https://www.faz.net/-gzg-9ne6x

Stärkste Kraft : Grüne triumphieren auch in Mainz

Jubel bei den Grünen im Mainzer Rathaus. Günter Beck, Tabea Rößner und ihre Grünen-Parteifreunde haben allen Grund zum Feiern. Bild: Marcus Kaufhold

Im Rathaus der Landeshauptstadt läuft es am Wahlabend eigentlich nur für eine Partei so richtig gut – und die lässt es richtig krachen. Die CDU verpasst den Wechsel im Stadtrat.

          So etwas haben selbst Alt-Grüne, wie der Mainzer Bürgermeister Günter Beck, bis gestern noch nicht erlebt: Ein Kommunalwahlergebnis, bei dem seine Partei – von der ersten Prognose um 18 Uhr an bis in den späten Abend hinein – bei knapp 30 Prozent der Stimmen und somit klar und uneinholbar in Führung lag. Schon wenige Minuten nach den ersten vom Südwestrundfunk für die Landeshauptstadt gelieferten Torten- und Säulengrafiken des Umfrageinstituts Infratest Dimap, die für Stadt und Land gleichermaßen siegreiche Grüne prognostizierten, schauten denn auch die ersten Kommunalpolitiker anderer Parteien am Festplatz in der Rathauslobby vorbei, um artig zu gratulieren. Neidlos war es sicher nicht in jedem Fall. Schließlich ließ die Ökopartei als „Abräumer des Abends“ tatsächlich keinen Platz für weitere Gewinner. Auch wenn das vorläufige amtliche Endergebnis erst heute am späten Abend vorliegen dürfte, war schon gestern klar erkennbar, dass der von der CDU gewünschte Wechsel im Stadtrat ausgeblieben ist; und die seit 2009 relativ störungsfrei arbeitende „Ampel“ weitermachen kann – in Zukunft möglicherweise jedoch ohne gelbes Licht.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Schon nach Auszählung jener Stimmzettel, auf denen jeweils nur eine Partei, aber nicht auch noch einzelne Personen angekreuzt worden waren, standen Sieger und Verlierer fest. Denn laut dem spät veröffentlichten Trendergebnis vom Sonntagabend (nach Auszählung von 158 der 220 Stimmbezirke) erreichten SPD und CDU in Mainz diesmal jeweils nur etwa 20 Prozent; während die Grünen sich über fast 30 Prozent der Stimmen freuen durften. Das sei vor allem dem bundesweiten Trend und ganz besonders dem grünen Thema „Klimaschutz“ geschuldet, hieß es dazu bei der Union, die offenbar unverdrossen auf mehr Glück und Zustimmung bei den nächsten Wahlen hofft. Bei der SPD trösteten sich viele damit, dass man als Partei zwar Stimmen verloren habe, die bewährte Koalition – zumindest mit den Grünen – aber doch fortgeführt werden könne.

          Der Wahlkampf selbst wurde zwar, wenn man die massenhaft aufgestellten Plakate am Straßenrand zum Maßstab nimmt, intensiv geführt. Allzu viel Neues – etwa zu den Dauerbrennern wie der Erweiterung des Gutenberg-Museums und der Umgestaltung der Ludwigsstraße – war in den vergangenen Wochen von den Parteien allerdings nicht zu hören. Trotzdem gingen gestern wohl rund 60 Prozent der dazu aufgerufenen etwa 162.000 Männer und Frauen in die Wahllokale. Mehr als ein Viertel von ihnen, nämlich 26,9 Prozent, haben sich, wohl auch in Anbetracht von insgesamt bis zu 75 zu vergebenden Stimmen, diesmal für die Briefwahl entschieden. Bei der parallel zu der Stadtrats-, den Ortsbeirats- und den Ortsvorsteherwahlen ausgerichteten Europa-Abstimmung machten dies sogar fast 30 Prozent der Bürger so.

          Damit ist das Wahljahr in Mainz aber noch nicht zu Ende. Schließlich dürfen die Bewohner am 27. Oktober auch noch darüber befinden, wer in den nächsten acht Jahren ihrer Stadt und der Verwaltung vorstehen soll. Amtsinhaber Michael Ebling (SPD) wird dabei unter anderem von dem parteilosen Nino Haase herausgefordert, den die CDU unterstützt. Die Grünen wollen sich angesichts der aktuell für sie sprechenden hohen Zustimmungswerte ebenfalls am nächsten Wahlkampf beteiligen. Gestern Abend schien es ihnen jedoch noch zu früh, um ihre Personalvorstellung zu verraten. Vieles spricht aber dafür, dass die bisherige Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner die Dritte im Ring sein wird.

          Weitere Themen

          Eine Ursula-Koalition für Italien?

          F.A.Z.-Sprinter : Eine Ursula-Koalition für Italien?

          In Italiens Regierungskrise entscheidet sich, ob es Neuwahlen gibt, „Fridays for Future“ feiert Geburtstag – und in Brandenburg denkt man über eine Kenia-Koalition nach. Was sonst noch wichtig wird, steht im F.A.Z.-Sprinter.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.