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Grünen-Politikerin Priska Hinz : Geachtet, aber nicht geliebt

Pflichtübung: Als Ministerin übte sich Hinz gleich 2014 im Spargelstechen. Bild: Rainer Wohlfahrt

Viele Bauern mögen die Grünen nicht. Priska Hinz hat sich als Agrarministerin aber Respekt erworben. Sie kann Erfolge vorweisen. Nur: In jüngster Zeit mehrt sich Kritik.

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          Von Bauern neugierig beäugt, hockt die Frau im Ledermantel vor einem knapp kniehohen Wall. Mit einem langen Eisen sticht sie mit der rechten Hand in den Boden. Kurz darauf zieht sie mit der linken Hand, die in einem Gummihandschuh steckt, eine unversehrte Spargelstange heraus. Sie lacht spontan. Hat sie doch etwas geschafft, das einer Person in ihrem Amt gut ansteht. So war es im März 2014, als Priska Hinz, noch frisch an der Spitze des Landwirtschaftsministeriums, die Spargelsaison eröffnete.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dieser jährlich wiederkehrende Termin hat Symbolkraft: Politiker knien sich im Wortsinne in eine Aufgabe, zeigen sich bodenständig und zeigen am Ende ein Ergebnis vor, das sich sogar genießen lässt. Wenn eine Grünen-Politikerin wie Hinz sich beim Spargelstechen gut macht, erhöht das die Symbolkraft. Denn Vertreter ihrer Partei sind in der Bauernschaft gemeinhin weit weniger beliebt als christliche Demokraten und Liberale.

          Zurückhaltung in der Bauernschaft

          So verhehlt Peter Voss-Fels, der Generalsekretär des hessischen Bauernverbands, auch nicht: „Es gab sehr große Zurückhaltung in der Bauernschaft.“ Doch habe sich Hinz bald den Respekt vieler Landwirte erworben. In jüngerer Zeit beäugen konventionell wirtschaftende Landwirte und der Verband die Ministerin aber wieder argwöhnischer. Das liegt nicht am Ausbau des Bio-Landbaus in Hessen. Auf diesem Feld hat Hinz einen beachtlichen Erfolg erreicht. Indem das Land sogenannte Umsteller gezielter fördert als zuvor, ist der Anteil des Öko-Landbaus in Hessen von 9,9 Prozent der Fläche bis Ende 2017 auf 13,5 Prozent gestiegen. Dieses Jahr ist die Quote weiter gestiegen. Mehr als 110.000 der insgesamt gut 770.000 Hektar Äcker werden ökologisch bewirtschaftet.

          Seit 2014 ist der Bio-Anteil um 47 Prozent geklettert und damit stärker als im Durchschnitt im Bund. Nur im Saarland gab es zuletzt anteilig mehr Bio-Landbau als in Hessen. Das erkennt der Bauernverband an. Der Öko-Aktionsplan von Hinz sei „gut gelaufen“, meint Voss-Fels. Er lobt auch den vom Ministerium gemeinsam mit 27 Verbänden gefassten „Zukunftspakt hessische Landwirtschaft“ zum schonenden Umgang mit der Natur und die mit Imkern verwirklichte Aktion „bienenfreundliches Hessen“, die sich in Blühstreifen im Land gezeigt hat. Dass Hinz 2016 für Nothilfen für wirtschaftlich leidende Milchbauern votierte, kam naturgemäß beim Verband auch gut an.

          Doch je näher die Landtagswahl rückt, desto mehr sieht die Bauernlobby Hinz in Klientelpolitik abdriften. So stieg sie aus der Förderung von Schulmilch mit Kakao aus, weil die angeblich zu viel Zucker enthält, wie die Organisation Foodwatch meinte. Dass für Staatsdomänen-Pächter den Unkrautvernichter Glyphosat tabu ist, findet der Verband hinnehmbar – nicht aber, dass Hinz trotz des dadurch erhöhten Aufwands die Pacht nicht senke. Zu weit weg von den Erzeugern wähnt er sie auch in der Debatte um die Ferkelkastration. Hinz hat es vermieden, sich für eine örtliche Betäubung anstelle einer Vollnarkose einzusetzen. Es drohten Wettbewerbsnachteile. Bei Mästern, die unter niedrigen Ferkelpreisen leiden, kommt das so an, als wolle Hinz die Nutztierhaltung an sich erschweren.

          Derweil bringt sich die CDU verstärkt bei Bauern in Erinnerung. So verkündete ihr Chef Volker Bouffier im August, das Land sei für Dürre-Nothilfen. Zuvor hatte er schon die Spargelsaison 2018 eröffnet.

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