bei E-Mails und so“.

          Analog heißt viel Wartung

          Verbraucherschützer Michael Gundall klärt auf: Das Sicherheitspaket hat nur dann einen Nutzen, wenn es von der Internetseite der Telekom heruntergeladen wird. Das hat die Kundin nie gemacht und somit seit Beginn des jüngsten Vertrags vor 46 Monaten 230 Euro ohne Gegenleistung gezahlt. Passiert ist nie etwas, deshalb kündigt Sabine M. diesen Posten.

          Was die Rechnung auch zeigt: Sabine M. hat noch einen analogen Standard-Anschluss. Bei Neuverträgen setzt die Telekom auf Internet-Telefonie (Voice over IP). Damit spare das Unternehmen Kosten zur Erhaltung von Leitungen und Schaltkästen, die inzwischen veraltet sind, erläutert Gundall. Grundsätzlich spricht aus seiner Sicht nichts dagegen: „Die Sprachqualität ist heute streckenweise sogar besser als bei einem analogen Anschluss.“

          Anbieterwechsel spart viel Geld

          Älteren Nutzern gibt er jedoch zu bedenken, dass viele Hausnotrufdienste bisher am besten über einen anlogen Anschluss funktionieren. Anders als bei der Internet-Telefonie über den Router ist die Leitung auch dann nicht tot, wenn der Strom ausfällt. Sabine M. ist noch nicht in dem Alter, in dem sie so etwas einkalkulieren muss. Außerdem lockt sie die Aussicht, in Zukunft keinen Splitter mehr für die Trennung von Internet- und Telefonleitung zu benötigen und mit weniger Kabeln auszukommen. Die Voraussetzung - ein Router, der den IP-Standard Annex J kann - ist bei ihr gegeben.

          Richtig viel Geld sparen könnte Sabine M. mit einem Wechsel zu einem anderen Anbieter. Dabei helfen Vergleichsportale wie Teltarif, Verivox oder Check24. Ähnlich wie beim Wechsel des Stromanbieters werden auch Telefonkunden bei einem Festnetz-Wechsel mit Boni belohnt. 150 Euro etwa gibt es bei Check24 für den Wechsel zu Unity Media, das macht bei 24 Monaten Laufzeit eine monatliche Gebühr von 17,50 Euro mit DSL-Geschwindigkeit 16 000. Bei Verivox ist Unity Media mit 19,79 Euro das günstigste Angebot bei einem Bonus von 95 Euro. Check24 bieten denselben Tarif mit demselben Bonus zum selben Preis. Nach zwei Jahren steigt der Tarif jedoch wieder auf regulär 35 Euro. Wer das nicht zahlen will, müsse rechtzeitig, am besten sofort nach Abschluss des Vertrages, kündigen, empfiehlt Verbraucherschützer Gundall. Das gilt in diesem Fall im Übrigen auch für das Sicherheitspaket, das nach drei Monaten automatisch kostenpflichtig wird.

          Wechselboni für Neukunden

          Auch Wechsler zur Telekom profitieren. Verivox etwa zahlt einen Bonus von 60 Euro, das Unternehmen selbst packt noch einmal ein Startguthaben von 120 Euro drauf, so dass der Tarif Call & Surf Comfort zwei Jahre lang nur 25,58 Euro statt 35 Euro kostet. Als Bestandskundin der Telekom profitierte Sabine M. nur dann von Boni und Startguthaben, wenn sie sich für einen besseren Tarif entscheiden würde, etwa Entertain Comfort mit Fernsehen, Festnetz und Internet. Dieser Tarif kostet regulär 50 Euro im Monat. Dank Startguthaben und Wechselbonus bei Verivox in Höhe von knapp 300 Euro reduziert sich der Monatsbeitrag bei zwei Jahren Laufzeit auf 31,41 Euro. Das ist günstiger als ihr bisheriger Tarif ohne Fernsehen (siehe auch Info-Kasten).

          Ginge es auch ganz ohne Festnetz? Das geht mit entsprechenden Handy-Tarifen und Flatrates in mobile Netze und Festnetze. Solche Tarife gibt es schon ab 20 Euro. Sabine M. könnte bei der Telekom für 9,99 Euro im Monat einen separaten Internetanschluss ohne Zeit- und Volumenbeschränkung buchen - oder zu einem anderen Internetanbieter wechseln. Die Sorge, damit Ihre langjährige E-Mail-Adresse @t-online zu verlieren, muss sie nicht haben. Denn inzwischen hat auch die Telekom ein Freemail-Angebot für Surfer ohne Tarif.

          Viele Handy-Verträge zu teuer

          Verbraucherschützer Gundall kennt den Trick für Wechsler: Zunächst sollte sich der Kunde bei der Telekom eine zweite E-Mail-Adresse besorgen und über diese die bisherige bekannte E-Mail-Adresse im alten Vertrag kündigen, dies mit dem Verzicht auf die Option, dass die alte Adresse eine Zeitlang gesperrt bleibt. Unmittelbar darauf sichert sich der Kunde seine alte Adresse im Frei-Angebot, vorausgesetzt, in der Zwischenzeit hat sich niemand die Adresse geschnappt. Doch diese Gefahr hält Gundall für gering.

          Nach den ersten Erfahrungen des neuen Angebots sind laut dem Berater vor allem viele Handy-Verträge überdimensioniert, das heißt, der Kunde zahlt für ein Datenvolumen, das er gar nicht ausschöpft. Für „Normaltelefonierer“ reichen laut Gundall Flat-Tarife für 50 Minuten telefonieren, 50 SMS und 100 MB Surfvolumen. So etwas bekommten Kunden schon für unter 10 Euro im Monat. Und für 5 Euro mehr gibt es jeweils das doppelte Volumen an Zeit und Daten. Wer noch weniger telefoniert, kommt mit einer Prepaid-Lösung ohne Grundgebühr vermutlich günstiger davon. In diesem Fall werden Minuten, SMS und Datenvolumen über ein Guthaben, das regelmäßig aufgeladen wird, abgerechnet.

          Verbraucherzentralen beraten

          Preise für Mobilfunktarife im Internet zu recherchieren ist komplizierter als beim Festnetz. Außerdem sind Tarife aufgrund der jeweils vordefinierten Profile kaum vergleichbar. Verbraucherschützer Gundall empfiehlt, die Ergebnisse der Tarifrechner zusätzlich mit den Tarifen auf den Internetseiten des Anbieters abzugleichen. Bei Stichproben hat die Verbraucherzentrale herausgefunden, dass die Anbieter selbst zum Teil erheblich günstigere Angebote hatten. Der Grund: Provisionen für die Betreiber der Portale können die Verträge verteuern. Sabine M. muss sich in diesem Fall keine Gedanken machen, weil sie ein Diensthandy hat, dass sie gegen ein kleines Entgelt auch privat nutzen darf.

          Beratung: Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz bietet seit diesem Jahr eine Beratung zu Festnetz, Mobilfunk und Internet an mit dem Ziel, den Vertrag zu finden, der zum Anschluss, zum Medienverhalten und zur Haushaltssituation passt. Die Beratung kostet 10 Euro. Termine können unter der Nummer 0 61 31-2 84 80 vereinbart werden.

          Tipps für Telefonkunden

          Nicht immer muss ein Kunde seinen Tarif wechseln. Mitunter gibt es zum selben Preis einen schnelleren Anschluss mit besseren Download-Geschwindigkeiten. Einfach fragen. -Wer sich nicht sicher ist, wie viel er telefoniert und surft, sollte mit einem Tarif auf niedrigem Niveau einsteigen. Hochstufen kann er nachträglich immer noch. Herunterstufen ist dagegen komplizierter. -Der billigste Tarif ist nicht immer der beste. Wer Wert auf eine direkte Ansprache in einem Kundencenter legt, muss sich einen Anbieter danach aussuchen.

          Das Unternehmen 1&1 etwa hat keine Geschäftsstellen, sondern ist nur über Telefon und Internet zu erreichen. -Wer clever ist, kündigt seinen Tarif grundsätzlich vor Ablauf, auch wenn er vorhat zu bleiben. Ein Unternehmen kümmert sich eher um einen Kunden, den es halten will, als um einen, den es sicher hat. -Kundencenter statt Kundenhotline.

          Im einem Kundencenter etwa der Deutschen Telekom kommen Kunden schneller ans Ziel als am Telefon. Die Mitarbeiter wissen Bescheid, haben die Hardware im Laden und im Zweifel einen kurzen Draht zu den entscheidenden Stellen. Gegen Gebühr kann der Kunde etwa im Telekom-Shop im Frankfurter Einkaufszentrum My Zeil auch einen Installations- und Reparaturservice buchen.

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