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Gries Deco Company : Depot spielt immer öfter Tischleindeckdich

Alles nach Plan: Bei Depot feiern Schornsteinfeger und Glücksschweinchen bereits Silvester. Bild: Eilmes, Wolfgang

Bei der Gries Deco Company weiß man schon, welche Kugeln nächstes Jahr am Weihnachtsbaum hängen. Das Unternehmen bleibt mit der Einrichtungskette Depot auf Wachstumskurs.

          Mit Christian Gries einen Termin auszumachen, ist ein schwieriges Unterfangen. Am Ende klappt es dann doch für ein Stündchen am Firmensitz im bayerischen Niedernberg. Dort, im Landkreis Miltenberg, entsteht am Ortseingang das neue Logistikzentrum der Gries Deco Company: ein Trum mit 150000 Quadratmetern Fläche und einem 40 Meter hohen Hochregallager. Darin könnten sich die 5000 Einwohner des Örtchens gut verstecken. Das 110-Millionen-Euro-Projekt war umstritten. Es gab einen Bürgerentscheid und zuletzt viel Überzeugungsarbeit des Bürgermeisters. Für mehr als 200.000 Paletten wird am Ende Platz sein.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Dimension zeigt, wohin die Reise der Gries Deco Company geht. Aus der nach dem Krieg von Gries’ Großeltern gegründeten „Fabrikation von künstlichen Früchten und Christbaumschmuck“, einem klassischen Großhandelsunternehmen, hat der Enkel, der 1995 ins Unternehmen stieß und fünf Jahre später die Gries Deco Company gründete, in kurzer Zeit unter dem Namen Depot eine erfolgreiche Einzelhandelskette aufgebaut.

          Regelmäßig schwirren seine Produktmanager und Ideensammler aus

          Das Unternehmen setzt mit schnell drehenden Sortimenten für Dekorationsartikel und Wohnaccessoires inzwischen in Deutschland, Österreich und der Schweiz 250 Millionen Euro im Jahr um. Flächenbereinigt liegt das Wachstum in diesem Jahr bei fünf Prozent. Allein 218 Mal gibt es Depot in Deutschland, die Gesamtzahl der Flächen, inklusive der bei Partnern, liegt bei 300. Zum Vergleich: Butlers hat 150 Shops. Für nächstes Jahr sind 80 Neueröffnungen geplant. Tendenz steigend. Für rund 600 Depot-Filialen ist laut Gries in Deutschland Platz. Ins nicht-deutschsprechende Ausland hat er sich noch nicht gewagt, es gebe aber Pläne. Mit der Migros-Gruppe hat sich Gries 2009 nach zwei nicht so erfolgreichen Versuchen mit Finanzinvestoren einen starken strategischen Partner ins Boot geholt. Die schweizerische Migros hält 49 Prozent.

          Wer verstehen will, warum die Gries Company so erfolgreich ist, muss sich von seinem 40 Jahre alten Chef, der täglich von Frankfurt zum Firmensitz pendelt, mit zackigem Schritt durchs Unternehmen führen und das Konzept erklären lassen. Regelmäßig schwirren seine Produktmanager und Ideensammler aus, um in Städten wie London, Stockholm und Amsterdam Trends aufzuspüren. Produktdesigner entwickeln daraus Farben und Kollektionen für die nächste Saison. Sie denken sich auch die Muster für Kleinteile wie Geschenkpapier und Keksdosen aus.

          Zum Erfolgskonzept gehört seit zwei Jahren auch ein Ladenbausystem mit dunklen Holzregalteilen

          Welche Kugeln 2012 am Weihnachtsbaum hängen, wurde bereits in diesem September festgelegt. Auf der Messe Christmasworld in Frankfurt Ende Januar schaue man dann nur noch „nach Highlights, die wir noch nicht haben“, sagt Gries. Ohnehin interessiere ihn das, was die Deko-Konkurrenz veranstalte, nur wenig. „Wir schauen lieber auf uns selbst.“

          Zum Erfolgskonzept gehört seit zwei Jahren auch ein Ladenbausystem mit dunklen Holzregalteilen, die sich in den unterschiedlich großen Filialen flexibel einsetzen und identisch bespielen lassen, wie Gries erklärt. Sie werden automatisch bestückt. Stets geht es dabei - neben einem festen Ganzjahressortiment wie Möbel und Geschirr - um saisonale Themenwelten, die immer wieder neu erfunden werden, so etwa das Oktoberfest im Herbst, als auch die Depot-Welt in Frankfurt mit Edelweiß und Hirschgeweihen auf Bayern getrimmt wurde.

          Flughafen spielt keine Rolle

          Die Thementische werden in den Kreativstuben in Niedernberg von sogenannten Visual Merchandisern mit Akribie zusammengestellt und anschließend abfotografiert, um dann zum Tag X auf die Tablet-PC der Filialmitarbeiter geschickt zu werden. Die wissen dann, wie etwa am Dienstag dieser Woche, dem Starttermin für die Silvesterdekoration, an welchem Platz genau Glücksschweinchen und Schornsteinfeger zu stehen haben. Etwa alle zwei bis vier Wochen wird das Sortiment gedreht. Das hat sich Gries bei den Textilern Zara und H&M abgeschaut.

          Möbel stehen im Laden dann, wenn dafür Platz ist. Sie sind die stärkste Warengruppe im Online-Verkauf, der vom Umsatz her laut Gries nicht die „Riesenbedeutung“ hat. Im nächsten Jahr will er das Geschäft jedoch ausbauen und dafür eine eigene Abteilung gründen. Geplant ist zudem die Gründung einer Akademie für die Weiterbildung der Mitarbeiter. Knapp 4000 sind das inzwischen.

          Der Frankfurter Flughafen spielt für das Unternehmen im Übrigen keine Rolle. Die in Asien hergestellten Waren kommen mit dem Schiff nach Europa. Manche schippern anschließend mit Binnenschiffen bis nach Bayern. Die Vorboten des Frühlings, Tulpen aus Stoff, sind auf diesem Weg schon eingetroffen in Niedernberg und stehen auf Mustertischen stramm in der Vase. Der „erste Frühjahrsmarkt“ startet am 27. Dezember. Vor dem Januar - Schreckgespenst vieler Einzelhändler - ist Gries nicht bang: „Das ist für uns immer ein starker Monat.“

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