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Projekt Schiersteiner Brücke : Aus eins mach’ zwei

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Großprojekt zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz: Die neue Schiersteiner Brücke Bild: dpa

Für viele ist die Schiersteiner Brücke das Symbol in Rhein-Main schlechthin für marode Infrastruktur, Staus und ewiges Bauen. Auch im kommenden Jahr wird dort eifrig gewerkelt.

          Der Übeltäter ist weg: In den vergangenen Wochen wurde der Teil der mittlerweile überregional bekannten Schiersteiner Brücke abgerissen, der einst die Region in ein Verkehrschaos gestürzt hatte. Auch 2019 nimmt das Mega-Bauprojekt an der bedeutenden Rhein-Querung zwischen Mainz und Wiesbaden wichtige Hürden. Bis zum Ziel, ein ewiges Nadelöhr der Rhein-Main-Region endgültig zu beseitigen, ist es noch ein gutes Stück hin. Ein Blick hinter die Kulissen und auf Besonderheiten lohnt aber schon jetzt.

          In den kommenden Wochen verschwinden auch die allerletzten Reste der alten Brücke auf hessischer Seite. Dann ist das Stahl-Beton-Bauwerk von 1963, das am Ende völlig überlastet war, endgültig Geschichte. Die noch verbliebenen Überbleibsel knacken Hydraulik-Scheren an Baggerarmen auf. „Pulverisierer“, wie sie Jörg Steincke nennt, Projektleiter bei Hessen Mobil. Ein weiterer Bagger holt mit einem großen Magneten Metall aus dem Schutt, damit es recycelt werden kann.

          Verspäteter Bau

          Daneben rollt schon seit längerem der Verkehr auf der vielbefahrenen Autobahn 643 auf der ersten neuen Brücke. Die ist seit Ende 2017 fertig - anderthalb Jahre später als geplant. Bohrungen waren Hessen Mobil zufolge schwieriger als erwartet, kontaminierter Boden musste abtransportiert werden, abwechselnd zögerten Hitze und Regen Teilarbeiten hinaus. Nun bei der zweiten neuen Brücke profitiere man enorm von Erfahrungen mit der ersten, erklärt Steincke. Heutzutage sei es üblich, solch zweigeteilte Brücken zu bauen. Das bringe Flexibilität, wenn es an einem Element mal Probleme gebe.

          Ein paar Meter weiter am Wiesbadener Rheinufer - gleich neben der baustelleneigenen Fähre, die Material über den Rhein transportiert - wird am 120 Meter langen, 2000 Tonnen schweren Mittelteil der zweiten neuen Teilbrücke geschweißt. Der Oberstrombrücke, wie Steincke sagt. Der Brücke, die auf der stromaufwärtsgerichteten Seite verläuft. Voraussichtlich Ende 2019 soll sie mit Schiffen an ihre Position bugsiert werden - einschwimmen heißt das. 2021 wird die nach bisheriger Planung insgesamt 216 Millionen Euro teure Doppelbrücke fix und fertig sein - 18 Jahre nach Beginn der Planungen, als ein Gutachten die Gefahr von Brüchen an der Brücke festgestellt hatte.

          Fertigstellung bis 2020

          Jenseits des Rheins ist Bernhard Knoop, Leiter der Wormser Dienststelle des Landesbetriebs Mobilität (LBM), für den Großteil der Arbeiten zuständig. In seinem Verantwortungsbereich laufen die letzten Abrissarbeiten am Herzstück Ost, jenem Teil, das im Februar 2015 nach einem Bauunfall abgesackt war. Auch hier gehen Bohrungen voran für die bis zu 23 Meter tief in den Boden ragenden Pfähle für das neue Herzstück der zweiten Brücke, das 2020 fertig sein soll. Diese Konstruktion auf Betonpfählen unterscheide sich von der alten sogenannten Flachgründung, sagt Knoop.

          Die neue Doppelbrücke ist auch anders aufgebaut als die alte. Das Konstrukt aus den 1960ern war unten offen, Quer- und Längsstreben aus Stahl waren Wind und Wetter schutzlos ausgesetzt, wie Steincke erklärt. Das neue gleicht einem komplett umschlossenen Kasten. Die Streben sitzen in einem begehbaren, geschützten Hohlraum.

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