https://www.faz.net/-gzg-6yhzq

Grüne für „Geschlechtergerechtigkeit“ : Frauenquote in Ministerien und Ämtern

  • -Aktualisiert am

Die Grünen wollen mehr Frauen in Führungspositionen. Bild: dapd

Mit einer Kombination aus Maßnahmen will die Grünen-Landtagsfraktion den Frauenanteil in den Behörden und Unternehmen des Landes deutlich erhöhen.

          2 Min.

          Mit einer Kombination aus Gesetzen, Vorschriften, freiwilligen Selbstverpflichtungen und Appellen will die Grünen-Landtagsfraktion den Frauenanteil in den Behörden und Unternehmen des Landes deutlich erhöhen. Der öffentliche Dienst müsse zum Vorbild für die freie Wirtschaft werden, sagte die Landtagsabgeordnete und Grünen-Landesvorsitzende Kordula Schulz-Asche am Freitag in Wiesbaden. In Ministerien und Ämtern sollten Führungsposten künftig paritätisch mit Frauen und Männern besetzt werden. Für die Unternehmen des Landes schwebt Schulz-Asche eine verbindliche Quote vor, wie sie derzeit auf Bundesebene für DAX-Konzerne diskutiert wird. Der Anteil an Abteilungsleiterinnen in den obersten Behörden der Landesregierung lag im vergangenen Jahr nach Angaben der Grünen bei lediglich 13,6 Prozent.

          Ralf Euler
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Auch in der Politik gebe es in Sachen Gleichberechtigung erhebliche Defizite, beklagte Schulz-Asche bei der Präsentation eines von ihrer Fraktion erarbeiteten „Landeskonzepts zur Geschlechtergerechtigkeit“. Hessen rangiere mit dem Frauenanteil im Landesparlament (26 Prozent) an vorletzter Stelle unter den Bundesländern. Die positiven Erfahrungen, die die Grünen mit der Frauenquote gemacht hätten, lasse sie zu dem Schluss kommen, dass alle Parteien ihre Wahllisten paritätisch besetzen sollten, sagte Schulz-Asche. Eine Wahlrechtsreform mit der eine solche Vorgabe gemacht werden könne, werfe aber möglicherweise verfassungsrechtliche Fragen auf.

          Situation für Frauen sei noch immer miserabel

          Gesteigert werden muss nach Auffassung der Grünen nicht zuletzt die Zahl der Professorinnen an hessischen Hochschulen. Forschung und Lehre müssten besser in Einklang mit dem Familienleben und der Kinderbetreuung gebracht werden, forderte Schulz-Asche. Zwar habe sich der Frauenanteil auf allen Wissenschaftsebenen in den vergangenen Jahren deutlich erhöht, doch nach wie vor gelte, dass potentielle Wissenschaftlerinnen nach Abschluss des Studiums aus dem Wissenschaftsbetrieb verschwänden. Die Tatsache, dass sich sowohl Akademikerinnen als auch Akademiker spät oder gar nicht für Kinder entschieden, deute darauf hin, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht gewährleistet sei. 36 Prozent der Abiturienten in Hessen und etwa die Hälfte der Studierenden seien Frauen, aber nur 19 Prozent der Professoren.

          Die Schwierigkeit, Karriere und Kinder unter einen Hut zu bringen, sei grundsätzlich ein Hindernis für den beruflichen Aufstieg von Frauen, betonte Schulz-Asche. Unter anderem deshalb setzten sich die Grünen auf Bundesebene für einen Rechtsanspruch auf Betreuung für alle Kinder im Alter bis zu zehn Jahren ein. Das vor 17 Jahren beschlossene hessische Gleichberechtigungsgesetz biete generell eine gute Handhabe, um Frauen zu fördern. Die rechtlichen Möglichkeiten müssten jedoch konsequent und zielgerichteter genutzt werden. Für den Fall einer Regierungsbeteiligung der Grünen in Hessen wünscht sich die Abgeordnete die Zuständigkeit für „Geschlechtergerechtigkeit“ im Titel eines Ministeriums, um schneller Fortschritte erreichen zu können.

          Nach Generationen des Kampfes ist die Situation der Frauen nach Einschätzung von Schulz-Asche nämlich noch immer miserabel. Jede vierte sozialversicherungspflichtig beschäftigte Frau arbeite im Niedriglohnsektor, vier von fünf Teilzeitarbeitsplätzen würden von Frauen besetzt. Als Konsequenz daraus drohe eine enorme weibliche Altersarmut. Um das traditionelle Rollenbild der Frauen zu überwinden und für Mädchen neue Vorbilder zu schaffen, sollten in Kindergärten mehr männliche Betreuer eingesetzt werden. Noch immer entschieden sich fast die Hälfte aller jungen Frauen bei der Frage nach ihren beruflichen Zielen für nur fünf Ausbildungsberufe: Bürokauffrau, Kauffrau im Einzelhandel, Verkäuferin, medizinische Fachangestellte oder Friseurin.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die HMS Defender bei ihrer Ankunft im Hafen von Odessa am 18. Juni

          Vorfall im Schwarzen Meer : Wollte die Royal Navy Russland provozieren?

          In Großbritannien verstärkt sich der Eindruck, dass die Royal Navy im Schwarzen Meer ein Zeichen setzen wollte. Moskau droht für Wiederholungen mit Bombenangriffen „nicht einfach in den Kurs, sondern auf das Ziel“.
          Der neue Bosch-Chef Stefan Hartung

          Generationswechsel : Bosch baut seine Führung komplett um

          Dass Stefan Hartung an die Spitze des Technologiekonzerns aufrückt, war schon länger klar. Doch wie groß der Umbau ausfällt, überrascht. Vor allem die neue Position des bisherigen Chefs erregt Aufmerksamkeit.

          Probleme des DFB-Teams : Höggschde Fahrigkeit

          Der Unterschied zur WM 2018, als Deutschland krachend vom hohen Ross fiel, besteht in erster Linie darin, dass sich „die Mannschaft“ nun wehrte. Das Grundproblem aber hat sich nicht verändert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.