https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/goethe-uni-frankfurt-pruefung-von-qualitaet-der-lehre-14173250.html

Goethe-Uni Frankfurt : Qualitätskontrolle, hausgemacht

  • -Aktualisiert am

Starke Marke: Die Universität Frankfurt ist als erste Uni in Hessen systemakkreditiert. Bild: Henner Rosenkranz

Statt einzelne Studiengänge begutachten zu lassen, erwerben Unis jetzt Gütesiegel für ihr gesamtes Lehrmanagement. Doch auch dieses Modell überzeugt nicht alle.

          4 Min.

          Kann ein Chemiker gute Vorschläge machen, wie sich das Islamstudium verbessern lässt? Hat es Sinn, einen Soziologen zu fragen, wenn über Lehrpläne für Biologie diskutiert wird? Ja, glaubt Kerstin Schulmeyer-Ahl, und so geschieht es auch an der Goethe-Universität. Die Leiterin der Abteilung Lehre und Qualitätssicherung ist überzeugt, dass es ein Gewinn sei, Vertreter anderer Fachrichtungen in die Bewertung von Studiengängen einzubinden. Worüber natürlich die Fachkompetenz nicht vernachlässigt werden dürfe. Deshalb würden ja auch Islamwissenschaftler konsultiert, wenn es darum gehe, die hiesigen Islamischen Studien zu beurteilen - und solche Experten hole man sich dann von anderen Unis.

          Sascha Zoske
          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Immerhin muss Hessens größte Hochschule jetzt nicht mehr eine private Akkreditierungsagentur einschalten, wenn sie feststellen will, ob ein Studienfach gut aufgebaut ist und die Lehre dort hohen Ansprüchen genügt. Seit Ende März ist die Uni Frankfurt systemakkreditiert und darf damit selbständig über die Ein- und Weiterführung von Studiengängen entscheiden. Sie ist die erste Universität in Hessen, die dieses Privileg genießt; laut Wissenschaftsministerium haben außerdem noch die privaten Hochschulen Fresenius, Accadis und die Frankfurt School of Finance and Management die Systemakkreditierung erlangt.

          „Keine Gefälligkeitsgutachten“ für Studiengänge

          An der Goethe-Uni soll nun eine interne Kommission dafür sorgen, dass die Qualität der Studiengänge gesichert wird. In ihr sitzen Vertreter aller Fachkulturen, darunter auch Studenten, und prüfen Curricula auf ihre Praxistauglichkeit. Dass dabei höchst unterschiedliche Auffassungen über die Organisation eines Faches aufeinanderprallen, sorgt laut Schulmeyer-Ahl für kreative Unruhe: „Der Biologe erschrickt, wenn er sieht, wie frei Soziologen ihr Studium gestalten können. Umgekehrt öffnen sich Naturwissenschaftler durch den Austausch mit Kollegen aus anderen Fächern für Interdisziplinarität.“

          In die Bewertung fließen die Expertisen ein, die Fachleute aus anderen Hochschulen über die Studiengänge anfertigen - meist nachdem sie sich persönlich ein Bild von den Arbeitsbedingungen in Frankfurt gemacht haben. Das seien „keine Gefälligkeitsgutachten“, beteuert Schulmeyer-Ahl. Zwar sei in dem Verfahren, das seit geraumer Zeit erprobt werde, noch kein Studiengang durchgefallen. Die externen Wissenschaftler machten aber oft Verbesserungsvorschläge, und die Fachbereiche gingen zum Teil noch darüber hinaus. Umgekehrt könne es vorkommen, dass sich ein Studiendekan vor der Akkreditierungskommission verteidigen müsse, weil die sich eine „studentenfreundlichere“ Studienordnung wünsche.

          TU Darmstadt will auch Systemakkreditierung erhalten

          Dass die Uni Frankfurt die Nachricht von ihrer Systemakkreditierung so freudig verkündet, hängt auch mit einem kürzlich ergangenen Urteil des Bundesverfassungsgerichts zusammen. Die Karlsruher Richter hatten das Verfahren beanstandet, das für die Akkreditierung von Studiengängen in Nordrhein-Westfalen angewandt wird: Es schränke die Wissenschaftsfreiheit ein, weil es privaten Agenturen zu große Vollmachten zubillige - bis hin zu der Entscheidung, welches Fachgebiet mit welchem prozentualen Anteil im Lehrplan vertreten sein solle. Auch das Akkreditierungsrecht in anderen Bundesländern sei in dieser Hinsicht heikel. Bis Ende 2017 haben die Gesetzgeber nun Zeit, die Vorschriften nachzubessern.

          Vorerst bleibt aber auch in Hessen alles so, wie es ist: Hochschulen können weiterhin einzelne Studiengänge von Agenturen begutachten lassen oder wie die Uni Frankfurt nach bestandener Systemakkreditierung diese Aufgabe selbst in die Hand nehmen. Dass es nötig sei, für die Qualitätssicherung der Lehre externen Sachverstand hinzuzuziehen, nachdem sich der Staat aus dieser Aufgabe zurückgezogen habe, werde durch das Karlsruher Urteil nicht in Frage gestellt, hebt das Wissenschaftsministerium hervor.

          Weitere Themen

          Ein Bach im Kunstort

          Ausstellungshalle Portikus : Ein Bach im Kunstort

          Sommerlich und einladend: Asad Raza leitet Mainwasser quer durch den Frankfurter Portikus und schafft einen Kunstraum rund um das Wasser und den Menschen.

          Gespürte Inflation

          FAZ Plus Artikel: Preissteigerung im Alltag : Gespürte Inflation

          Die stark steigenden Preise belasten nicht nur Verbraucher, sondern auch kleine Lebensmittelhändler und -produzenten. Ein Bäcker, ein Eisladen, eine Kaffeerösterin und ein Bierbrauer legen ihre Kosten offen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.