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Goethe-Gymnasium, Frankfurt : „So richtig auf die Hütte knallen“

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Der 1. FFC Frankfurt hat sieben Meisterschaften, siebenmal den DFB-Pokal und dreimal den Europapokal gewonnen. Wie man so erfolgreich wird, erklären die Spielerinnen den Schülern der Klasse 7d des Goethe-Gymnasiums beim Trainingsbesuch.

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          Dicke, dunkle Wolken ziehen uns entgegen. Tatsächlich, es fängt an zu regnen. Wird unser Interview mit den Fußballerinnen vom 1. FFC Frankfurt ins Wasser fallen? Nein! Als wir ins Stadion am Brentanobad eingelassen werden, lacht schon wieder die Sonne. Und auch die Spielerinnen, die sich unterm Tribünendach zu uns setzen, lachen. Sie veräppeln sich gegenseitig und boxen sich in die Seite. Aber sie haben doch gerade ein Heimspiel gegen Turbine Potsdam mit 1:2 verloren. „Wir wollen unsere gute Laune nicht verlieren“, sagt Meike Weber. „Man muss das in der Mannschaft abhaken und sich aufs nächste Spiel konzentrieren“, sagt Svenja Huth. „Wenn man sich die ganze Woche nur um die Niederlage kümmert, dann geht das nächste Spiel garantiert auch verloren.“

          Da wollen wir sie auch nicht weiter mit solchen Fragen nerven. Wir wollen wissen, was sie antworten, wenn Männer behaupten, dass Fußball nichts für Frauen ist. „Dann schnappe ich mir denjenigen“, sagt Sarah Günther, „spiele eine Runde Fußball mit ihm, und dann ist das aus der Welt.“ Die meisten der Spielerinnen haben als Kinder sowieso nur mit Jungs gekickt. Karolin Thomas sagt: „Ich bin mit den Jungs irgendwie groß geworden, und als ich mit zwölf nicht mehr mit denen kicken durfte, hatte ich eigentlich keine Lust mehr. Ich konnte mir damals gar nicht vorstellen, in einer Mädchenmannschaft zu spielen.“ Jetzt spielt sie im Bundesligateam des berühmten 1. FFC Frankfurt, und ein paar von den Jungs von damals hätten heute im Spiel gegen sie ganz sicher schlechte Karten.

          „Torschuss ist immer gut“

          So wie der Fußballspieler, der bei einem Freundschaftsspiel im Zweikampf gegen Meike Weber zweiter Sieger geblieben war. „Das fand der Kerl nicht so toll“, sagt Meike, „und hat mich dann einfach von hinten umgegrätscht. Da hab' ich mir einfach den Ball geschnappt und hab' ihn dem an den Hinterkopf geworfen. Das hat für gute Stimmung gesorgt, und alle mussten lachen. In einem normalen Punktspiel würde mir das aber nicht passieren.“

          Vom Trainer der Frankfurterinnen, Günter Wegmann, wollen wir wissen, wie er sie dazu bringt, im Spiel an ihre Grenzen zu gehen. „Das kommt von selbst“, sagt Herr Wegmann, „so wie jedes Kind auf spielerische Weise und mit Freude an der Bewegung lernt, so macht es unseren Spielerinnen Spaß, sich am Wochenende in einem Spiel zu bewegen, dann aber auch zu versuchen, das Beste aus sich herauszuholen, um eben stärker als das Gegenüber zu sein.“ Ob es bei der Technik Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen gebe, fragen wir. „Das ist nicht vergleichbar“, so lautet Herrn Wegmanns Antwort, „sie sind vom ganzen Habitus her unterschiedlich. Jungen und Männer haben mehr Kraft, Mädchen und Frauen sind eher bereit, ihre Fähigkeiten einzubringen und bewusster und zielstrebiger zu lernen. Wenn ein Mann den Ball dreimal geradeaus spielen kann, ist er immer schon perfekt. Frauen nehmen sich mehr Zeit.“

          Was sie eigentlich von ihren Trikots halten, fragen wir die Spielerinnen. Ob sie nicht auch wie die Tennisfrauen lieber Röcke als Hosen tragen würden. Karolin Thomas sagt: „Ich trage auch in meiner Freizeit nicht gern Röcke. Ich finde unsere Trikots ganz okay. Nur wenn wir die Männertrikots anhaben, also die ohne Frauenschnitt, bei denen eine S-Hose wie ein Sack sitzt, da bin ich dann nicht so zufrieden.“

          Bevor die Spielerinnen uns unten auf dem Rasen ein paar Übungen und Tricks mit dem Ball vorführen werden, wollen wir wissen, welche Übungen sie beim Training hilfreich finden. „Torschuss“, sagt Karolin Thomas, „Torschuss ist immer gut. Es macht halt einfach Spaß. Man kann so richtig auf die Hütte knallen.“ Welche Arten von Torschüssen, fragen wir. „Einfach voll drauf“, sagt Sarah Günther. „Ja“, sagt Karolin Thomas, „einfach volle Rotze drauf.“ Und alle lachen wieder, auch der Trainer.

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