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Goldhandel : Antike Schätze im dunklen Keller

In dem Degussa Goldhandel Museum können Besucher die Hand an einen echten Goldbarre legen. Bild: Wonge Bergmann

Degussa Goldhandel gönnt sich außer einer neuen Niederlassung in Frankfurt ein eigenes Museum. Dort geht es weniger um übliche Anlagemünzen als um Kulturgeschichte.

          Der neue Anziehungspunkt für Goldliebhaber in Rhein-Main liegt am Kettenhofweg im Frankfurter Westend in einer sanierten Stadtvilla. Er ist als Goldkammer apostrophiert und ein Museum in Nachbarschaft zur neuen Niederlassung von Degussa Goldhandel. Dies ist keineswegs Zufall. Dieser Edelmetall-Händler steht hinter der Einrichtung. Die Betreibergesellschaft, eine GmbH, ist eine Schwesterfirma von Degussa, wie die Direktorin Nadja Tomoum sagt.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Weshalb aber leistet sich ein Handelshaus wie Degussa ein Museum, das sich der Kulturgeschichte des Goldes widmet? „Aus Begeisterung für das Gold“ – und wegen der Möglichkeit, die Ausstellungsstücke zeigen zu können, sagt Tomoum. Bei den Exponaten handelt es sich nach ihren Worten um Dauerleihgaben. Wem sie gehören, verraten Degussa und die Goldkammer-Chefin nicht.

          Multimedialer Erlebnispfad

          Unabhängig davon weiß der Edelmetallhändler natürlich zu rechnen. Replikate von Exponaten sind dort auch als Schmuckstücke zu erwerben, für bisweilen vierstellige Beträge. Der wie die Belegschaft des Museums noch im Aufbau befindliche Shop bietet jedoch auch deutlich Günstigeres. Tomoum, eine Ägyptologin, sagt freimütig, Ziel sei ein rentabler Betrieb.

          Der Weg ins Museum führt über von weißen Fäden durchbrochenen schwarzbraunen Marmor hinab in die Tiefe. Im Untergeschoss erwartet die Gäste allerlei Edelmetall, jedoch keine Münzsammlung. Auch sind keine Barren aus Gold oder Silber, wie das Handelshaus sie anbietet, gestapelt. Wer dem Marmorpfad folgt, stößt unvermittelt auf eine Art multimedialen Erlebnispfad mit grundsätzlichen Informationen zur Geschichte des Goldes.

          Besucher erfahren zum Beispiel, dass das Edelmetall in grauer Vorzeit mit Meteoriten auf die Erde stürzte. Sie sehen einen hinter Glas geschützten Bohr-Kern in Form einer Stange. Wer genau hinschaut, entdeckt ein Schimmern. Dabei handelt es sich um eingelagertes Gold. Wie Tomoum erläutert, enthält die in Brasilien aus einer Mine geholte Stange beinahe 39 Gramm Gold, berechnet auf eine Tonne Gestein. Das klingt zwar nicht nach viel, ist aber ein reichhaltiger Fund: „Ab 2,5 Gramm lohnt sich der Abbau, um Gold zu gewinnen“, berichtet die Direktorin.

          Goldabbau belastet die Umwelt

          Wie es aus dem Erz gelöst wird, zeigt eine mehr als mannshohe Animation in einer Nische. Aus der Tiefe gefördertes oder aus einem Tagebau gesprengtes, edelmetallhaltiges Gestein wird demnach gebrochen und gemahlen. Um an das Gold zu gelangen, kommen giftige Salze zum Einsatz, Cyanide genannt. Die tiefste Tagebau-Mine der Welt liegt nach den Worten von Tomoum in Australien. Sie sei derart tief, dass der Eiffelturm zweimal hineinpasse – übereinander gestellt.

          Anders gesagt: Der Mensch hat sich dort mehr als 650 Meter nach unten gesprengt und gegraben. Das zeigt aber auch, das der Abbau von Gold die Umwelt zum Teil erheblich belastet und in der Regel nichts mit dem beschaulichen Versuch zu tun hat, Goldstaub per Sieb aus Flüssen zu waschen, wie es einst etwa am Rhein geschah und in Westernfilmen zu sehen ist. Vor allem aber spielt diese Art der Gewinnung nur noch für Hobbyschürfer eine Rolle.

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