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Landtagswahlen in Hessen : Regenerieren in der Regierung

Wählergunst: Hessens Grüne legen in den Umfragewerten zu. Bild: dpa

Der Wahltag in Hessen rückt näher. CDU und SPD fallen ungehindert weiter in den Umfragewerten. Die Zahlen bringen vor allem ein Bündnis wieder ins Augenmerk. Ein Kommentar

          Was haben die Grünen, was die SPD nicht hat? Während die Sozialdemokraten aus Regierungen mit der CDU fast immer und überall herauskommen wie ein Angorapullover aus dem Kochwaschgang, also ziemlich eingelaufen, scheint das schwarz-grüne Bündnis in Hessen den Grünen gutzutun. Nach Jahrzehnten der Opposition regenerieren sie sich in der Regierung prächtig, sie haben derzeit Wind unter den Flügeln: außer in Hessen auch in Bayern, wo in eineinhalb Wochen gewählt wird, und im Bund, wo sie sich für den Fall der Fälle bereithalten. Allerdings wäre es auch nicht das erste Mal, dass die Grünen in Umfragen Scheinriesen sind und am Wahlabend kleiner dastehen.

          Lange schienen in Hessen die Umfrageergebnisse wie festgemauert in den Werten. Nun, da der Wahltag näherrückt, kommt etwas Bewegung in die Sache. CDU und SPD fallen im Gleichmaß, aber von unterschiedlichen Ausgangspositionen: Die CDU rutscht unter 30 Prozent, während sich die SPD wacker über ihrem Bundestrend hält. Die AfD wird zweistellig auch in den Wiesbadener Landtag einziehen, die Linkspartei ist stabil, während die FDP wieder in die Gefahrenzone abrutscht und zittern muss.

          Die Bürger bleiben ein Rätsel

          Neu ist, dass erstmals auch wieder ein rot-grün-rotes Regierungsbündnis in Wiesbaden möglich scheint, wenn auch denkbar knapp. Unabhängig davon, ob sich SPD und Grüne auf dieses Wagnis einließen – die Bereitschaft dazu ist in der SPD nicht übermäßig groß, die Grünen würde es vermutlich in der Mitte durchreißen –, verschafft es der CDU einen Mobilisierungs-Booster, denn die Erinnerung an das annus horribilis 2008 ist noch wach.

          Alles in allem bleiben die Bürger ein Rätsel. Sie fänden es ganz passabel, wenn Schwarz-Grün weitermachte, geben aber CDU und Grünen keine Mehrheit dafür. Und die Konstellationen, die sie mit Mehrheiten ausstatten, mögen sie nicht. Doch erst einmal müssen aus Umfrageteilnehmern Wähler werden. 85 Prozent sagen, sie gingen „auf jeden Fall“ zur Landtagswahl, weitere zwölf Prozent wollen es „wahrscheinlich“ tun. Na, schaunwermal, eine Wahlbeteiligung von 97 Prozent wäre jedenfalls ganz passabel.

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