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Großeinsatz in Frankfurt : So wurde der Bankräuber gefasst

Zugriff: Beamte durchsuchen den Zug der S-Bahn-Linie 6 am Bahnhof Messe. Bild: Lehnen, Etienne

Ein Bankräuber droht eine Bombe zu zünden und flieht in einer S-Bahn. Ahnungslose Passagiere sitzen mit dem bewaffneten Täter in der Bahn, dann müssen alle aussteigen und sich mit erhobenen Händen in einer Reihe aufstellen.

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          Nach einem Banküberfall ist Montagvormittag das Frankfurter Gallusviertel für mehrere Stunden lahmgelegt worden. Wegen einer Bombendrohung des Täters kreiste ein Hubschrauber über dem Messegelände, ein Großaufgebot der Polizei war unterwegs, U- und S-Bahnen fuhren nicht, auch die Eschersheimer Landstraße war großräumig gesperrt.

          Theresa Weiß
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auslöser war der Überfall auf eine Filiale der Nassauischen Sparkasse am Dornbusch. Gegen 9.30 Uhr hatte der Mann laut Polizei eine Angestellte mit einer Schusswaffe und der - wie sich später herausstellte - Attrappe eines Sprengkörpers bedroht und mehrere tausend Euro erbeutet. Der 44 Jahre alte Deutsche stieg nach dem Überfall in eine S-Bahn der Linie 6. Der Zug wurde an der Station Messe angehalten. Alle Passagiere mussten sich mit erhobenen Händen in einer Reihe aufstellen, wurden durchsucht und erlebten schließlich mit, wie der Verdächtige festgenommen wurde.

          Markante Schuhe wurden ihm zum Verhängnis

          „Es ist schon ein schlechtes Gefühl, wenn du nicht rauskommst. Und wir wussten ja auch nicht, ob eine Bombe an Bord war“, sagte ein junger Mann, der dem mutmaßlichen Bankräuber im Zug schräg gegenüber gesessen hatte. Dass der Verdächtige tatsächlich einen Sprengsatz mit sich führte, konnte die Polizei schnell ausschließen, nachdem sie ihn durchsucht hatte. Der Festgenommene trug noch die Schusswaffe bei sich.

          Der S-Bahn-Verkehr zur Messe stand zwei Stunden still, nachdem um 10.30 Uhr der Zug mit dem Täter eingefahren war. Der Bereich um die Station wurde großräumig abgesperrt. Autofahrer mussten ihre Wagen verlassen und warten, bis die Polizei das Gelände nach der Festnahme und der Suche nach Sprengstoff wieder freigab. Bei dem Einsatz sei niemand verletzt worden, hieß es später.

          Da klar war, dass der Täter ein Mann war, hätten alle Frauen den Zug aus Bad Vilbel an der Messe verlassen dürfen, die Männer seien einzeln durchsucht worden, sagte ein Augenzeuge. Obwohl er bewaffnet war, bedrohte der mutmaßliche Täter niemanden, sondern versuchte, unauffällig durch die Kontrolle zu kommen. Die Polizei gab später an, dass der Verdächtige seine Kleidung während der Flucht gewechselt habe und nur aufgrund seiner markanten Schuhe aufgefallen sei. In seinem Rucksack habe man dann Beute und Waffe gefunden. Fahrgäste berichteten hingegen, der Mann habe eine dicke Malerjacke getragen und darunter eine Tasche versteckt. In seinem Rucksack habe die Polizei zuerst nichts Verdächtiges finden können, erst bei einer zweiten Durchsuchung seien sie auf die Tasche gestoßen und hätten den Verdächtigen schließlich festgenommen. Nach Angaben der Polizei ist der Mann bereits wegen anderer Eigentumsdelikte bekannt. Es handele sich aber nicht um den Täter, der im vergangenen Jahr zweimal eine Filiale der Volksbank in Frankfurt-Sachsenhausen überfallen hatte.

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