https://www.faz.net/-gzg-91fpp

Frankfurter Grüngürtel : Ideengeber für einen Radrundweg

Belebter Radweg: Der Grüngürtel am Niddaufer in der Nähe des Niedwaldes in Frankfurt. Bild: Maria Klenner

Vor 25 Jahren ist der Grüngürtel-Rundweg eröffnet worden. „Vater“ des Projekts war Harald Braunewell. Jetzt erinnert eine Stele an ihn.

          Die Idee, einen Radweg anzulegen, damit die Frankfurter den Erholungsraum in ihrer Stadt autofrei genießen und rund um die Kernstadt radeln können, hat Harald Braunewell schon zu einem Zeitpunkt gehabt, da war von einem als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesenen Grüngürtel noch gar keine Rede. Vor 35 Jahren präsentierte der Gründer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Frankfurt bereits die erste Karte für einen damals 75 Kilometer langen „Rundkurs um Frankfurt“.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zehn Jahre später legte das damals neugegründete Umweltamt dann die erste Grüngürtel-Freizeitkarte auf. Sie enthielt einen 64 Kilometer langen, gut ausgeschilderten Rundweg durch den Grüngürtel, den es mit nur geringen Veränderungen bis heute gibt. An der Entstehung des Wegs hat der radfahrbegeisterte Braunewell stark mitgewirkt. Zur Erinnerung an ihn und „zur Ehrung eines Fahrrad-Pioniers“ hat Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) gestern, 25Jahre nach der Präsentation der Karte, eine Stele enthüllt – natürlich am Grüngürtel-Radrundweg, an der Nidda, einige hundert Meter westlich vom Sossenheimer Wehr am Niedwald.

          Bis heute auf Mithilfe angewiesen

          „Dem Wegbereiter des Frankfurter Grüngürtel-Radrundwegs: Dr. Harald Braunewell, ADFC“ lautet die Aufschrift auf der Stele. Heilig verwies darauf, dass die Stadt bis heute auf die Mithilfe des ADFC angewiesen sei, um von den Radlern zu erfahren, wo es Stolpersteine gebe, wo die Beschilderung unzureichend sei. Braunewell hat seinerzeit allerdings mehr geleistet, als nur auf einzelne Stolpersteine hinzuweisen. Er hat, so heißt es, sein ganzes Wissen als ortskundiger Frankfurter Radler eingebracht und maßgeblich mitgewirkt, um die am besten geeignete Route zu finden.

          Auch an der Auswahl der Standorte für die Erstbeschilderung war der damals schon pensionierte Mathematik- und Religionslehrer Braunewell beteiligt. Vor allem hat er zwischen den Ansprüchen der Radler, die sich viele und große Hinweisschilder wünschten und denen der Förster und Naturschützer vermittelt, die am liebsten jede Form der Beschilderung verhindert hätten. Am Ende wurden immerhin 550Schilder installiert, allerdings sind sie nur etwas größer als eine Hand, sonst hätte die Stadt dafür nicht die naturschutzrechtliche Genehmigung erhalten.

          Eröffnung im Sommer 1992

          Braunewells Anteil am Rundweg war jedenfalls so groß, dass es niemanden überraschte, als bei der offiziellen Eröffnung des Wegs im Sommer 1992 neben dem damaligen Umweltdezernenten Thomas Koenigs (Die Grünen) auch Braunewell stand. Die beiden hatten schon im März 1991 öffentlichkeitswirksam ein erstes Hinweisschild für den damals erst geplanten Radrundweg montiert. Das war Monate bevor die Stadtverordneten Ende 1991 die sogenannte Grüngürtel-Charta beschlossen, die bis heute dafür sorgt, dass ein Drittel der Frankfurter Gemarkung nicht bebaut werden darf.

          Zu Eröffnung sagte Koenigs seinerzeit, die Stadt habe „ein Interesse daran, dass die Bürger das Fahrrad besteigen und ins Grüne fahren“. Schließlich sei das Rad das umweltfreundlichste Verkehrsmittel. Gab es anfangs nur einen Rundweg durch den Grüngürtel, so gibt es mittlerweile neben dem Radrundweg auch den etwas längeren, 68 Kilometer langen Rundwanderweg. Denn die Frankfurter haben den Radweg von Anfang an sehr gut angenommen. Nicht überall war es möglich, parallele Routen anzulegen, so dass es bis heute insbesondere an der Nidda zu Engpässen kommt, wenn die einen zügig radeln wollen, während andere eher bummelnd unterwegs sind.

          Wer weiß, welche Ideen Braunewell für die besonders stark befahrenen Abschnitte auf dem Radweg gehabt hätte. Der passionierte Radfahrer starb 2001, damals war er 78 Jahre alt. Doch die Zusammenarbeit zwischen dem ADFC und dem Umweltamt, das den Grüngürtel maßgeblich betreut, ist geblieben.

          Weitere Themen

          Intrigen im Spitzenkragen

          Burgfestspiele in Bad Vilbel : Intrigen im Spitzenkragen

          Der Kinoblockbuster „Shakespeare in Love“ hat die Bühne der Burgfestspiele in Bad Vilbel erobert. Ironisch-eindringliche Pointen lassen das Publikum am Premierenabend lange jubeln.

          Topmeldungen

          Aktuell gibt es in Deutschland nur einen Bruchteil der bis 2020 anvisierten 100.000 Ladestellen.

          Elektromobilität : Strom-Tankstellen auf Staatskosten

          Im Kanzleramt findet gerade ein Autogipfel statt. Ein Thema: Elektro-Autos. Sie sind für die Industrie das nächste Milliardengeschäft. Doch die Ladesäulen soll der Staat bezahlen – mit bis zu einer Milliarde Euro. Aber muss das sein?
          Demonstranten in Cottbus im Mai 2018

          Sicherheitsbehörden und AfD : Ist Frust die Ursache?

          Es gilt, alle rechtsstaatlichen Mittel anzuwenden, um Reichsbürger aus dem Sicherheitsapparat auszuschließen. Es hilft aber nicht, allen Mitgliedern der Sicherheitsbehörden pauschal ein blindes rechtes Auge zu unterstellen. Eine Analyse.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.