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Götz Alsmann : Ohne Baguette und Baskenmütze

  • -Aktualisiert am

Er weiß, wo es brennt und wie man löscht: Götz Alsmann, der Sänger mit der Tolle. Bild: Kretzer, Michael

Götz Alsmann offenbart in der ausverkauften Alten Oper Frankfurt ein ausgezeichnetes Gespür für Nostalgie mit Unterhaltungseffekt.

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          Götz Alsmann als Multitalent zu bezeichnen hieße seine Vielseitigkeit eindimensional zu untertreiben. Was kann der aus Funk und Fernsehen populäre Münsteraner mit den tausend Eigenschaften und Berufen, der zum Einstand das Publikum nonchalant mit „Guten Abend, meine Damen und Herren, liebe Kinder“ nach alter Schaugeschäftmanier begrüßt, eigentlich nicht? In der ausverkauften Frankfurter Alten Oper brilliert der 54 Jahre alte promovierte Musikwissenschaftler und Honorarprofessor in erster Linie als Pianist und Sänger seiner 1988 aus der Taufe gehobenen Combo. Im gewohnt schicken Edelzwirn, mit penibel ondulierter Haartolle und Brillenmodell der fünfziger Jahre zeigt er ausgezeichnetes Gespür für Nostalgie mit Unterhaltungseffekt.

          Uniform in babyblaue Sakkos gekleidet, präsentiert sich das mit Bassist Michael Müller, Schlagzeuger Rudi Marhold, Perkussionist Markus Passlick sowie Vibraphonist und Trompeter Altfrid M. Sicking komplettierte Quintett - so führte einst Papi im Wirtschaftswunderland die Mami und den Nachwuchs am Sonntag aus. Die etwa gleiche Ära beschwört auch das Programm „In Paris“, Alsmanns aktuelle CD - eine unterhaltsame Tiefenanalyse zwischen gedämpften Trompetensoli, entspanntem Jazzbesen und surrealen Vibraphontupfern rund ums französische Chanson, die beschwingt mit Eddie Constantines „Du bist mein liebster Gast“ startet. Interpreten und Autoren stehen ebenso im Mittelpunkt wie imaginäre Stippvisiten zu den Champs-Elysées, zum Eiffelturm und nach Saint-Germain-des-Prés.

          Urkomisch

          Ein nicht ganz ungefährliches Terrain, doch Götz Alsmann umschifft heikle Klippen mit salopp Eingedeutschtem. Mit erstaunlichem Hintergrundwissen gibt er den Gourmet, verzichtet aber konsequent auf Klischees zwischen Baguette, Bardot und Baskenmütze. Dafür besticht er mit leutseligen Entertainerqualitäten, direkt adaptiert bei Kulenkampff und Carrell. Unglaubliche Geschichten mit dramatischen Wendungen und deftigen Pointen im typischen Schnellfeuergewehr-Stil weiß Alsmann in epischer Breite zu erzählen und das Publikum hängt wie selbstverständlich minutenlang an den Lippen des Co-Moderators von „Zimmer frei“.

          Urkomisch seine erste Begegnung mit dem Chanson als Zehnjähriger: ein rasanter Auftritt Gilbert Bécauds mit filterloser Zigarette und Whiskeyglas in der Hand bei Kulenkampffs EWG-Quiz, was in Klein-Götzens Erkenntnis mündete: „Ich will wie Bécaud sein!“. Monsieur 100000 Volt wird mit temporeicher Version von „Was wird aus mir?“ gewürdigt. Näher am Original befindet sich „Der Wolf tanzt Cha-Cha-Cha“ von Serge Gainsbourg. Frankreichs provokante Über-Ikone findet auch Erwähnung in Alsmanns Ausführungen über die Tonaufnahmen im Pariser Studio Ferber: „In der legendären, aber mittlerweile eigentlich abbruchreifen Kultstätte steht noch ein von Meister Gainsbourg gespendetes Sofa mit dessen DNA, auf das er einst weibliche Assistentinnen zum persönlichen Gespräch bat.“ Exotische Plätze beim Rundgang durch die Seine-Metropole gilt es zu entdecken - nicht alles glänzt authentisch: René Carols „Im Café de la Paix in Paris“ huldigt Komponist Fritz Schulz-Reichel. Caterina Valentes „Wenn es Nacht wird in Paris“ stammt ebenfalls nicht aus französischer Feder. Nicht ganz objektiv unterscheidet Alsmann zwischen anbetungswürdig und verdammenswert: „Irgendwie schmierig“ findet er Jean-Claude Pascal, Sieger des Grand Prix 1961. Übergroß die Verehrung für Eddie Constantine - „ein Amerikaner russisch-polnischer Abstammung in Paris, der Französisch mit amerikanischem und Deutsch mit französischem Akzent sang“. Als Pennäler eiferte Alsmann Constantines Paraderolle, Agent Lemmy Caution, im katholischen Jugendclub nach: „Hallo, wo brennt’s, darf man löschen?“

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