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Neue Halle in Frankfurt : Großes Tennis für die Stadt

Nagelneu: Tennishalle in Bergen-Enkheim Bild: Tobias Rösmann

Der Neubau einer Zwei-Millionen-Euro-Halle im Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim steht für das Comeback einer Sportart. In der Mainmetropole soll Tennis wieder wichtig werden.

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          Das neue Schmuckstück riecht nach Holz. Breite Balken tragen das Dach, die Innenwände der Tennishalle sind mit hellen Brettern verkleidet. Auf die drei Plätze des Zwei-Millionen-Euro-Gebäudes hat der TC Bergen-Enkheim nicht Teppich, sondern blauen „Deco Turf“ auftragen lassen. Auf diesem Belag schlagen auch die Profis bei den US Open auf. Kurz hinter dem Netz steht Carsten Hensel. Zu behaupten, der zweite Vorsitzende des Vereins im Frankfurter Nordosten sei stolz, wäre untertrieben. Hensel, dessen wuchtige Gestalt viel Tempo in der Vorhand verspricht, lächelt in die Runde und sagt: „Die Arbeit hat sich gelohnt. Das ist unser Baby.“

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Eine Stunde zuvor ist ein Wolkenbruch über der Tennisanlage niedergegangen, die rund 200 Meter von der Halle entfernt liegt. Zwischen den Sandplätzen fünf und sechs steht eine Riesenpfütze. Der Tennisbezirk, der Frankfurter Dachverband, hat zum Gespräch gebeten. Es geht um eine Zwischenbilanz der „Tennis-Offensive“. Die gibt es seit 2017. Die schwarz-rot-grüne Koalition hat sie damals begonnen, nachdem die Eintracht Frankfurt Fußball AG die Tennisanlage am Waldstadion zum Bau eines Profi-Camps bekommen hatte – eine Entscheidung, die Tennisfreunden missfiel, weil sie viele Plätze in bester Lage kostete. Für die „Tennis-Offensive“ können die gut 40 Vereine rund zehn Millionen Euro Fördergeld abrufen.

          Land unterstützt Neubau

          Der TC Bergen-Enkheim hat rund eine Million Euro bekommen. Der Verein hat das Geld der Stadt in eine neue Tennishalle investiert, die seit September 2019 fertig ist. Auch das Land Hessen hat sich mit 200.000 Euro an den Kosten beteiligt, den Rest hat der Verein, der knapp 600 Mitglieder zählt, selbst finanziert.

          Vorstandsmitglied Hensel beschreibt auf der Klub-Terrasse den Aufwand für die ehrenamtlichen Planer, dann skizziert er die Probleme rund um den Bau. Mitglieder anderer Klubs, die an den Tischen Platz genommen haben, können sich auf vier großen Fotos über das Projekt informieren. Im besten Fall werden sie aus den Erfahrungen anderer Vereine für den Bau und die Sanierung ihrer eigenen Tennisanlagen lernen.

          „Locker KfW-70-Standard“

          Hensel sagt, die Halle spiele „in der ökologischen Champions League“. Auch ohne Passivhausbauweise erreiche sie „locker KfW-70-Standard“. Das heißt, das Gebäude verbraucht 30 Prozent weniger Energie als ein Referenzhaus, das mit KfW 100 definiert wird. Möglich machen das eine Pelletheizung, die im ersten Jahr nur ein Viertel der bestellten sieben Tonnen Pellets verfeuert hat, und ein modernes Lüftungssystem, das einen Betrieb auch im Hochsommer ermöglicht.

          Für die alte Halle dagegen seien jeden Monat Energiekosten von 4000 Euro fällig geworden, sagt Hensel. „Das Projekt hat sich also absolut gelohnt.“ Die Halle werde rege genutzt, auch von Nichtvereinsmitgliedern. Das liege auch daran, dass die Zeiten online buchbar seien. „Für uns war das Projekt der wichtigste Schritt nach unserer Gründung vor 50 Jahren. Die Halle sichert unsere Vereinszukunft in den nächsten Jahrzehnten.“

          „Das gibt es in keiner anderen Stadt in Deutschland“

          Reimund Bucher nennt die „Tennis-Offensive“ eine Erfolgsstory. Der Vorsitzende des Frankfurter Tennisbezirks lobt die Stadt für das Programm, das in den nächsten Jahren weitere Projekte fördern wird. Die Sanierung der Anlagen und der Bau neuer Hallen und Plätze trägt Buchers Ansicht nach erheblich zum Mitgliederwachstum im Tennis bei. Die Zahlen seien allein in diesem Jahr um drei Prozent gestiegen, trotz Corona. Das größte Plus von 91 habe der SC SAFO Frankfurt geschafft. Bucher sieht den Tennissport in Frankfurt insgesamt im Aufwind: Nach dem niedrigsten Stand von knapp 10.600 Mitgliedern im Jahr 2007 gebe es in diesem Jahr knapp 12.600 Mitglieder. „Es gibt in ganz Deutschland keinen Tennisbezirk, der seit 2007 so einen Zuwachs hatte.“

          Wenn es um Superlative geht, darf der Sportdezernent von der CDU nicht fehlen. Und so beschreibt Markus Frank das selbst ersonnene Fördersystem mit den Worten: „Das gibt es in keiner anderen Stadt in Deutschland.“ Tatsächlich ist auf Franks Vorschlag hin das Programm so verändert worden, dass Vereine bis zu 50Prozent Zuschüsse zu Investitionen bekommen können, wenn sie besonders viele Kinder und Jugendliche in den eigenen Reihen haben. Weil außerdem das Land regelmäßig weiteres Geld gebe, „kann es also sein, dass Vereine nur noch 30 Prozent selbst finanzieren müssen“, sagt Frank. Hinzu kämen günstige Zinsen. „Wann, wenn nicht jetzt, soll man investieren?“ Davon, dass die Vereine die Bauprojekte selbst organisierten, profitiere auch die Stadt, denn die könne so eine europaweite Ausschreibung vermeiden. „Es ist gut, wenn Vereine selbst Verantwortung übernehmen.“

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